Montag, Dezember 30, 2019

Yap 15


20 Jahre Mikronesien

Vor zwanzig Jahren haben wir das erste Mal Mikronesien bereist. In der Zwischenzeit dürften es weit mehr als 500 Tage gewesen sein, die wir hier verbracht und auch gelebt haben. In alphabetischer Reihenfolge haben wir folgende Inseln besucht:

 Ant
Dublon
Etten
Falalop
Fefan
Guam
Ik
Ikik
Ifalik
Lamotrek
Minto
Moen
Ngulu
Oroluk
Pasa
Param
Pakin
Palau
Ponape
Ruo
Sorol
Satawal
Udot
Umam
Ulithi
Tol
Yap
 

Das war's bereits für heute: Sollten Sie einige der Inseln auf ihrer Weltkarte nicht finden: Melden Sie sich einfach per Whatsapp oder E-Mail bei uns. Wir geben Ihnen gerne Auskunft.

Die nächsten Tage wird’s wieder ruhig auf meinem Blog. An Festtagen bleibt die Schreibmaschine im Schrank. Nächstes Jahr geht’s dann wieder los. Mit spannenden Geschichten aus der Südsee!

Ich wünsche allen Lesern einen guten Start ins Neue Jahr! Bleiben Sie mir treu!

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, Dezember 28, 2019

Yap 14


Wir basteln uns einen Beamten

Der Stempler

Die Ankunft am Flughafen von Yap ist immer wieder überwältigend. United Airlines hate ihren Flugplan weiter ausgedünnt. Man fliegt gerade mal noch zweimal wöchentlich auf die Insel. An- und Abflüge finden prinzipiell nach Mitternacht statt. ‘Die sollen froh sein, dass wir überhaupt noch nach Yap fliegen’, wird man sich dabei gedacht haben.

Wie üblich werden zuerst die Pässe kontrolliert. Obwohl die Regel gilt, dass Besucher 90 Tage im Land bleiben dürfen, gibt es bei der Einreise grundsätzlich nur eine Bewilligung für 30 Tage. Heute ist der 12. Dezember 2019. Der Herr über die Stempel schwitzt nur leicht, rechnet dafür um so mehr und notiert in unserm Pass: Ausreise am 21. Dezember 2019.

Anschliessend legt uns ein junges Mädchen im Auftrag des Tourismus-Büros eine Blumengirlande über die Schultern. Da es hier keine Rollbänder für das Gepäck gibt, folgt nun ein fröhliches Wett-Pflücken. Die Koffer werden vom Flieger auf einen Gepäckwagen geladen, zum Flughafengebäude gefahren und dort mehr oder weniger sanft auf eine Rampe gelegt. Jetzt dürfen die Koffer gepflückt werden!

Wir bemerken das Missgeschick des amtlichen Stemplers erst bei unserer Ankunft im Hotel. Am nächsten Morgen fragen wir einen Mitarbeiter der Reception, was den jetzt zu tun wäre. Aus der Erfahrung des letzten Jahres wussten wir, dass das für Ein- und Ausreisestempel zuständige Büro zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen sein würde. Und wir wussten auch, dass niemand weiss, an welchen Datum genau die Festtage wieder zu Ende gehen würden.

Der Mitarbeiter des Hotels behändigte sich unserer Pässe und brachte diese ins Passbüro. Wir erhalten sie etwas später wieder zurück. Jemand hatte die Daten von Hand überschrieben. Unsere amtlich bewilligte Ausreise hatte nun am 11. Januar 2020 stattzufinden.

Da wir unsere geliebte Insel jedoch erst am 22. Januar 2020 verlassen werden, müssen wir dem Passbüro wohl oder übel noch einmal einen Besuch abstatten. Aber erst nächstes Jahr.

 

 

 

Freitag, Dezember 27, 2019

Yap 13


Guam
 
Nach einem langen Flug aus Hawaii sind wir in Mikronesien, in Guam, gelandet. Da es sich um einen Inland-Flug handelt, wird auf Passkontrollen verzichtet; schon eine Stunde später haben wir unser Hotel erreicht. Unzählige Male haben wir bereits im Hotel Santa Fé übernachtet. Es ist vielleicht das einzige Hotel auf der ganzen Insel, dass nicht von Japanern oder Amerikanern, sondern von Einheimischen betrieben wird. Keine Ahnung, woher das Hotel den seltsamen Namen hat. Die Stadt Santa Fe liegt nämlich in New Mexico. Nein nicht in Mexico, sondern in den Vereinigten Staaten von Amerika. Aber auch dies irritiert uns nicht. Wir checken ein und setzen uns in das Restaurant am Strand.

