Dienstag, Dezember 04, 2018

Ulithi 8

Der Flug über das Meer war fantastisch. Nach 40 Minuten sehen wie die Riffs und die ersten Inseln des Ulithi-Atolls. Es ist eines der weltgrössten Ringatolle, nach Aussagen des Tourismusministers the most beautiful blue Lagoon in the world.
Sicher aber einer der abgelegensten, noch von Menschen bewohnten Flecken auf unserer Erde.
Wir haben die Bewilligung erhalten, einige dieser Inseln zu besuchen. Ganz schön schwierig - eine nordkoreanische Aufenthaltsgenehmigung wäre wohl einfacher zu bekommen gewesen. Aber wer will schon zum Bombenkaspar!
Unser Pilot fliegt erst einmal im Tiefflug über das Flugfeld. Manchmal wird dort Fussball gespielt ...
Die Landung ist sanft, der Pilot muss jedoch heftig in die Bremspedale treten, die Piste ist, je nach Aussage, nur zwischen 800 und 950 Meter lang. Brummend fahren wir zum Terminal des Falalop Airport Ulithi, die Motoren werden abgestellt, der Pilot öffnet die Türe, fährt das Treppchen aus, steigt selbst aus.
Fast die ganze Bevölkerung von Falalop, hat sich versammelt. Schliesslich kommt nicht jeden Tag ein Flugzeug angerauscht!
In den Weiten des Pazifiks gibt es übrigens jede Menge Falalop's. So wird die jeweils grösste Insel eines Atolls bezeichnet. Sie wussten das bereits?
Wie auch immer ... bleiben Sie dran ...


Montag, Dezember 03, 2018

Ulithi 7

Freitagmorgen gings los mit einer zweimotorigen Beachcraft von Yap nach Ulithi. Mit Simon, dem Piloten aus Stuttgart und 8 einheimischen Passagieren wackelten wir 40 Minuten über das offene Meer. Wobei: Gewackelt hat es überhaupt nicht. Gottseidank, ich musste nämlich während des Fluges das Gepäck festhalten. Beim Start sind mir einige Bananenkisten auf den Kopf gefallen ...
Diese waren im Gang gestapelt worden. Der zuständige Lademeister hat die Gurten wohl nicht richtig zugemacht. Nicht dass mich ein solches Missgeschick beunruhigt hätte. Während eines Fluges durch die Karibik musste ich vor einigen Jahren die Türe mit einem Kalberstrick zuhalten. Was solls!

Vor dem Abflug nach Ulithi wurden alle Passagiere auf die Waage gestellt, in der Freiluft-Lounge gabs frischen Kaffee. Die Abflugtaxe in der Höhe von 5 Dollar musste bezahlt werden. Einige Einheimische nerven sich über diese Bezeichnung. Sie würden nämlich heim- und nicht ab-fliegen, meinen sie.
Während die Passagiere noch warten, wird das Flugzeug betankt, der Pilot dreht an den Propellern. Bevor wir einsteigen, gibts die übliche Sicherheitsvorführung. Noch sind die Motoren nicht gestartet, der Pilot spricht ein Gebet. Wir sitzen in einem Flieger von PMA,  "M" steht für Missionare, also kein Grund zur Sorge!
Und los gehts! Es ist unser dritter Anlauf, einmal war die Maschine gegroundet, einmal hatte sich eben ein Taifun über den Inseln ausgetobt. Diesmal schien alles zu klappen - Ulithi ("Yuuliddi") wir kommen ...

Donnerstag, November 29, 2018

Ulithi 6

Heute Shopping-Tour in Downtown-Colonia. Leider konnte ich nicht mit Steingeld bezahlen ... Die Riesenmünzen stehen überall im Land verstreut, ganze "Banken" säumen die Wege. Die Strasse zum Chinesen führte uns auch durch das "Tal der Geister". Es heisst so, weil hier besonders viele Unfälle passieren sollen. Man nimmt an, dass die Bewohner des dort liegenden Dorfes von Zeit zu Zeit die Geister aufbieten. Die Strasse führt nämlich über das Gemeindegebiet. Manchmal wünschte ich mir solche Geister auch zuhause ... (Höchstgeschwindigkeit auf der Insel ist 15 m/ph, ca. 29 kmh).
Da das Internet nur eingschränkt verfügbar ist, kann ich kaum Fotos posten. Wird später nachgeholt.
Wir verabschieden uns Morgen um 8 Uhr aus dem Netz ... wir haben keinen Empfang mehr bis Montagmittag.
Tschüss und bis bald ...

