Sonntag, Dezember 15, 2019

Yap 4



Fort Worth wie es leibt und lebt

Ich gebe es gerne zu: Ich habe an Disneyland gedacht, als wir die Reise nach Fort Worth geplant hatten. Ich träumte von elektrifizierten Pferden und von Computer-animierten Longhorns. Aber es kam alles ganz anders.

Das historische Quartier von Fort Worth, die Stockyards, präsentiert sich, ganz im Gegensatz zum French Quarter in New Orleans, origineller und authentischer. Der Charme des Wilden Westens wurde sorgfältig erhalten.

Kam da nicht eben James Stewart um die Ecke? War es tatsächlich John Wayne, der vor dem White Elefant Saloon den Colt zog? Wohnte etwa Ennio Morricone, der geniale Komponist der Musik zum Film «Spiel mir das Lied vom Tod», wirklich im gleichen Hotel wie wir? Einem Hotel, dass ich übrigens nur empfehlen kann: Das Hyatt Place Stockyards in Fort Worth.

Quasi vor der Haustüre trampelt zweimal täglich eine Herde Longhorns vorbei. Im Zaun gehalten werden die Rinder von Cowboys und Cowgirls. Niemand mag sich ausdenken, was passiert, wenn die Viecher erschrecken und die ganze Herde plötzlich losdonnert. Mit ihren «long horns» würden die Longhorns die Zuschauer mehr als nur auf die Hörner nehmen.

Weder Mac Donalds noch andere Junkfood-Läden verschandeln das Quartier. Natürlich gibt es in einigen Läden den üblichen Touristenkitsch zu kaufen. Aber auch Stiefel in allen Ausführungen - die Preise sind nach oben offen - können nach Mass angefertigt werden. Ohrensessel aus Longhorn-Leder, ein Bison-Fell als Bettvorlage? «No problem, Sir!»

Die Saloons und Steakhäuser sind gut besetzt. Nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische bevölkern die Lokale. Natürlich bestelle auch ich mir ein Steak. Aber Vorsicht! Klein ist hier gross, ganz klein meistens grösser. Aber immer himmlisch gut!

Bei Billy Bob's, im grössten Honkytonk-Lokal von Texas, muss es am Wochenende nicht nur wie im hölzernen Himmel, sondern auch höllisch zugehen. Dreitausend Menschen haben problemlos Platz und können gleichzeitig den Line-Dance tanzen, auf einem Bullen reiten und sich das Pochettli volllaufen lassen. Nebenan finden irgendwelche Rodeo-Meisterschaften statt, auch das Baseball-Stadion ist ganz in der Nähe.

Wie es weiter ging in Fort Worth erfahren Sie demnächst an dieser Stelle.

«Same station, same writer – stay tuned!»

Bleiben Sie dran!

 

Samstag, Dezember 14, 2019

Yap 3



Fort Worth und das liebe Vieh

Fort Worth wurde 1849 als Militärgarnison gegründet. Die Stadt ist nach General William J. Worth, Befehlshaber der US-Truppen im mexikanisch-amerikanischen Krieg, benannt. Im Gegensatz zum benachbarten Dallas ist Fort Worth behäbiger, urtümlicher. Dallas ist bekannt als Ort des Attentats auf den früheren Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963. Fort Worth jedoch ist zum Inbegriff der Texas-Longhorns geworden.

Diese urtümlich anmutende Rinderrasse, vermutlich eine Kreuzung zwischen spanischen und englischen Rindern, wurde im südlichen Texas in grossen Mengen gezüchtet. Da man die Bisons in der Gegend grosszügig ausgerottet und die Indianer in mickrige Reservate gesteckt hatte, war genügend Weideland vorhanden. Allerdings war mit dem Vieh kaum mehr Geld zu verdienen. Ganze vier Dollar erhielten die Farmer für ein Rind. Weiter nördlich wurde das Zehnfache, nämlich vierzig Dollar, dafür bezahlt. Also nichts wie los ins gelobte Land! Und so wanderte man mit den Tieren im Frühtau nicht zu Berge, sondern Richtung Norden.