Über Guam habe ich in meinen Büchern «Ikefang und Gutgenug» sowie «Immer wieder Fernweh» bereits alles geschrieben was Wissenswert ist. Auch darüber, dass die amerikanische Armee jede Menge Atomwaffen auf der verbuddelt hat. Man weiss ja nie: Immerhin hat der nordkoreanische Atom-Kaspar die Insel Guam zu einem seiner Lieblingsziele erkoren.

Nur eines wussten SIE vielleicht noch nicht: Hier fülle ich immer meinen Vorrat an Zigarillos wieder auf. Ben Salazar, so heisst der Inhaber des kleinen Shops in der Micronesian Mall, hat sie für mich besorgt. Dass er an diesem Tag den Umsatz des Jahres macht, nehme ich gerne in Kauf. Denn auf der Insel Yap, und genau dorthin wollen wir jetzt, gibt es überhaupt keine Zigarillos zu kaufen.

 

 

 

Mittwoch, Dezember 25, 2019

Montag, Dezember 23, 2019

Yap 12


Was Churchill nicht gesagt hat

Ich erwache mitten in der Nacht. Eigenartige und ungewohnte Geräusche sind zu hören. Laute wie «Ohhh» und «Ahhh» setzen sich in meinen Ohren fest. Was war nur in diesem Hotel los?

Im Hotel war gar nichts los. Aber davor! Nach Pearl Harbor und der gestrigen Memorial- Parade bekamen wir gleich noch ein drittes Spektakel zu sehen und zu hören.

Über den grossen Boulevard vor der Hotelanlage wälzte sich eine riesige Menschentraube. Zehntausende ächzender, stöhnender und schnaufender Menschen rannten durch die frühmorgendlichen Strassen Honolulus. Was ich zu hören bekam, waren die anfeuernden Worte der unzähligen Zaungäste, die das Spektakel sehen wollten: Den Hawaii-Marathon 2019.

Die Spitzensportler waren wohl bereits im Ziel angekommen. Was ich zu sehen bekam, war bestenfalls das dritte Drittel der Veranstaltung. Mütter stiessen entnervt ihre Kinderwagen über den noch kühlen Asphalt. Ein älterer Mann mit Rollator versuchte, den Anschluss zu halten. Mehrere Rollstühle flitzten vorbei, Teenager auf Surfbrettern, die mit Rädern bestückt waren, keuchten und versuchten den Anschluss an die Menge zu finden.

Es sollen über Hunderttausend gewesen sein, die an diesem Morgen unser Hotel passierten. Ich denke kurz über den Laufsport nach. Aber nur ganz kurz.

«No sports!», soll Churchill gesagt haben, als ihn ein Reporter nach dem Geheimnis seines langen Lebens befragt hatte. «Sport ist Mord!», übersetze dieser die Antwort und schuf damit ein geflügeltes Wort. Ein geflügeltes Wort, dass es jedoch weder in englischer noch in deutscher Sprache je gab. Der Reporter hatte die Antwort Churchills ganz einfach erfunden.

Nach der geballten Ladung Aktivität in Hawaii sehnen wir uns nach den wirklichen Ferien. Unser nächster Flug wird uns von Honolulu über den Pazifik nach Guam bringen. 6’000 Kilometer über offenes Wasser! Ich greife unter meinen Sitz und kontrolliere das Vorhandensein der Schwimmweste.

 

Sonntag, Dezember 22, 2019

Yap 11


Pomp und Paraden
 
Heute geht’s auf Besichtigungstour. Nachdem wir notgedrungen auf der Insel Oahu einen Zwischenstopp eingelegt haben, wollen wir diese auch besichtigen. Wir entscheiden uns für eine Busreise in den Osten der Insel. «Discover the real Hawaii», wird uns angedroht.

Während der Fahrt durch das Villen-Quartier von Honolulu werden wir mit den notwendigen Informationen berieselt. Wir sehen die grösste Villa, das grösste Grundstück, das Haus der reichsten Familie, das Anwesen des berühmten Kaugummi-Fabrikanten. Natürlich auch das Film-Haus von MAGNUM. Weder dessen Darsteller Tom Selleck, noch seinen Film-Hausmeister und dessen Dobermänner bekommen wir zu sehen.

Wir umrunden Vulkankegel, die Strasse führt einer Steilküste entlang zu unzähligen Aussichtspunkten. «Hier hat Elvis Presley seine Muse geküsst. Oder Sie ihn.»
«An diesem Strand ist irgendein Bond-Girl dem Wasser entstiegen; auf jener Klippe hat Tony Curtis gestanden.» Und so weiter, und so fort.