Mittwoch, November 28, 2018

Ulithi 5

App-uf-Yap: Lange mussten wir auf unsere Rückkehr warten. Heute Nacht um 01.00 Uhr sind wir holprig und Formel-1-mässig gelandet. (Nachtflug-Verbote kennt man in dieser Weltgegend nicht ..).
Wie immer herzlicher Empfang durch eine holde Maid - wir erhalten einen traditionellen Blumenschmuck (Nunuw/Nünu). Ein erster Schluck Stone Money Brew .. herrlich erfrischend.
Heute morgen haben wir Detlef und Ruth-Ann getroffen. Sie organisieren unsere Weiterreise nach Ulithi. Benzin für unser Boot sowie Wasser (für uns) wurden bereits per Schiff nach Ulithi geliefert. Der zuständige Chief, der Häuptling, hat unserm Besuch zugestimmt, heftig genickt und uns  eine Wunschliste übermittelt: Betelnüsse und Tabak, Bonbons für die Kinder. Wir werden dann Morgen mal shoppen gehen. Nicht dass es uns ergeht wie dem Missionar auf den Andamanen vor 3 Wochen .. Aber der hatte nur Bibeln dabei  ...
Auch der Missionars-Flieger wurde bereits gebucht. Als Gegenleistung für den Flug missioniere ich mich lieber gleich selber, ein paar Suren werde ich noch herunter beten.

Dienstag, November 27, 2018

Ulithi 4

Noch immer sind wir unterwegs nach Ulithi. Am Freitag haben wir Sissach verlassen. Heute ist Dienstag, in der Nacht zum Mittwoch werden wir auf der Insel Yap landen. Noch sitzen wir in der Bar unseres Hotels in Guam und haben eben - bei Bier und Weisswein - einen prächtigen Sonnenuntergang erlebt. Ich habe versprochen, weder Selfies zu posten, noch Essen zu fotografieren. Ein paar Sonnenuntergänge müssen Sie jedoch über sich ergehen lassen. 
Bis Morgen dann - auf der Insel des Steingeldes

Montag, November 26, 2018

Ulithi 3

Manila. Eine Stadt der Gegensätze, unbeschreiblich, unbeschreibbar. Stinkiger Smog, liebenswürdige Menschen. Chaotisch und trotzdem funktioniert (scheinbar?) alles. Wir haben bei RIDEWAYS denTransfer gebucht. Wir haben den Wagen nach längerem Suchen gefunden. Der Airport Manila, dieser Vorhof zur Hölle,  könnte einem das Reisen vermiesen ...
Der Fahrer (liebenswürdig) hat tatsächlich das Hotel nicht auf Anhieb gefunden ( ... Adresse ungültig ...). Das Hotel steht seit über 30 Jahren an der gleichen Stelle ... Das San Miguel auf der Dachterrasse des Hotels (Adresse gültig) war perfekt. Wie auch der ganze Aufenthalt.
Heute Nacht gehts weiter nach Guam ... ein weiterer Stopover steht bevor ...
Bis dann ...

Sonntag, November 25, 2018

Ulithi 2

Der Flug verging in einem Zug, die Zeit wie im Flug. Der Beinahe-Vollmond hing irgendwie schräg zwischen einem Ufo und einem "Was-weiss-ich-denn-schon ... "

OCEAN 8 angeguckt: nett, hübsch, ordentlich und unterhaltsam. Nur den Schluss des Films haben diese Magerhirnis total versaut. Sandra Bullock, wenn sie denn überhaupt so heisst, muss MARTINI DRY schlürfen. In diesem Glas aber badet eine Olive. So weit, so gut. Es handelte sich aber gopferdami um eine GEFUELLTE OLIVE *.. neben der gefärbten Maraschino-Kirsche die wohl übelste aller menschlichen Erfindungen. Von Trump wollen wir schon gar nicht sprechen   ...

Weiter im Text gehts dann wieder in Manila ... mit noch mehr Nebensächlichkeiten, unglaublich witzigen Sprüchen jedoch gänzlich ohne Fake-News ..
Bis dann .... bleiben Sie dran ...

* In einen "Dry Martini" gehört (aber nur wenn es ums Verrecken sein muss), eine grüne Olive. Nicht aus dem Öl sondern aus der Lake. Sind Sie Zahnarzt, werden Sie wohl die mit Stein verwenden. Allen andern empfehle ich die ENTSTEINTEN!

Mehr zu Oliven und andern Früchtchen wirds in meinem neusten Buch zu lesen geben. Keine Ahnung wie es heissen wird, erscheinen wird es am 5.9.2019.

Samstag, November 24, 2018

Ulithi 1

Ich sitze im Airbus 380 nach Singapur. Das Ding fliegt leise und sanft wie eine zart schmelzende Mozartkugel. .. Was für ein Satz ... aber immerhin dümpeln wir zur Zeit über Mozartland. Ich höre mir Rod Stewards "Have I told You lately" an und warte auf den Lunch. Was immer auf dem Teller liegen wird, es wird wesentlich besser sein als das versalzene und  powere Fondue von gestern Abend. Ich sollte auswärts auf Käse gänzlich verzichten ... letztes Jahr wurde mir gezuckerte Käsetunke aufgetischt ... die Köchin hatte an Stelle der Maizena- die Zuckerbüchse erwischt ...

Nachtrag: Das Hotel Mövenpick ist immer noch perfekt für einen Stopover ... aber auf das Fondue muss verzichtet werden!

Wir befinden uns über dem Schwarzen Meer, demächst wird es dunkel - was auch sonst ....

Stay tuned ... bis Morgen  ..