Die Tiere der Rasse Texanisches Longhorn waren für solche Touren, es waren immerhin über achthundert Kilometer, besonders gut geeignet. Sie hatten lange Beine und harte Klauen, die es erlaubten, sie auch über lange Strecken zu treiben. Schätzungsweise neun Millionen Rinder wurden über den Chisholm Trail und ähnliche Viehtriebe zum nächsten Bahnhof oder in die Nähe der grossen Städte verbracht. Ein gewisser Herr Wheeler soll den Chisholm Trail erstmals im Jahre 1867 benutzt haben, um eine Herde von 2’400 Rindern nach Abilene, in die Nähe von Fort Worth, zu treiben.

Fort Worth entwickelte sich mit der Zeit zu einem der größten Viehhandelszentren der USA. Ausschlaggebend dafür war sicher, dass die Stadt im Jahre 1876 ans Eisenbahnnetz der Texas and Pacific Railroad angeschlossen wurde. 

Eines Tages aber war alles vorbei, die Menschen in den Städten mochten das Fleisch der Longhorns nicht mehr. Die Preise fielen ins Bodenlose, die Stockyards, die Viehhöfe von Fort Worth, wurden geschlossen, der Distrikt fiel in einen Dornröschen-Schlaf.

Hundert Jahre später kam dann endlich der dringend benötigte Prinz daher geritten. Ob auf einem Longhorn oder auf einem Pferd, ist nicht bekannt. Hickman hiess er und war zufälligerweise bereits seit längerer Zeit der grösste Immobilienbesitzer der Gegend. Zusammen mit einem kalifornischen Investor hatte man die Idee, das alte Fort Worth wieder aufleben zulassen. Die Stockyards sollten wieder mit Longhorns und Cowboys bevölkert werden. Rodeos und Viehauktionen sollten das historische Quartier wieder beleben.

Es ist ihnen gut gelungen. Mehr dazu im nächsten Blog.

Freitag, Dezember 13, 2019

Yap 2


Nur fliegen ist schöner!

Keine Ahnung, wer diesen völlig falschen und hirnrissigen Spruch jemals gesagt hat. Es können höchstens Business-Passagiere oder Mitarbeiter einer Werbeagentur gewesen sein. Doch lassen wir die Sinnsuche; wenden wir uns wieder der Realität zu.

Unsere Übernachtung in Frankfurt war, von einigen kleinen Übeln abgesehen, gut. Das HILTON GARDEN INN kann empfohlen werden; das Beste daran ist jedoch die Bar im benachbarten HILTON. Und das Restaurant Käfer im Flughafengebäude.

Ungenügend in den Hotels ist nach wie vor die Behandlung von Rauchern, immerhin pafft über ein Drittel der Reisenden: Eine starke Minderheit. Und somit durchaus fähig, eine Sammelklage gegen Betriebe einzureichen, welche Raucher auf Strassenkreuzungen in dunkle Hinterhöfe oder gleich ans Ende eines Bahnsteigs schicken.

Entgegen aller Erwartungen gibt es heute keinen Rundumschlag gegen die LUFTHANSA. Eines aber sei hier anzumerken: Auch hier kocht man nur mit Wasser. Was immerhin besser ist, als mit Wasser zu fliegen.

Was sich die Marketingheinis, vulgo Heissluft-Duscher, erlauben, ist grenzwertig: Fliegen ist nicht schön. Aber praktisch. Nicht praktisch ist es, dass sich die Sitze nur von Kampfsportlern oder andern körperbetonten Menschen verstellen lassen. Sitze, die als Premium Eco angeboten werden und immerhin ca. 500 Euro mehr kosten als das normale Eco-Ticket. Vorsicht: Benutzen Sie unter keinen Umständen die zur Verfügung gestellten Kopfhörer. Sie könnten damit problemlos ihr Trommelfell durchstechen. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass die Dinger bis ins Hirn gelangt sind.
Aber sonst war alles in Ordnung.
 
Dass man die Menukarten abgeschafft hat? Eine Lappalie!
Dass man die Freundlichkeit abgeschafft hat? Eine Lappalie!
Dass man die Fussstützen herausgerissen hat? Eine Lappalie!

                                                                                                              
Nur UNITED AIELINES macht das Fliegen noch gewöhnlicher. Über deren Lappalien mehr an dieser Stelle in den nächsten Tagen.

 

 

 

 

Donnerstag, Dezember 12, 2019

Yap 1


Taxi, Taxi!
 
Als geübte Weltenbummler haben wir unsere Reise selbstverständlich perfekt vorbereitet. Die Flüge sind so ausgelegt, dass wir auch mit eventuellen Verspätungen umgehen können. Auch Transferzeiten wurden berücksichtigt, Taxis und andere Verkehrsmittel wurden frühzeitig gebucht. Eine Vorsichtsmassnahme die sich bereits am ersten Tag auszahlen sollte.