Es ist tatsächlich eine wunderbare Gegend, die wir zu sehen bekommen. Hinter jeder Kurve verändert sich die Landschaft. Bergrücken, so kahl wie die schroffen Berge im südlichen Kreta wechseln mit Ansichten, die an die Hochebenen des Juras erinnern. Wir tauchen ein in tropische Wälder, befinden uns plötzlich auf einer Autobahn. Wir durchfahren einen veritablen Tunnel und gelangen zu einem weiteren Aussichtspunkt. Informationstafeln geben Auskunft über vergangene Schlachten. Unter uns liegt ein riesiges Militärgelände der amerikanischen Armee.

Als wir uns gegen Abend wieder Honolulu nähern, erwartet uns ein nicht ganz unerwartetes Chaos. Die Zufahrstrassen nach Waikiki und somit zu den Hotels wurden geschlossen. Der Verkehr bricht zusammen, die Stadt steht still. Heute ist Memorial-Day, man gedenkt der Schlacht von Pearl Harbor, die genau heute vor 78 Jahren stattfand. Und wie in Amerika üblich, werden solche Tage mit Pomp und Paraden gefeiert.

Sämtliche Truppengattungen marschieren in mehr oder weniger martialischer Aufmachung durch die Strassen Waikikis. Militärmusik ertönt, Majoretten schwingen Bürzel, Fahnen und Beine. Eine Kolonne aus Oldtimern fährt vorüber. Die Polizeitruppe «Waikiki-Beach» erscheint auf knatternden Motorrädern, dicht gefolgt vom lautstarken Harley-Davidson Club «Hula-Hula». Beinahe zwei Stunden dauert das Treiben, dass manchmal an einen Cortège an der Basler Fasnacht erinnert.

Wir bestellen ein letztes Glas Wein an der Hotelbar. Um 23.00 Uhr wird sie geschlossen, der Wein in Plastikbecher umgeschüttet. Das  nächste Mal, wenn es denn eines geben sollte, werden wir uns ein anderes Hotel aussuchen.

Morgen nehmen wir Sie mit auf unsern Flug von Honolulu nach Guam. Bis dann!

 

 

Samstag, Dezember 21, 2019

Yap 10


 

 Vergangenheit

Amerikaner und Japaner besichtigen ihre eigene Vergangenheit. Ob sich Amerikaner und Japaner den Gräuel des Krieges verziehen haben? Diese Frage habe ich in meinem letzten Blog nicht beantwortet. Ich kann es auch heute, am zweiten Tag unseres Besuches von Honolulu nicht wirklich beantworten.

Tatsache ist: Die Japaner haben den Amerikanern im Dezember 1941, nach dem Überfall auf Pearl Harbor, den Krieg erklärt. Ein Krieg, der offiziell am 2. September 1945 beendet wurde. Inoffiziell ging er bereits am 6. August, mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima, zu Ende.
 
Gewonnen hatten somit die Amerikaner. Trotzdem wurde Hawaii von Millionen von Japanern eingenommen. Diesmal lief die Invasion jedoch friedlich ab. Sie spielt sich vor den Wühltischen der Kaufhäuser, in den Nepplokalen der Tourismusindustrie ab. Die Schlachtfelder heissen nicht mehr Pearl Harbor, Bloody Beach oder Sandy Island, sondern Gucci, Rolex oder Valentino.

Morgen geht’s auf eine Rundreise um die Insel Oahu. Bis dann!

P.S. Ich gebe es gerne zu: Auch nach Jahren des Reisens und des Inselsammelns bin ich nicht in der Lage, asiatische Menschen den richtigen Nationen zuzuteilen. Man möge mir diesen Makel verzeihen!

 

Freitag, Dezember 20, 2019

Yap 9


Tora, Tora!

So heisst ein Film, den ich mir vor vielleicht fünfzig Jahren angeschaut habe. Er zeigt die Japaner beim Angriff auf die amerikanischen Streitkräfte. Tora! Tora! war der Schlachtruf der japanischen Piloten, als sie am 7. Dezember 1941 den Marine-Stützpunkt Pearl Harbor auf der Insel Oahu in Hawaii angriffen. Ein späterer Film mit Leonardo di Caprio zeigte das Desaster hautnah.

Wir sind auf der Durchreise nach Mikronesien und haben, der Not gehorchend, einen Zwischenhalt auf Hawaii eingelegt. Wir beschliessen, die zwei Tage so gut wie möglich zu nutzen. Ein Besuch der Gedenkstätte gehört dazu. Und so stehen wir am 6. Dezember vor dem Eingang zum Pearl Harbor Memorial. Nichts ahnend, dass sich morgen der japanische Angriff zum 78ten Mal jähren wird. Und nichts ahnend, dass gestern, genau an dieser Stelle, ein wildgewordener amerikanischer Seemann ein Gemetzel unter Touristen anrichten wollte.