Freitag, November 23, 2018

Ulithi - 0

Vor dem grossen Abflug übernachten wir in einem Hotel beim Flughafen Zürich. Sollten Sie diesen Herrn kennen, dann wissen Sie auch wo ... !
Selbstverständlich haben wir ein Fondue gegessen. Trump würde wohl twittern ... "very, very strange" . ..  in der Pfeffermühle war pures Salz ... wir dachten es sei weisser Pfeffer ... ohne Worte ... auch sonst fühlt man sich in diesem sog. Fonduestübli etwas emigriert, um nicht zu sagen versalzen.. War schon mal besser, beim Ueli ...
Bis später ... bleiben Sie mir treu!
Hanspeter Gsell

Ulithi - 0,5

Was Sie auf diesem Blog nie sehen werden:


Foto: weekend.at
Food-Pics: Fotos von leeren, halbleeren oder vollen Tellern. Ich lasse mir ja auch zuhause nicht in die Teller blicken. Dies gilt jedoch nicht für Aufnahmen von Drinks ... 



Selfies: Erstens kann ich keine g'scheiten Fotos mit dem Handy machen. Zweitens weiss ich selbst, wie ich ausschaue.

Auf diesem Blog werde ich in den nächsten Wochen täglich einmal von unserer Reise nach Ulithi berichten. Das Wort "täglich" kennt man allerdings in Mikronesien nicht. Genauso wenig wie Worte für Schnee, Eis oder Arbeit. Auch nicht für Giraffen im Schnee.

Foto Spiegel.de


Also einfach regelmässig reinschauen oder gleich den Blog abonnieren. Dann erhalten Sie eine Nachricht, wenn's Neues gibt.

Jetzt warten wir erstmal auf unser Taxi zum Bahnhof ... 





Donnerstag, November 22, 2018

Ulithi - 1


Morgen geht's endlich los. Gestern ist noch ein Taifun über die pazifischen Inseln gerauscht. Genau zwischen Guam und Ulithi hat er sich mit Windspitzen bis 180 kmh ausgetobt. Schwein gehabt. Hoffentlich bleibts die nächsten Tage ruhig. Immerhin versuche ich jetzt bereits das dritte Mal, nach Ulithi zu fliegen. Vielleicht haben die Missionare was dagegen ... Habe immerhin die heiligen Flieger einige Male in die Pfanne gehauen ...

Hier ein Bild unserer Koffer ... 
    

Und wie immer an dieser Stelle ein Auszug aus meinem Buch
IMMER WIEDER FERNWEH 

Kaufen Sie um Himmelswillen keine Koffer in der aktuellen Modefarbe. Sonst könnte es sein, dass Sie an einem Gepäckband in Hongkong stehen und hilflos zusehen, wie 130 knallrote Koffer an Ihnen vorbeirauschen. Besonders eilige Mitmenschen packen sich den erstbesten und hauen damit ab. Vielleicht war dies Ihr knallroter Koffer?!
Wenn es unbedingt die Modefarbe sein soll, dann individualisieren sie den Koffer nachträglich. Pappen Sie einen riesigen Aufkleber nach Wahl auf jede Seite und binden Sie einen alten Schal um den Koffergriff.
Schliessen Sie die Koffer unterwegs nie ab! Entdeckt nämlich ein morgenmuffliger Sicherheitsbeamter auf seinem Radar Ungewöhnliches, wird er den Koffer kurzerhand aufbrechen.


«Ich habe mir ein TSA-Schloss gekauft! Ich darf abschliessen!»
Nein. Dürfen Sie nicht! Denn das TSA-System (Transportation Security Administration) funktioniert höchstens auf amerikanischen Airports. Dort öffnen die Sheriffs derartige Schlösser mit einem Universal-Schlüssel. Nicht dagegen in Thailand, Mikronesien und Nordkorea. Dort verwendet man Brecheisen, Geissfüsse und Vorschlaghämmer.
Und genau hier können Sie das Buch kaufen: Scannen Sie diesen Strichcode mit Ihrem Smartphone und schon können Sie das Buch als E-Book herunterladen oder es als "richtiges Buch" nach Hause liefern lassen.
Viel Vergnügen!



Montag, November 19, 2018

Ulithi - 4


Noch vier Tage bis zur Abreise. Weshalb wir ab Zürich fliegen? Sie meinen, ab Frankfurt, Paris oder London wäre es viel billiger gewesen? Nein und nochmals NEIN. Warum das so ist, lesen Sie im folgenden Auszug aus dem Buch ...


IMMER WIEDER FERNWEH - 
Logbuch eines Inselsammlers: 
  

Reiseplanung


Wenn Sie endlich wissen, wohin Sie fliegen werden, sollten Sie sich die Frage nach dem Abflugort stellen. Die Qualität einer Reise kann ganz erheblich davon abhängen!
Absolut zu vermeiden ist zum Beispiel Frankfurt! Die Nähe zum Heimatort verleitet Sie eventuell dazu, mit dem Auto oder dem Zug dahin zu fahren. Was Sie dort erleben werden, wird Ihnen den Spass gründlich verderben.
Müssen Sie aus unbekannten Gründen in Frankfurt zwischenlanden, dann akzeptieren Sie einen solchen Vorschlag nur, wenn Sie am Startort direkt bis ans Endziel durchchecken können.
Ansonsten treffen Sie in Frankfurt auf inkompetente, unfreundliche und unwillige Mitarbeiter, die nichts anderes im Sinn haben, als Sie an der Abreise zu hindern. 
 
