Montag, Februar 10, 2020

Auf Spurensuche im Pazifik 8


Vor 230 Jahren kam es auf der HMVA Bounty zu einer verhängnis-vollen Meuterei. Diese Reportage berichtet von unserer Reise zu den Nachfahren der Meuterer, die heute noch auf der Insel Pitcairn im Pazifik leben. Die Reise fand im Frühjahr 2019 statt.


Harald macht blau

Sissach │Auf Spurensuche im Pazifik
Teil 2: Tahiti und Moorea



Donnermacher

Nur mit dem Donnermacher hatte sich der Wettergott vor einigen Tagen angelegt. Dieser fühlte sich wohl übergangen und veranstaltete zwischen den Spitzen des Mont Tohivea und des Mont Tautuapae ein gewaltiges Donnerwetter. Hinter unserem Bungalow schien der Himmel zu explodieren, die Palmen verneigten sich angstvoll, die Brotfruchtbäume wankten bedrohlich. Es regnete nicht, es schüttete aus vollen Kübeln; während zehn Minuten.
Denn bereits am frühen Morgen des nächsten Tages hatten sich Wettergott und Donnermacher auf einen Kompromiss geeinigt: Man verzog sich zusammen in die Berge und legte sich schlafen.

Am Strand versucht ein Hund, Krabben zu fangen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, so die Besitzerin, lässt sich dieser nicht mehr in die Nase beissen und ist manchmal sogar erfolgreich bei seiner Jagd.
Auf einer Mauer hat sich eine Katze breit gemacht: Eine Hinterpfote sowie den Schwanz lässt sie auf einer Seite des Mäuerchens hinunterhängen, eine Vorderpfote dient als sanfte Unterlage für den Kopf. Ob sie wohl träumt? Die vorbeihuschenden Mäuse interessieren sie nicht. Die kleinen, farbigen Vögel im benachbarten Strauch tanzen einen Tango vor ihrer Nase.
Ähnlich unbeeindruckt geben sich die Haie vor unserer Hütte. Weiss- und Schwarzspitzenhaie durchqueren die Lagune. Die Flossen lugen dabei neckisch aus dem flachen Wasser, die Szene erinnert mich an eine alte Karikatur. Unter dem Jetty, dem Bootssteg, haben sich einige Ammenhaie zur Ruhe gelegt. Darunter befinden sich durchaus auch grosse, stattliche Exemplare. Ich gehe davon aus, dass man schlafende Haie nicht wecken sollte.

Über dem Wasser hat sich ein Bouquet aus Iod, Algen und getrocknetem Salz wie unter einer Käseglocke gefangen, es vermischt sich mit dem Geruch der Uferzone. Es riecht nach Vegetation, nach tropischen Pflanzen, Muscheln, Krabben und Seegras.

Viele Inseln haben ihre ureigenen Duftmarken hinterlassen. So gab es früher Seeleute, die einzelne Inseln mit Hilfe ihrer Nase riechen und so bestimmen konnten. Dazu gehörte auch Tahiti, genauer gesagt die Meeresenge zwischen Moorea und Tahiti. Zu gewissen Tageszeiten, wenn die Fallwinde durch die Täler Mooreas zum Meer drängten, vermischten sie sich mit dem reichen und überwältigenden Geruch von Vanille.
Im nächsten Teil der Reportage geht’s wieder zurück nach Papeete, am Donnerstag werden wir unsern Dampfer nach Pitcairn besteigen.


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