«Business as usual», werden sich die Verantwortlichen gedacht haben und haben die Anlage heute wieder für den Strom der Touristen geöffnet. Wir bekommen sogar Tickets für die Besichtigungstour. Gottseidank liegt kein Kreuzfahrtschiff vor Anker. Gegen den Ansturm der Massen hätten wir nichts ausrichten können.

Die Tour hinterlässt zwiespältige Eindrücke. Man meint, den Kriegslärm zu hören. Bomben schlagen ein, Schiffe werden getroffen, gehen in Flammen auf. Aber man spürt auch ein wenig Hollywood, den Broadway, Disneyland. Brav trotten wir der Menge hinterher.

Amerikaner und Japaner besichtigen gemeinsam ihre eigene Vergangenheit. Ob sie sich auch verzeihen können?

 

 

Donnerstag, Dezember 19, 2019

Yap 8


Waikiki - mon amour?
 
Auf unserem Weg nach Mikronesien mussten wir in Hawaii einen Zwischenhalt einlegen. Hawaii ist eine Inselkette im Pazifischen Ozean und seit 1959 der 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten. Sie ist benannt nach der größten Insel des Archipels - Hawaii, die inoffiziell auch Big Island heißt. Die bekanntesten Inseln neben Big Island sind wohl Kauai, Maui und Oahu. Genau dorthin hat es uns diesmal verschlagen. Denn auf Oahu liegt Honolulu. Dort aber soll einer der schönsten Strände der Welt zu finden sein: Waikiki.

Wenn man die dicht an dicht gebauten Hotelkästen vor sich sieht, erscheint die Aussage vom «most wonderfoul beach of the world» ziemlich weit her geholt. Vielleicht hat sie vor hundert Jahren gegolten. Heute ist Waikiki ein perfektes Beispiel für den viel zitierten «Overtourism».

Beim ach so berühmten Strand handelt es sich nur noch um eine, von Wellenbrechern und künstlichen Riffen, zubetonierte Kunstinstallation. Ohne diese Technik wäre der ganze Strand mitsamt den Hochhäusern und Bettenburgen schon längst im Meer versunken. Desgleichen wohl auch die Einkaufsmeilen mit ihren riesigen Shopping-Arkaden. Läden übrigens, die mehrheitlich den gleichen Scheiss anbieten wie überall auf der Welt. Und trotzdem sieht man Menschen mit riesigen Einkaufstaschen über die Gehsteige hetzen. Rein zu Gucci, zu Valentino zu Tiffany.

Geld scheint im Überfluss vorhanden zu sein. Hawaii müsste also wahnsinnig teuer sein. Ist es jedoch nicht. Man findet auch ausgezeichnete Italiener, wo man für wenig Geld viel bekommt. Eine Grundregel könnte heissen: Bei jeder Parallelstrasse zum Strand halbiert sich der Preis.

Wieso aber reisen so viele Japaner nach Hawaii? Und wieso kaufen sich diese in Waikiki eine Uhr von Rolex? Mehr dazu in den nächsten Tagen …

 

 

Mittwoch, Dezember 18, 2019

Yap 7


Eine Magnum mit Magnum

Wir sind in Honolulu gelandet und mit dem Taxi nach Waikiki, der Traumdestination aller Wellenreiter und Sonnenanbeter, gefahren. Da wir weder der einen noch der anderen Kategorie gehören, machen wir uns auf, die Stadt auf eigenen Füssen zu erkunden. Natürlich ist Waikiki kein gemütliches Paradies für Spaziergänger. Es ist ein Paradies für allerlei Stretch-Limousinen, tiefer gelegte Strandvehikel und laute, hochtourige Sportwagen. Als wir eine der Strassen überqueren wollen, werden wir plötzlich angehalten.

«Ton ab, Kamera läuft. Und Aeggschen!», brüllt ein bebrilltes Wesen. Wie vom Affen gebissen, rennt eine junge Frau durch einen kleinen Park Richtung Beach. Verfolgt wird sie von allerlei dunklen Gestalten. Sie kommen ihr immer näher, die Frau schreit um Hilfe, wirft ihre Reisetasche weg und entschwindet hinter einer Reihe von Surfbrettern. Die Zuschauer klatschen und grölen, rufen immer wieder «Aeggschen» und können gar nicht genug kriegen.

Nachdem die Szene zum dritten Mal wiederholt wurde, fragen wir nach dem Grund dieser Verfolgungsjagd.

«Oh», meint eine junge Dame, die wohl zum Filmteam gehört.