Ihr Flug geht via Paris? Dann müssen Sie wissen, dass eine Grande Nation nicht bloss über einen, sondern gleich über vier Aéroports verfügt. Bevor Sie also die Reise via Paris definitiv buchen, versichern Sie sich, dass Sie auch auf dem Flughafen landen, von welchem Sie anschliessend wieder abfliegen.
Zur Orientierung: Paris-Charles de Gaulle (CDG) liegt nordöstlich von Paris, Paris-Orly (ORY) südlich, Le Bourget (LBG) ebenfalls nordöstlich und Paris-Beauvais (BVA) nördlich von Paris. In Le Bourget landen Sie allerdings ausschliesslich, wenn Sie mit dem eigenen Privatjet einfliegen.
Sie machen sich Gedanken darüber, weshalb es im Westen keinen Flughafen gibt?
Vergessen Sie die Frage!
Und akzeptieren Sie keinen Flughafenwechsel in Paris!
Nie!
 
Das gleiche gilt auch für London: Was die Franzosen können, können die Engländer nämlich schon lange. Ja genau: Airports bauen. Mit Heathrow (LHR), Gatwick Airport (LGW), Stansted Airport (STN), London City Airport (LCY) und Luton Airport (LTN) sind es sogar fünf!
Und somit könnten Sie in London auf die gleichen Probleme wie in Paris stossen. Manchmal kommen Sie hier an, oder dort. Das Gepäck fährt entweder mit oder ohne Sie nach dort oder da.
Die Transferzeiten sind streikabhängig und lassen das abenteuerliche Vergnügen von Beginn an zur Tortur werden.
Akzeptieren Sie deshalb auch in London keinen Flughafenwechsel.
Nie!



Samstag, November 17, 2018

Ulithi - 6


Nächsten Freitag geht's endlich los. Via Singapur, Manila, Guam und Yap nach Falalop. Da das Ladegewicht der Flugzeuge ab Yap beschränkt ist, sollten wir auf unser Gewicht achten. Beim Tauchgepäck kann kaum gespart werden. Ich werde also wohl oder übel an meinen eigenen Speck ran. Die 350 Gramm sollten jedoch locker zu schaffen sein.  




Natürlich werden auch regelmässig die Wetterkarten angeklickt. 



Die heutige Gute-Nacht-Geschichte stammt  aus dem Buch 
IMMER WIEDER FERNWEH
Logbuch eines Inselsammlers

Eventuell fliegt ja bloss eine einzige Gesellschaft in Ihr Ferienparadies? In diesem Fall brauchen Sie nicht weiterzulesen. Ausser, diese Gesellschaft geht bis zum Antritt der Reise in Konkurs, wird durch spontane Streiks lahmgelegt oder stellt aus unbekannten Gründen ihre Flüge an die gewünschte Destination ein.
Bevor man sich nun nach einer Alternative umsieht, gilt es zu überlegen ob man gewillt wäre, in eine Kiste einer sogenannten Blacklist-Fluglinie einzusteigen. Diese schwarze Liste wird von der EU erstellt und untersagt es gewissen Gesellschaften, in Europa zu fliegen. Viele davon operieren in Afrika und Asien.
Manche Destinationen werden ausschliesslich von eigenartigen Gesellschaften angeflogen. Ich bin einige Male mit solchen Fliegern gereist. Darunter waren erstaunlich neue Maschinen, die Flüge machten mindestens so viel oder so wenig Spass, wie Flüge mit «weissen» Gesellschaften.
Die Entscheidung, ob Sie in eine «schwarze» Maschine einsteigen wollen oder nicht, liegt einzig und allein bei Ihnen.

P.S. Wir fliegen mit Singapore Airlines, United und Pacific Mission Aviation. Keine davon steht auf irgendwelchen schwarzen Listen (Stand 17.11.18).

Bleiben Sie dran, es wird spannend!



Donnerstag, November 15, 2018

Ulithi - 8


Nächste Woche geht's los nach Yap - und wenn's klappt nach Ulithi.
Natürlich werden schon Koffer gepackt, das Tauchgepäck ist bereits kontrolliert. Und ich lese noch einmal das A - Z aus dem Reiseverführer IMMER WIEDER FERNWEH:


Sie glauben, es könne mir völlig egal sein, was Sie anziehen?
Nein.
Oder Ja.
Eventuell ist es IHNEN egal, mir hingegen in keinem Fall! Gorillas die meinen, sie müssten in Trainingsanzügen auftauchen sind wohl das Hinterletzte!
Bild Süddeutsche Zeitung
Steigen Sie in Düsseldorf ein um auf die Malediven zu fliegen, rate ich Ihnen dringend davon ab, sich bereits in Badeshorts und Mikroshirt zu stürzen. Es sieht ganz einfach beschissen aus! Niemand will Ihre grauweissen Bauchfalten sehen, haarige Beine und picklige Oberschenkel sind gruselig.

