Freitag, April 27, 2018

Fengshui, Sabu-mai und Mai-tong

Als innovativer und weltoffener Hotelier halten auch Sie sich sicher bereits ihren persönlichen Fengshui-Berater. Und gegen ein überaus weltliches Honorar lassen Sie sich über die misslichen Ecken und Kanten ihres Betriebes aufklären. Allenthalben haben Sie ein Brünnlein montiert, störende Ecken mit Bergkristallen energiemässig entschärft und scharfsinnige Kanten zumindest geistig abgehobelt. Ihren direktoralen Schreibtisch haben Sie – zur Verbesserung des transzendenten Jetstreams – um 185 Grad gedreht, über dem Aktenvernichter sicherheitshalber einen doppelten Spiegel montiert und den halbleeren Kassenschrank hellblau bemalt.


Mitarbeiter mit abstehenden Ohren haben Sie entlassen, den weissrussischen Chasseur neu bewaffnet und in der Lingerie einen sprechenden Pommes-Frites-Automaten installiert. Alle 120 Fenster ihres Hotels wurden zuge-mauert und an Stelle des Lifts haben Sie einen 18 Meter hohen Wasserfall installiert. Seither wird ihr persönlicher Seelenfrieden nicht mehr von wütenden Drachen gestört, Herr Ying und Herr Yang haben ihr geistiges Gleichgewicht wieder gefunden und ihr Fengshui-Guru hat sich mit verzücktem Gesichtsausdruck ins leere Foyer zurückgezogen.


Nun, das ist ja bereits kalter Kaffee – Drachen sind mega-out – denn das nächste Psycho-Placebo für exekutive Mystiker steht vor offenen Türen. Kento-mai heisst die neuste Heilslehre und sie stammt aus dem Hochland der mikronesischen Insel Peleliu. Dort wird der Sabu-mai – der Windschmecker – immer dann gerufen, wenn die Energie bereits draussen und der Wurm schon drin ist.
Auf Grund seines seit Generationen überlieferten Wissens ist ein Sabu-mai in der Lage, nicht nur die Wellen des unendlichen Pazifiks zu erkennen, sondern auch deren Einwirkungen auf die Winde, den Mond, die Menschen und den Broccoli zu deuten. Neben dem zerstörerischen „Mai-tan“ erkennt er also folgerichtig auch jeden noch so kleinen „Mai-tong“ und transponiert ihn mittels energetischer Schubumkehr in die positiven „Mai-lun“.

Der Sabu-mai hat auch im Hotel meiner Tante auf Anhieb alle Biegungen auf Brechungen erkannt und geeignete Massnahmen eingeleitet. Nachdem sämtliche Zwischenböden, Stützmauern und das Dach entfernt worden waren, brach leider das ganze Hotel zusammen. Aber, kaum zu glauben, keine Spur mehr vom lästigen „Mai-tan“, ganz zu schweigen vom negativen „Mai-tong“! Meine Tante verkaufte gleichentags ihre Hotelruine an eine Kebab-Kette, heiratete den Sabu-mai und führt seither auf Peleliu eine vegetarische Saftbar und ein glückliches Leben.

Der Fengshui-Berater meiner Tante hat mir persönlich zu dieser Kolumne gratuliert. Er ist heute Farbberater für die Gastronomie und hat schon manche Fengshui-Ruine wieder zu neuem Leben erweckt.

 

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