«Oh», wiederholt sie. «Hier sehen sie die Dreharbeiten zur 969sten Folge von Magnum PI.»

«Sie meinen wohl den Werbespot für das Eis am Stiel?»

«Oh NO!», antwortet sie etwas mitleidig.

«MAGNUM ist der Detektiv aus der gleichnamigen Krimiserie. PI heisst «Private Investigator», Privatdetektiv. Das ist der mit den zwei Dobermännern!»

«Aber Tom Selleck, der Darsteller des Titelhelden, muss doch über 80 Jahre alt sein! Der kann doch gar nicht mehr so schnell rennen!»

Sie nuschelt etwas von den Vorzügen der amerikanischen Schönheitsindustrie und entschwindet hinter der Kamera.

Sollten Sie uns in ferner Zukunft in einer Folge von MAGNUM am Strand von Waikiki sehen: Ja - das sind wir!

 

 

Dienstag, Dezember 17, 2019

Yap 6


 
Mit dem Bus von Fort Worth nach Honolulu

Natürlich haben wir nicht einen Linienbus gebucht. Sondern einen Air-Bus von United Airlines. Wenn Sie wegen dieses frühmorgendlichen Wortwitzes genügend lange gelacht haben: Mit einem Linienbus würde man zwar nicht fliegen. Die Reise würde somit deutlich länger dauern und immer immer wieder von lästigen Stopps unterbrochen werden. Aber es wäre deutlich gemütlicher.

Ich nehme Platz. Der erste Flug von Fort Worth nach San Francisco wird ca. vier Stunden betragen, nach Honolulu werden es weitere fünf bis sechs sein. Zeit, wieder einmal einen Film anzuschauen oder Musik zu hören. Ich versuche, den Bildschirm aufzuklappen. Er bewegt sich nicht. Ich reisse etwas unsanft an der Stelle wo ich ihn vermute. Aber ich kann reissen soviel und so stark ich will: Es gibt keinen Bildschirm. Oder doch? Dort wo er hätte sein sollen, klebt ein kleiner Zettel: "Wir haben Ihren Sitz mit 'Private screen' ausgestattet!"

Also doch! Irgendwo muss sich das Ding wohl verstecken. Ich versuche, das Polster aufzuschneiden, hantierte an allen möglichen Knöpfen herum. Plötzlich halte ich eine Schwimmweste in meiner Hand. Ich erinnere mich an die Durchsage der Flugbegleiterin, dass man diese erst ausserhalb des Flugzeugs, also kurz vor dem Sprung ins Wasser, aufblasen darf und verstaue sie wieder unter meinem Sitz. Ich versuche, die Abdeckung oberhalb meines Sitzes zu lösen. Da man mir bei der Sicherheitskontrolle den Werkzeugkasten abgenommen hat, ein Ding der Unmöglichkeit.

«Lassen sie diese Sauerstoffmaske sofort los!», höre ich in diesem Moment eine Flugbegleiterin brüllen. Ich erwache aus meinem Albtraum und lande hart auf dem Boden der Realität.

Um Kosten zu sparen, hat man bei United Airlines sogenannte «private screens» eingeführt. Das heisst, man hat die Bildschirme herausgerissen und diese durch eine Haltevorrichtung ersetzt. In diese könnte man, wenn man denn eines hätte, ein eigenes Tablet montieren. Somit könnte man sich den alten Schmarren, den man darauf gespeichert hat, auf seiner privaten Videoanlage zum x-ten Mal anschauen.

Das Glas Wasser und die zehn Salzbretzel werden immer noch analog und kostenlos gereicht. Alles andere gibt’s nur gegen Kreditkarte. Dagegen habe ich eigentlich nichts einzuwenden. Und so bestellen wir uns über dem Pazifik zwei kleine Fläschchen Champagner und packen unser flugfähiges Backgammon aus. Und fliegen mit dem Bus weiter nach Honolulu. Bis später - in Waikiki!
 
P.S.: Der Text zum Bild: Wenn wir nicht die Konkurrenz schlagen können, dann schlagen wir eben unsere Passagiere.

 

 

Montag, Dezember 16, 2019

Yap 5



Fort Worth wie es swingt und lebt

Eine schummrige Kneipe hat es uns angetan. An der langen Bar sitzen einsame Cowboys, Durchreisende auf einem Weg, den sie noch nicht zu kennen scheinen. Vor der Bühne sehen wir ein in Würde gealtertes Paar. Sie sitzt im Rollstuhl, er hat seine Gehstöcke unter den kleinen Tisch gelegt. Wir finden problemlos eine Sitzgelegenheit.