Beachten Sie bitte, dass die Röhre wegen eines technischen Problems in Kasachstan, Usbekistan oder in der Inneren Mongolei
Bild nextnews. com 
zwischenlanden könnte. (Eine Maschine von Air France ist letzte Woche in Irkutsk gestrandet.)
Dort wird es kalt sein, sehr kalt.

Also ziehen Sie sich so an, als ob Sie zum Zahnarzt oder zum Steuerberater gehen würden. Unauffällig, nicht zu teuer, nicht zu billig, nicht beengend. Einfach, praktisch, gut. Eher in Schichten gekleidet, da hat man schnell was aus- oder angezogen.
Diese Regeln gelten auch für die Rückflüge. Obwohl Ihre Haut nicht mehr grauweiss, sondern eher blaurot schimmern wird: Ihr Bauchspeck glänzt immer noch.
Und bitte, schütteln Sie vor dem Einsteigen den Sand aus den Sandaletten!


Montag, November 12, 2018

Ulithi - 11

Foto: www.pacificwrecks.com
Bild: Ulithi-Airfield / Falalop Isl.
(Länge 900 Meter)

Letzte Woche noch die fälligen Impfungen geschluckt und gespritzt bekommen. Das erste Mal haben wir uns auch gegen die Grippe impfen lassen. Weniger wegen uns selbst, sondern weil wir nicht wollen, dass wir die Bevölkerung in Asor, Mogmog und Falalop mit Grippeviren anstecken. Stellen Sie sich vor, wir würden eine noch gar nicht entdeckte Gruppe indigener Menschen auf einer abgelegenen Insel bereits vor ihrer Entdeckung ausrotten ... Schwieriger Satz ... vielleicht Nebenwirkungen der Typhusimpfung ... ? 

Fake-Bild
Auch die Typhus-Impfung musste aufgefrischt werden. Abdominaltyphus (so nennt sich die Seuche genau) ist eine akute fieberhafte Erkrankung, hervorgerufen durch den Erreger Salmonella enterica serovar Typhi, welcher zu Bauchkrämpfen, Durchfall und Appetitlosigkeit führt. 
Wir schlucken drei Dosen Vivotif, immerhin 6 Milliarden Lebendkeime, durchleiden einen kurzen aber heftigen Typhus-Schub (siehe oben), dürften jetzt jedoch immun sein.

Reiseversicherung(en) sowie die Zusatzversicherung gegen die Kostenfolge bei Tauchunfälle wurden noch ein letztes Mal überprüft. 
Zahlen Versicherungen eigentlich auch bei Unfällen durch fallende Kokosnüsse (ja) , nach Zusammenstössen mit fliegenden Hunden (ja) und nach Angriffen durch bösartige Fangschreckenkrebse? Auch JA.









Mittwoch, November 07, 2018

Ulithi - 17


Noch 17 Tage bis zum Abflug. Zeit, wieder einmal den einen oder anderen Artikel aus meinem Buch zur Brust zu nehmen.

Sollte an Ihrer Destination Impfungen, bzw. ein Impfausweis, vorgeschrieben sein, dann halten Sie sich besser daran. Vor allem, wenn Sie aus Ländern mit Gelbsucht einreisen. Bei Unstimmigkeiten werden Sie die Ferien sonst in einer Quarantänestation absitzen können. Zwischen Komodo-Waranen, Vogelspinnen und grünen Mambas.
Selbstverständlich sind Sie gegen alle handelsüblichen Krankheiten geimpft. Dazu gehören Diphterie, Starrkrampf, Kinderlähmung, Masern, Hepatitis A, Tollwut sowie Typhus. Je nach Destination kommen noch einige dazu: Lassen Sie sich vom Hausarzt oder in einem Tropeninstitut beraten.




Falls Sie auf Medikamente angewiesen sind, müssen Sie diese auch in genügender Menge mit an Bord nehmen. Einmal in der Röhre wird es unmöglich sein, kurz in den Gepäckraum hinunter zu steigen um Nachschub zu holen.
Handelt es sich bei den mitgeführten Medikamenten um Flüssigkeiten, sind die jeweils gültigen Vorschriften der Sicherheitskontrolleure zu beachten. Dies gilt auch für die Mitnahme von Injektionsspritzen, Skalpellen und Rheumadecken.
Vergessen Sie nicht unvorhersehbare Zwischenlandungen in Wladiwostok, Novosibirsk oder auf der Kamtschatka-Halbinsel. Nicht weil die Menschen dort unfreundlich wären. Sondern weil es dauern kann, bis der Pilot das notwendige Kerosin für die Weiterreise gefunden hat.
Auch Medikamente gegen das kleine Malheur zwischendurch gehören ins Handgepäck an Bord. Wichtig sind Schmerzmittel sowie ein Medikament gegen Durchfall. Montezumas Rache kann Sie nämlich auch an Bord ereilen!
Fragen Sie Ihren Arzt nach einem Breitband-Antibiotikum. Eine aufkommende Blasenentzündung muss sofort behandelt werden.
Für Reisen ausserhalb Ihrer Wohlfühlzone sind Antibiotika lebenswichtig. Noch nie etwas von einem Erysipel («Rotlauf») gehört? Tönt harmlos, kann aber tödlich sein. Antibiotika nicht nur als Tabletten, sondern auch in flüssiger Form oder als Salbe gegen allerhand biologische Attacken einpacken.
Selbstverständlich wird Ihr Arzt grosse Augen machen, auf Unverträglichkeiten und später zu erwartende Antibiotika-Resistenzen verweisen.
Jetzt wird es Zeit, ihm in deutlichen Worten zu erklären, wie lange Sie durch Wüsten marschieren, Dschungel durchqueren und Berge überwinden müssen, bis Sie nach drei Tagen vielleicht einen Arzt gefunden haben.
Sollten Sie diesen Arzt auf einer kleinen pazifischen Insel finden, wird er Ihnen erklären, dass keine Medikamente vorhanden sind. Weil der Gouverneur die letzte Rechnung nicht bezahlt hat, da er doch unbedingt zur Wellness-Kur nach Hawaii musste.
Haben Sie sich einen «Rotlauf» eingefangen, wird man Ihnen zuerst das Bein mit einer rostigen Machete absäbeln und den Stumpf in Taro-Blätter einwickeln.
Mit diesen Blättern wird man später auch den Sarg polstern. Damit Sie auf Ihrer allerletzten Reise auch schön weich liegen.
Gute Heimreise im Zinksarg wünscht Ihnen Ihr Hausarzt!