Denn einmal mehr findet der Taxifahrer, er soll uns an den Bahnhof Sissach bringen, unsere Adresse nicht. Gut, ich würde in Irkutsk oder Izmir meine Adresse auch nicht finden. Die Sissacher Taxifahrer allerdings sollen zur Ausübung ihrer Tätigkeit eine Prüfung ablegen müssen. Vielleicht auch in Ismir?

«Abe verstande Nummer 14.»
«Hier isse aber Nummer 4.»

Ja, sicher.

Wir schaffen es auf die Minute genau zum Bahnhof, erreichen Basel und nehmen von dort den Bus zum Flughafen.

Eigentlich mag ich diesen Flughafen. Er ist klein, übersichtlich und relativ gut organisiert. Allerdings handelt es sich bei der Organisationsform um ein französisches Modell. Und so kam es, dass ich "meine letzte Zigarette" - Eingeweihte werden natürlich wissen, dass es sich bei der Zigarette um einen Zigarillo handelte - im strömenden Regen paffte. Wobei der Begriff «Terrasse» völlig abstrus ist. Es handelt sich um einen Käfig, dieser erinnert mich an den letzten Zoobesuch.

Die Sicherheitskontrollen sind auch in Basel weltmännisch fortgeschritten. Neu ist, dass nun auch E-Books einer hochnotpeinlichen Kontrolle unterzogen werden. Vermutlich werden bei dieser Prozedur gleich auch noch die Daten meiner gespeicherten Bücher ausgelesen.

Natürlich haben wir vor unserm Abflug nach Frankfurt noch ein ordentliches Cüpli gesüffelt. Mein Pech war es, dass der Monsieur vor mir eine komplizierte Bestellung aufgab.

«Einen Kafi, bitte», meinte der Zürcher.

«Au lait?», fragte der Verkäufer.

«Nix olé, wir fahren nach Izmir!», antwortete der potentielle Kaffeetrinker.

«Fahren? Nix fahre, fliege. Dies ist Flug-Afé!»

«Was Afé? Selber einer! Einen Kafi will ich»

«Voilà, votre café, Monsieur».

Natürlich will der Zürcher mit einer Hunderternote bezahlen. Der Herr über die Tassen hat wie üblich jedoch kein Wechselgeld, schliesst kurzerhand seine Kasse, trinkt den Kaffee selbst und lässt den Zürcher stehen. Dieser entfernt sich, nicht ohne sämtliche Franzosen in die Hölle oder sonst wohin gewünscht zu haben.

Doch bereits nach drei Minuten ist die Bar wieder in Betrieb, wir kommen zum letzten Schluck vor unserer grossen Reise nach Yap.

Der nächste Blogeintrag wird sich mit der Fliegerei generell und der Lufthansa im Besonderen befassen.

 



Donnerstag, November 28, 2019

Spielen


Spielen

Ihr Aufenthalt an Bord wird von Mühsal, Langeweile und Durst geprägt sein. Reisen Sie zu zweit oder im Familienverband, ist es durchaus nützlich ein paar Spiele einzupacken.

Das «Bordunterhaltungssystem» gewisser Airlines bietet auch elektronische Spiele an. Der Zwergenbildschirm vor Ihrem Kopf wird Ihnen dieses zweifelhafte Vergnügen sehr schnell wieder austreiben.

Empfehlenswert sind Spielkarten oder Brettspiele wie Scrabble oder Backgammon. Letztere gibt es auch in der Reiseausführung mit magnetischen Spielsteinen. Sie wissen ja, die Luftlöcher kommen aus heiterem Himmel!

Verpönt sind alpenländische Kartenspiele, bei denen man aus unerfindlichen Gründen fortlaufend eigenartige Laute von sich geben muss.

Auch halbelektronische Varianten der Quizshow Wer wird Millionär? mit Musikeinspielungen und Lichtshow, werden die Sitznachbarn nicht gerne hören.

Nicht erlaubt an Bord sind selbstverständlich Ballspiele, Kegeln und Kanuweitwurf.

 

Freitag, November 22, 2019

Sicherheitskontrollen



Sicherheitskontrollen

Wir kennen in der Zwischenzeit die obligaten Sicherheitskontrollen. Dort wird Ihnen alles abgenommen das an diesem Tag gerade verboten ist. Da diese Vorschriften beinahe stündlich wechseln, verzichte ich auf eine Aufzählung.