Auf der Bühne werden Gitarren ausgepackt und gestimmt. Ein erster Sänger macht sich für seinen Auftritt bereit. Er singt ein Lied voller Traurigkeit. Von Cowboys, Bisons und dem langen Weg nach Nirgendwo. Applaus.

Es folgt ein jüngerer Sänger, er trägt wie alle andern auch die Uniform des Westens: Jeans, kariertes Hemd und Stetson. Seine Stimme ist beinahe perfekt, der Musikstil trifft jedenfalls den Nerv des Publikums. Applaus.

Nach einer kurzen Pause folgt der Höhepunkt des Abends: Mary-Rose and the Pistoleros sind angesagt. Noch steht erst einer der Pistoleros auf der Bühne. Er schiebt sich die Zähne ins runzlige Gesicht und setzt zu einem Texas-Jodel an.

«Ladies and Gentlemen: Here she comes: The best ever Singer and Songwriter from Abilene, Texas: Applaus für Mary-Rose!»

Doch Mary-Rose ist noch nicht bereit für den grossen Aufritt, zuerst muss ihr Rollstuhl und anschliessend sie selbst auf die Bühne gehievt werden. Ein Helfer bringt ihr eine Tasche mit dem Beatmungsgerät und dem Sauerstoffvorrat. Sie greift hinein, zieht zwei Plastikschläuche hervor und steckt sich deren Enden in die Nase. Ob hier eine Freakshow geplant war? Kam gleich ein amerikanischer Dieter Bohlen um die Ecke?

Nein. Was wir zu hören bekommen ist Musik vom Feinsten! Ein Trio voller Spielfreude bringt mit gut geölten und kräftigen Stimmen das Publikum zum Staunen! Was für ein Spektakel! Da sitzen gut und gern 250 Jahre zu dritt auf einer kleinen Bühne und bieten eine Live-Show, die es ins sich hat. Keine computerisierten Klänge stören den Auftritt, keine elektronischen Schlagzeuge machen das Zuhören zur Qual.

Mary-Rose, die alte Dame, und ihre Kumpels mögen vom Ruhm alter Zeiten leben. Aber ihr Auftritt spricht auch von reinster Lebensfreude: Wir lassen uns doch nicht behindern! Schon gar nicht von Rollstühlen, Beatmungsgeräten und falschen Zähnen!

Danke für Eure Show!

 

Sonntag, Dezember 15, 2019

Yap 4



Fort Worth wie es leibt und lebt

Ich gebe es gerne zu: Ich habe an Disneyland gedacht, als wir die Reise nach Fort Worth geplant hatten. Ich träumte von elektrifizierten Pferden und von Computer-animierten Longhorns. Aber es kam alles ganz anders.

Das historische Quartier von Fort Worth, die Stockyards, präsentiert sich, ganz im Gegensatz zum French Quarter in New Orleans, origineller und authentischer. Der Charme des Wilden Westens wurde sorgfältig erhalten.

Kam da nicht eben James Stewart um die Ecke? War es tatsächlich John Wayne, der vor dem White Elefant Saloon den Colt zog? Wohnte etwa Ennio Morricone, der geniale Komponist der Musik zum Film «Spiel mir das Lied vom Tod», wirklich im gleichen Hotel wie wir? Einem Hotel, dass ich übrigens nur empfehlen kann: Das Hyatt Place Stockyards in Fort Worth.

Quasi vor der Haustüre trampelt zweimal täglich eine Herde Longhorns vorbei. Im Zaun gehalten werden die Rinder von Cowboys und Cowgirls. Niemand mag sich ausdenken, was passiert, wenn die Viecher erschrecken und die ganze Herde plötzlich losdonnert. Mit ihren «long horns» würden die Longhorns die Zuschauer mehr als nur auf die Hörner nehmen.

Weder Mac Donalds noch andere Junkfood-Läden verschandeln das Quartier. Natürlich gibt es in einigen Läden den üblichen Touristenkitsch zu kaufen. Aber auch Stiefel in allen Ausführungen - die Preise sind nach oben offen - können nach Mass angefertigt werden. Ohrensessel aus Longhorn-Leder, ein Bison-Fell als Bettvorlage? «No problem, Sir!»

Die Saloons und Steakhäuser sind gut besetzt. Nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische bevölkern die Lokale. Natürlich bestelle auch ich mir ein Steak. Aber Vorsicht! Klein ist hier gross, ganz klein meistens grösser. Aber immer himmlisch gut!

Bei Billy Bob's, im grössten Honkytonk-Lokal von Texas, muss es am Wochenende nicht nur wie im hölzernen Himmel, sondern auch höllisch zugehen. Dreitausend Menschen haben problemlos Platz und können gleichzeitig den Line-Dance tanzen, auf einem Bullen reiten und sich das Pochettli volllaufen lassen. Nebenan finden irgendwelche Rodeo-Meisterschaften statt, auch das Baseball-Stadion ist ganz in der Nähe.