Freitag, November 02, 2018

Ulithi - 21





Noch 21 Tage bis zum Abflug.

Das wohl wichtigste aller Dokumente, wenn Sie unterwegs sind. Ohne Pass sind Sie nichts, Sie existieren nicht. Also schauen sie frühzeitig nach, ob Sie im Besitz eines gültigen Passes sind. Als Faustregel gilt: Er muss bei der Einreise noch mindestens 6 Monate gültig sein.
Woher Sie auch stammen mögen, Ihr Pass muss maschinenlesbar sein und über einen Chip mit ihren biometrischen Daten verfügen. Sollte ihr Dokument vor dem 1. März 2010 ausgestellt worden sein, dann ist es jetzt höchste Zeit für einen neuen Pass! Vergessen Sie nicht, ihn auf Seite 1 zu unterschreiben!
Führt Sie der Weg in islamische Staaten, muss der Pass frei von israelischen Visa sein. Nordkoreanische Stempel mit dem Abbild des zündelnden Atomkaspers werden Sie bei der nächsten Reise in die USA in gröbere Schwierigkeiten bringen. In diesem Fall müssen Sie wohl oder übel einen neuen Pass bestellen. Viel reisende Business-Menschen beantragen für solche Zwecke einen zweiten Pass.
Ein Tipp, der Sie vor gewaltigen Problemen schützen wird: Lassen Sie den Pass zwischen dem 13. und dem Ende eines Monats ausstellen. Denn ─ das Datumsformat wird nicht überall auf der Welt identisch gehandhabt.
Ist Ihr Pass zum Beispiel bis am 05.10.2019 gültig, wird Ihnen ein amerikanischer Grenzbeamter im April 2019 die Einreise in die USA verweigern, weil nach seiner Meinung der Pass am 10.05.2019 abläuft. Ist Ihr Pass hingegen bis zum 13.10.2019 gültig, kann der gute Mann das Ding drehen wie er will: Es gibt zwar 13 Monatslöhne aber keinen 13. Monat.
Wurden Sie von Ihren Eltern aufgrund hochwohl-löblicher Herkunft gleich auf mehrere Vornamen getauft, dann müssen diese auch alle brav im Pass vermerkt sein. Sie können sich gelegentlich bei Mama und Papa bedanken. Denn alle Dokumente, die mit einer Flugreise zu tun haben (Tickets, Boardingkarten etc.) müssen hundertprozentig mit dem Namen – und sämtlichen Vornamen – im Pass übereinstimmen.
Nehmen Sie zusätzlich zum Original eine Pass-Kopie mit auf die Reise. Kopieren Sie nur die Seite mit ihren persönlichen Angaben. Diese Kopie nicht zusammen mit dem Original aufbewahren! Sie gilt zwar nicht als amtlicher Ausweis, ist jedoch spätestens beim Verlust des Originals hilfreich. Die lokale Polizeidienststelle wird nämlich bei einer Verlustmeldung ihre Ausweisnummer zur Fahndung ausschreiben.

Sonntag, Oktober 28, 2018

Ulithi -26



Noch 26 Tage bis zum Abflug.

Am 23. November werden wir unsere Hütte verlassen. Es ist der dritte Versuch, das Ulithi-Atoll zu besuchen. War einmal die Airline gegroundet, war es ein anderes Mal ein ausgewachsener Taifun, der den Reiseplan durcheinander wirbelte. Besuche auf den Inseln Falalop, Asor und Mogmog sind geplant, die entsprechenden Bewilligungen wurden von Ruth-Ann und Detlef eingeholt. 
Tatsächlich kann man die Inseln Mikronesiens nicht "einfach so" besuchen, man ist auf solche Gäste nicht erpicht. Nur dank Ruth-Anns Beziehungen zum Big Chief, zum "König von Mogmog", ist unser Besuch überhaupt möglich. Schauen wir mal, was uns erwartet ... 

