Mittwoch, Januar 20, 2016

Taxi

Eine bekannte Zeitung publizierte vor einiger Zeit eine Serie über Taxis. Fahrer aus der ganzen Welt wurden mit den immer gleichen Fragen konfrontiert. Das tönte dann so: „Wie verhalten sie sich im Stau?“ „Ich warte und denke über Jesus nach.“ Oder man las erstaunt die Antwort auf die Frage „Was würden sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?“ „Ich würde Leuten helfen, die weniger haben als ich.“ Beschämt las ich weiter: „Wann haben sie das letzte Mal Ferien gemacht?“ „Noch nie, und ich werde wohl auch nie welche haben.“ „Womit verwöhnen Sie sich?“ „Ich höre gerne die Bibelsendungen im Radio.“ Ich gestehe, ich las diese Geschichten wirklich gerne. Denn ich habe schon immer gerne Märchen gehört und gelesen.
Nach dieser Einleitung werden sie wohl ahnen, dass ich eine etwas andere Sicht der Dinge habe. Meine Erfahrungen mit Taxis kann ich in einem kurzen Merksatz zusammenfassen: Taxifahrer sind nichts anderes als staatlich lizenzierte Wegelagerer.

Basel, Oktober 2015, Arztpraxis nähe Centralbahnplatz: Die Patientin muss dringend ins Unispital Basel, die Praxisassistentin will ein Taxi bestellen. Laut Zentrale sind jedoch alle Wagen besetzt. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass beim Bahnhof Basel jede Menge Wagen warten. Es ist jedoch offenbar rentabler, die zum Tennisturnier erwarteten Gäste zur St.Jakobshalle zu fahren.

Einige Monate früher. Basel, Nähe Neuweilerplatz: Wir haben den letzten Zug verpasst und bestellen ein Taxi.
“Grüezi, bitte fahren sie uns nach Sissach.”
“Hä?”
“Ja genau. Nach Sissach”
“Wo wolle?”
“Nach Sissach. Zum Bahnhof.”
“Bahnhof?”
“Ja. Bahnhof Sissach.”
“Hä?”
"Fahren Sie einfach los.”

Das Taxi fährt los und bringt uns zum Bahnhof SBB in Basel.
“Wir müssen zum Bahnhof Sissach!”
“Hier Bahnhof.”

Da jede weitere Kommunikation sinnlos erschien, lenkte ich den Fahrer Richtung Autobahn und wies ihn an, bis zur Ausfahrt Sissach weiterzufahren. Nachdem er bereits in Muttenz die Autobahn wieder verlassen wollte, griff ich ihm ins Lenkrad, wiederholte mehrere Male das Wort “Sissach” und verfiel in einen frühkindlichen anatolischen Dialekt.
“Dü jetzt Auto brümmbrümm geradeaus bis sage stopp, aber sübito!”
Knapp konnte ich ihn daran hindern die Ausfahrten Liestal und Arisdorf zu nehmen. Der Tunnel schien ihn zu ängstigen, nachdem er vorher locker mit 140 kmh gefahren war, schlich er mit knappen 60 kmh durch’s Loch. Anschliessend beschleunigte er auf 150 kmh, im letzten Moment erwischte er die Ausfahrt Sissach. Den ersten Kreisel umfuhr er gleich zweimal, beim zweiten nahm er die erste Ausfahrt und kam kurz vor der Autobahnpolizei zu stehen. Dies erschreckte ihn währschaft. Die Netzenkurve wurde uns beinahe zum Verhängnis, den Sonnenrank schafften wir mit Müh’ und Not. Am Bahnhof fuhr er vorbei.

Solche Taxifahrer brauchen wir nicht, solche Fahrer benötigen weder Gewerkschaft noch einen Gesamtarbeitsvertrag. Solche Fahrer gehören ins Pfefferland. Dorthin bin ich zurzeit unterwegs. Sie hören von mir!

 

 

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