Wie es weiter ging in Fort Worth erfahren Sie demnächst an dieser Stelle.

«Same station, same writer – stay tuned!»

Bleiben Sie dran!

 

Samstag, Dezember 14, 2019

Yap 3



Fort Worth und das liebe Vieh

Fort Worth wurde 1849 als Militärgarnison gegründet. Die Stadt ist nach General William J. Worth, Befehlshaber der US-Truppen im mexikanisch-amerikanischen Krieg, benannt. Im Gegensatz zum benachbarten Dallas ist Fort Worth behäbiger, urtümlicher. Dallas ist bekannt als Ort des Attentats auf den früheren Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963. Fort Worth jedoch ist zum Inbegriff der Texas-Longhorns geworden.

Diese urtümlich anmutende Rinderrasse, vermutlich eine Kreuzung zwischen spanischen und englischen Rindern, wurde im südlichen Texas in grossen Mengen gezüchtet. Da man die Bisons in der Gegend grosszügig ausgerottet und die Indianer in mickrige Reservate gesteckt hatte, war genügend Weideland vorhanden. Allerdings war mit dem Vieh kaum mehr Geld zu verdienen. Ganze vier Dollar erhielten die Farmer für ein Rind. Weiter nördlich wurde das Zehnfache, nämlich vierzig Dollar, dafür bezahlt. Also nichts wie los ins gelobte Land! Und so wanderte man mit den Tieren im Frühtau nicht zu Berge, sondern Richtung Norden.

Die Tiere der Rasse Texanisches Longhorn waren für solche Touren, es waren immerhin über achthundert Kilometer, besonders gut geeignet. Sie hatten lange Beine und harte Klauen, die es erlaubten, sie auch über lange Strecken zu treiben. Schätzungsweise neun Millionen Rinder wurden über den Chisholm Trail und ähnliche Viehtriebe zum nächsten Bahnhof oder in die Nähe der grossen Städte verbracht. Ein gewisser Herr Wheeler soll den Chisholm Trail erstmals im Jahre 1867 benutzt haben, um eine Herde von 2’400 Rindern nach Abilene, in die Nähe von Fort Worth, zu treiben.

Fort Worth entwickelte sich mit der Zeit zu einem der größten Viehhandelszentren der USA. Ausschlaggebend dafür war sicher, dass die Stadt im Jahre 1876 ans Eisenbahnnetz der Texas and Pacific Railroad angeschlossen wurde. 

Eines Tages aber war alles vorbei, die Menschen in den Städten mochten das Fleisch der Longhorns nicht mehr. Die Preise fielen ins Bodenlose, die Stockyards, die Viehhöfe von Fort Worth, wurden geschlossen, der Distrikt fiel in einen Dornröschen-Schlaf.

Hundert Jahre später kam dann endlich der dringend benötigte Prinz daher geritten. Ob auf einem Longhorn oder auf einem Pferd, ist nicht bekannt. Hickman hiess er und war zufälligerweise bereits seit längerer Zeit der grösste Immobilienbesitzer der Gegend. Zusammen mit einem kalifornischen Investor hatte man die Idee, das alte Fort Worth wieder aufleben zulassen. Die Stockyards sollten wieder mit Longhorns und Cowboys bevölkert werden. Rodeos und Viehauktionen sollten das historische Quartier wieder beleben.

Es ist ihnen gut gelungen. Mehr dazu im nächsten Blog.

Freitag, Dezember 13, 2019

Yap 2


Nur fliegen ist schöner!

Keine Ahnung, wer diesen völlig falschen und hirnrissigen Spruch jemals gesagt hat. Es können höchstens Business-Passagiere oder Mitarbeiter einer Werbeagentur gewesen sein. Doch lassen wir die Sinnsuche; wenden wir uns wieder der Realität zu.

Unsere Übernachtung in Frankfurt war, von einigen kleinen Übeln abgesehen, gut. Das HILTON GARDEN INN kann empfohlen werden; das Beste daran ist jedoch die Bar im benachbarten HILTON. Und das Restaurant Käfer im Flughafengebäude.

Ungenügend in den Hotels ist nach wie vor die Behandlung von Rauchern, immerhin pafft über ein Drittel der Reisenden: Eine starke Minderheit. Und somit durchaus fähig, eine Sammelklage gegen Betriebe einzureichen, welche Raucher auf Strassenkreuzungen in dunkle Hinterhöfe oder gleich ans Ende eines Bahnsteigs schicken.

