Sonntag, Januar 05, 2020

Yap 18 Verschollen im Pazifik


(dag) Ein Flugzeug der Gesellschaft PMA, auf einem Routineflug zwischen den Insel Woolipik und Wooligang, ist gestern nicht an seinem Bestimmungsort angekommen und wird seither vermisst. Die Verantwortlichen der Küstenwache befürchten das Schlimmste.

Verschollen im Pazifik (3)
Der Start
 
William, ganze siebzehn Jahre alt und angehender Wellen-Magier, hatte noch nie zuvor ein Flugzeug bestiegen. Er war unterwegs nach Yap, wo er sich bei seinem dort ansässigen Onkel zwecks Weiterbildung melden sollte. In seinem Handgepäck führt er ein kleines Schwein mit; es war als Geschenk für seine Verwandten gedacht.

Endlich war ein Brummen zu hören und wenig später landete die Maschine, eine zweimotorige Britten-Norman BN-2 Islander, auf der Piste von Woolipik. Das Flugzeug unbekannten Baujahres schien zwar flugtüchtig zu sein. Die Navigationsinstrumente waren jedoch änicht wirklich auf dem neusten Stand. Der Pilot hantierte mit einem alten Kompass, war guten Mutes und sang einen Choral, der ihn an seine Kindheit erinnerte. Der Pilot hiess sinnigerweise Samuel und stammte aus Konstanz am Bodensee.

Nachdem die Fracht eingeladen worden war, stiegen auch die fünf Passagiere und ein Schwein ein. William hatte es in eine selbst geflochtene Basttasche gesteckt, der kleine Quieker fühlte sich sprichwörtlich sauwohl.

Samuel prüfte die wenigen Instrumente und hielt den Kompass gen Himmel. Nacheinander drückte, zog und riss er an einigen Hebeln und Knöpfen. Rauchend und hustend erwachten die Motoren zu neuem Leben. Nach einer Weile stimmte auch noch der letzte Zylinder in den himmlischen Chor ein, es konnte losgehen. Das Flugzeug stolperte über die ungemähte Wiese zur Piste, der Pilot betete. Keine Ahnung, zu welchen Göttern eigentlich Piloten beten, aufgrund der allgemeinen Wetterlage könnte es Donar, der alte Germane und Herr über das Donnerwetter, gewesen sein.

Der Start hätte nicht besser sein können, nach wenigen Minuten hatte das Flugzeug bereits seine Reiseflughöhe von 2'500 Meter erreicht, das Schweinchen quiekte fröhlich, William flüsterte ihm etwas in sein Ohr. Das Wetter schien es gut mit den Passagieren zu meinen. Vorerst. Denn als William nach einigen Minuten auf das Meer blicken wollte, war es verschwunden. Eine ziemlich dicke Wolkenschicht verhinderte jede Sicht. «Wie soll denn Samuel das gelobte Land Wooligang finden?», dachte sich William.

Tatsächlich war das Eiland nicht zu finden. Samuel ahnte zwar, dass es genau unter ihnen liegen müsste, versuchte einen Anflug, startete jedoch wieder durch. Man kreiste über den Wolken und Samuel erinnerte sich an ein Lied aus seiner Jugendzeit.

«Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein», hatte ein gewisser Reinhard May gesungen. Samuel konnte sich mit diesem Text heute überhaupt nicht einverstanden erklären. «Dieser Heini,» sinnierte er, «hatte wohl keine Ahnung von Tuten und Blasen. Und vom Fliegen schon gar nicht. «Freiheit - ha!», murmelte er und suchte weiter.

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