Beachten Sie, dass die heute in Frankfurt oder Zürich angewandten Bestimmungen in Singapur mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht gültig sind.

Beispiel: Sie haben im Duty-free-Shop in Kuala Lumpur ein Glas Mango-Chutney gekauft. Sie dürfen dieses in die Maschine nach Singapur mitnehmen.

Da Sie dort an Bord eines Fliegers nach Europa gehen, wird man Ihnen das Mangozeugs wieder abnehmen und vor Ihren Augen in einen Abfallcontainer schmeissen. Kein schöner Anblick.

Zumindest nicht für Sie.

Besonders schlaue Menschen versuchen, das Mango-Chutney in den Windeln ihres Neugeborenen zu verstecken. Auf diesen Trick fällt kein Beamter mehr herein.

Auch Babys werden geröntgt und durchsucht. Im Zweifelsfall legt man sie zusammen mit den Handtaschen aufs Gepäckband und schiebt die ganze Bagage durch das Röntgengerät. Soll kaum körperliche Schäden verursachen.

Nur psychische.

Vor allem bei den Müttern.


Freitag, November 15, 2019

Handgepäck


Handgepäck

An dieser Stelle geht es ausschliesslich um das Handgepäck, auch «Carry-on luggage» oder «Carry-on baggage» genannt. Das grosse Gepäck, dass «Checked luggage», auch «Check-in baggage», wird aufgegeben; es reist quasi unter Ihnen im Bauch der Maschine mit.

Sie wollten wissen, was der Unterschied zwischen «luggage und «baggage» ist? Es gibt keinen. Die Amerikaner bezeichnen ihre Koffer als luggage, die Engländer als baggage. Sollte ein Sprachwissenschaftler neben Ihnen sitzen, wird er sich gerne darüber auslassen, weshalb dies so ist. Auch, warum im Musical My fair Lady folgender Satz fällt:

Should we ask this baggage to sit down or shall we just throw her out of the window?

Noch mehr unglaublich wichtige und nebensächliche Informationen rund um das Gepäck finden Sie in der entsprechenden Rubrik.

Erwarten Sie von mir keine Details zur erlaubten Grösse und zum Gewicht des Handgepäcks. Da hat jede Airline ureigene Ansichten. Und so sicher wie das Amen in der Kirche, ändern sich die Vorschriften laufend.

Ein Blick auf die Internetseite der Airline hilft trotzdem. Nehmen Sie in jedem Fall nur kleines Kabinengepäck mit. Lassen Sie die Hartschalendinger zu Hause und



kaufen Sie sich einen Allerweltskoffer mit kleinen Rollen. Packen Sie bloss das Allernötigste ein. Und achten Sie auf die aktuellen Sicherheitsvorschriften.

Da sich auch diese laufend ändern, gibt’s hier weder Tipps noch Tricks dazu. Packen Sie in jedem Fall einen Satz Wäsche ein. Sollte Ihr grosser Koffer nämlich nicht ankommen, haben Sie was zum Anziehen für den ersten Tag.

Noch ein Tipp zur Gewichtsverminderung: Leisten Sie sich ein E-Book.

Sie wollen also anstelle eines normalen Handgepäcks einen Rucksack mitnehmen? Das mag ja toll sein, wenn Sie planen, durch die Wüste Gobi, den Dschungel in Borneo oder durch den Hindukusch zu trekken.

Während eines harmlosen Strandurlaubs wird Ihnen dieses Ding gar keine Freude bereiten. Ganz im Gegenteil: Sie werden sich Feinde machen. Nämlich alle diejenigen, denen Sie den Rucksack an den Kopf gewatscht haben. Also ziehen Sie das Ding aus, bevor Sie in die Röhre steigen.

Ganz abgesehen davon, Sie sehen einfach lächerlich aus, wenn Sie sich an der Bar des Hilton in Bora Bora den neuen Outdoor-Bagpack von Jack Wolfskin, den Dynamic Pro-38 Pack, von der Schulter reissen. Das belüftete Vollkontakt-Tragesystem mit Hauptfach, 5 Taschen, Trekkingstock-Fixierung, patentiertem Trinksystem, Regenhülle und Reflektoren wird den Anwesenden höchstens ein mitleidiges Lächeln entlocken.