Entgegen aller Erwartungen gibt es heute keinen Rundumschlag gegen die LUFTHANSA. Eines aber sei hier anzumerken: Auch hier kocht man nur mit Wasser. Was immerhin besser ist, als mit Wasser zu fliegen.

Was sich die Marketingheinis, vulgo Heissluft-Duscher, erlauben, ist grenzwertig: Fliegen ist nicht schön. Aber praktisch. Nicht praktisch ist es, dass sich die Sitze nur von Kampfsportlern oder andern körperbetonten Menschen verstellen lassen. Sitze, die als Premium Eco angeboten werden und immerhin ca. 500 Euro mehr kosten als das normale Eco-Ticket. Vorsicht: Benutzen Sie unter keinen Umständen die zur Verfügung gestellten Kopfhörer. Sie könnten damit problemlos ihr Trommelfell durchstechen. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass die Dinger bis ins Hirn gelangt sind.
Aber sonst war alles in Ordnung.
 
Dass man die Menukarten abgeschafft hat? Eine Lappalie!
Dass man die Freundlichkeit abgeschafft hat? Eine Lappalie!
Dass man die Fussstützen herausgerissen hat? Eine Lappalie!

                                                                                                              
Nur UNITED AIELINES macht das Fliegen noch gewöhnlicher. Über deren Lappalien mehr an dieser Stelle in den nächsten Tagen.

 

 

 

 

Donnerstag, Dezember 12, 2019

Yap 1


Taxi, Taxi!
 
Als geübte Weltenbummler haben wir unsere Reise selbstverständlich perfekt vorbereitet. Die Flüge sind so ausgelegt, dass wir auch mit eventuellen Verspätungen umgehen können. Auch Transferzeiten wurden berücksichtigt, Taxis und andere Verkehrsmittel wurden frühzeitig gebucht. Eine Vorsichtsmassnahme die sich bereits am ersten Tag auszahlen sollte.

Denn einmal mehr findet der Taxifahrer, er soll uns an den Bahnhof Sissach bringen, unsere Adresse nicht. Gut, ich würde in Irkutsk oder Izmir meine Adresse auch nicht finden. Die Sissacher Taxifahrer allerdings sollen zur Ausübung ihrer Tätigkeit eine Prüfung ablegen müssen. Vielleicht auch in Ismir?

«Abe verstande Nummer 14.»
«Hier isse aber Nummer 4.»

Ja, sicher.

Wir schaffen es auf die Minute genau zum Bahnhof, erreichen Basel und nehmen von dort den Bus zum Flughafen.

Eigentlich mag ich diesen Flughafen. Er ist klein, übersichtlich und relativ gut organisiert. Allerdings handelt es sich bei der Organisationsform um ein französisches Modell. Und so kam es, dass ich "meine letzte Zigarette" - Eingeweihte werden natürlich wissen, dass es sich bei der Zigarette um einen Zigarillo handelte - im strömenden Regen paffte. Wobei der Begriff «Terrasse» völlig abstrus ist. Es handelt sich um einen Käfig, dieser erinnert mich an den letzten Zoobesuch.

Die Sicherheitskontrollen sind auch in Basel weltmännisch fortgeschritten. Neu ist, dass nun auch E-Books einer hochnotpeinlichen Kontrolle unterzogen werden. Vermutlich werden bei dieser Prozedur gleich auch noch die Daten meiner gespeicherten Bücher ausgelesen.

Natürlich haben wir vor unserm Abflug nach Frankfurt noch ein ordentliches Cüpli gesüffelt. Mein Pech war es, dass der Monsieur vor mir eine komplizierte Bestellung aufgab.

«Einen Kafi, bitte», meinte der Zürcher.

«Au lait?», fragte der Verkäufer.

«Nix olé, wir fahren nach Izmir!», antwortete der potentielle Kaffeetrinker.

«Fahren? Nix fahre, fliege. Dies ist Flug-Afé!»

«Was Afé? Selber einer! Einen Kafi will ich»

«Voilà, votre café, Monsieur».

Natürlich will der Zürcher mit einer Hunderternote bezahlen. Der Herr über die Tassen hat wie üblich jedoch kein Wechselgeld, schliesst kurzerhand seine Kasse, trinkt den Kaffee selbst und lässt den Zürcher stehen. Dieser entfernt sich, nicht ohne sämtliche Franzosen in die Hölle oder sonst wohin gewünscht zu haben.

Doch bereits nach drei Minuten ist die Bar wieder in Betrieb, wir kommen zum letzten Schluck vor unserer grossen Reise nach Yap.

Der nächste Blogeintrag wird sich mit der Fliegerei generell und der Lufthansa im Besonderen befassen.