Bis zum 23.11. wird dieser Blog zweimal wöchentlich auf den neusten Stand gebracht. Danach folgen - wenn möglich - tägliche Updates.

Bleiben Sie dran, bleiben Sie uns treu!





Montag, Oktober 22, 2018

Kolumne Volksstimme - Rasend schnell

Kurz nach Basel bemerkte ich es das erste Mal im Rückspiegel. Etwas kam von hinten auf mich zugeschossen, überholte mich und spurte kurz vor meiner Kühlerhaube wieder ein. Am rechten Fahrbahnrand stand eine grosse Werbetafel: «Fahr ein Lächeln!» 
Kurz nach dem Wetterbericht von SRF1 sah ich ihn zum zweiten Mal. Er fuhr dicht hinter einer schwarzen Limousine und hatte offensichtlich die Absicht diese von hinten zu rammen. Unter Einsatz aller verfügbaren Mittel veranstaltete er auf der Überholspur ein Lichtgewitter mit Hupkonzert. Der Angreifer sass wild gestikulierend hinter dem Steuer und sein Vollbart erinnerte mich vage an Szenen aus Afghanistan. Sein Gesicht war wild verzerrt, seine Augen starrten mordlüstern auf den Gegner. Jedem Betrachter der Szene war klar: Der Fahrer des feindlichen Fahrzeugs würde die nächsten Kilometer nicht überleben. Da ich keine Lust verspürte, Zeuge eines blutigen Gemetzels zu werden, ging ich vom Gas und schon bald verloren sich Angreifer und Flüchtling im morgendlichen Nieselregen.

Etwas später begegnete ich ihm beim Einkaufen im Grossmarkt. Er hatte seinen Lieferwagen direkt vor dem Eingang geparkt und war dabei, Unmengen von Schachteln, Säcken und Kübeln zu verladen. Aus organisatorischen Gründen hatte er sein Autodach zum Zwischenlager für Schweinehälften umgenutzt und neben der offenen Fahrertür standen die Kartons mit den argentinischen Filets auf dem sauberen Parkplatz. Beim Verladen der Bierdosen lösten sich zwei Kistchen Tomaten aus ihrer Verankerung. Und wie der Käse in der Werbung kullerten sie fröhlich hüpfend über den Parkplatz und versteckten sich arglistig unter den geparkten Autos. Ohne Hemmungen warf er sich auf den Boden und robbte unter die Autos. Schon nach kurzer Zeit hatte er die Flüchtigen wieder eingefangen. Ich hatte Zeit, das Mordinstrument genauer zu betrachten. Es war grau, gross und dreckig und trug die Aufschrift eines bekannten Restaurants: «Hier kocht der Chef!»

Es ist ja sicher eine gute Idee, Geschäftsautos mit Werbung zu versehen. Solche Werbung kann jedoch ganz schnell das Gegenteil bewirken. Denn manchmal werden solche Autos von Menschen gefahren, die sich im Strassenverkehr völlig rücksichtslos benehmen. Zu dieser Gattung gehören leider auch viele Fahrer der Post und andere Paketzusteller.

Möchte ich wirklich einen Maler in meine Wohnung lassen, der regelmässig viel zu schnell durchs Dorf fährt? Würde ich dem Getränkehändler, der mir bereits zweimal die Vorfahrt abgeschnitten hat, zwei Kisten Bier abkaufen? Und was ist mit dem Architekten, der mich auf dem Zebrastreifen beinahe aufgeladen hätte? Den werde ich niemals mein neues Haus bauen lassen! Ich werde zwar kein Haus bauen, meine Wohnung genügt mir vollauf. Deshalb benötige ich auch keinen Maler und das Bier trinke ich am liebsten auswärts. Allerdings nicht beim rasenden Chefkoch.

Nur gerade bei den Pöstlern werde ich nachsichtig sein und ein Auge zudrücken. Sie könnten ja meine Bratwürste aus St.Gallen an Bord haben.










Montag, Oktober 08, 2018

Volksstimme - Würstchen im Computer


Als Ostschweizer liegen mir Würste nicht nur am Herzen, sondern manchmal auch auf dem Magen. Ich esse sie leidenschaftlich gerne. Aber immer öfter verschafft mir diese Leidenschaft jedoch tatsächlich Leiden. Was in der sommerlichen Schweiz wieder an Schützenfesten und an privaten Grillpartys als Bratwurst aufgetischt wird, lässt St.Galler erbleichen und Thurgauer weinen. Von Fett triefende, manchmal auch Wasser lösende wurstförmige Erzeugnisse bräteln auf schlecht gereinigten Grillstäben und mitunter Feuer schlagend vor sich hin. Mal sehen sie aus wie nach einem Bombenangriff, mal sind sie nach Art der Kopfjäger geschrumpft. Nicht einmal mit Senf ─ von eigentlichen Wurstdilettanten zur geschmacklichen Aufbesserung aus verschmutzten Tuben gepresst ─ können solche Würstlinge noch gerettet werden. Aber auch was Metzgermeister zwischen die besungenen zwei Enden stopfen, ist wahrlich nicht immer meisterlich. Geradezu wurstverachtend ist die Methode, bereits die Würste mit Ketchup zu füllen. Es ist wirklich zum «aus der Haut fahren!». Aber das ist eigentlich die Aufgabe der Wurst. Genauso wie es die Aufgabe der Post wäre, mir diese pünktlich zu liefern.

Um den Wurstgenuss am diesjährigen Nationalfeiertag sicherzustellen, habe ich meine Bratwürste in St.Gallen bestellt. Der Metzger wird, die am frühen Morgen produzierten Würste am Montag zur Post bringen. Sie werden mir am Dienstag bis spätestens 9 Uhr zugestellt.

9 Uhr ist vorbei, keine Post weit und breit. Auch vierzig Minuten später sind noch keine Würste in Sicht. Ein Anruf beim Metzger bestätigt den pünktlichen Versand der Waren, ich erhalte von ihm eine Paketnummer. Um 10 Uhr ist immer noch kein gelber Wagen zu sehen, ich rufe bei der Post an. Haben Sie jetzt gelacht? Richtig! Die Post hat nämlich keine Telefonnummer! Man kann zwar im Bundeshaus anrufen, sogar einzelne Bundesräte sind im Telefonbuch zu finden. Nicht jedoch die Post.

Die Telefon-Auskunft, sie kostet so viel wie drei Bratwürste, verweist auf den Kundendienst der Post. Dort will ein Computer für 8 Rappen pro Minute allerhand Dinge von mir wissen, Nummern müssen eingetippt werden, zum Abschied wird man auf eine Web-Seite verwiesen. «Herzlich willkommen. Sie befinden sich im Kundencenter.» Ich befinde mich also IM Kundendienst-Computer der Post. «Sie haben ein Anliegen? Wir helfen Ihnen gerne weiter.»

Nein, liebe Pöstler, das haben Sie nicht getan! Ihre Marketingabteilung produziert zwar Heissluftsalven wie: «Wir begegnen unseren Kunden auf Augenhöhe. Unsere Angebote sind einfach, verständlich und unkompliziert.» Nein, sind sie nicht. Wie viele andere Unternehmen verstehen sie unter der Bezeichnung «Kundendienst» etwas völlig anderes als die Mehrzahl ihrer Kunden. Sie sind nicht auf Augenhöhe. Genauso wenig wie ihr Computer!

Etwas später, ich sitze immer noch IM Computer, spricht dieser zu mir: «Die Sendung wird voraussichtlich heute eintreffen.» Sie sind dann auch «voraussichtlich» verspätet eingetroffen. Das Wort «Entschuldigung» aber kennt der Postcomputer nicht.

Kolumne erschienen in der VOLKSSTIMME 4450 Sissach



Mittwoch, Oktober 03, 2018

Ulithi - Hai-Land?



Das Wort „Hai“ löst ja bei vielen Menschen ein unwohles Kribbeln in der Magengegend aus. Sofort findet unsere geistige Festplatte die passenden Geräusche aus dem Weissen Hai – schhrrriip – schrrrriip, schnappp. Spätestens seit diesem Film wissen wir, dass Haie fürchterliche, blutrünstige Bestien sind. Sie bestehen im Wesentlichen aus einer Rückenflosse, die neckisch aus dem Meer lugt und einem Kiefer mit Tausenden von Zähnen. Für jeden Dentisten die Herausforderung seines Lebens!
Dag Svensson, der alte Schwede, hatte sich wirklich sorgfältig auf seinen ersten Tauchgang vorbereitet und beschloss, erstmals in seinem Leben einem richtigen Hai zu begegnen. So hatte er sich jedes verfügbare Fachbuch besorgt, las besorgniserregende Berichte über menschenfressende Bestien und beschäftigte sich ausführlich mit wissenschaftlichen Studien über deren Angriffslustigkeit.
Mit Erleichterung stellte er fest, dass nur wenige der über 350 Arten zu den potenziellen Menschenfressern gehören. Der Erleichterung folgte jedoch die Sorge darüber, ob die Haie denn auch über das gleiche Wissen verfügen.
Dag prägte sich die farbigen Abbildungen gründlich ein und beschäftigte sich wochenlang mit dem Themenschwerpunkt: „Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Hai begegne.“
 Beim Einschlafen zählte er fortan farbige Fischlein und stellte sich bildlich vor, wie seine erste Begegnung mit der Bestie der Meere verlaufen würde.
Es war ein Tag wie jeder andere. Gemütlich schwamm Dag zwischen Steinkorallen umher und bewunderte Nacktschnecken und andere Schleimer, als er das Grauen erblickte.
Der schwimmende Kiefer raste direkt auf ihn zu, bleckte seine 850 Zähne und starrte ihn aus kalten Augen an. Dag versucht sich an die Anweisungen im Handbuch zu erinnern. Da ihm dies nicht gelang, wechselte er gekonnt das Thema, dachte an die letzte Zahnarztrechnung und freute sich daran nur 32 Zähne zu haben.
Als er sich wieder dem Hai zuwenden wollte, war dieser längst verschwunden. Dag war wütend und masslos enttäuscht. Dieser arrogante Hühnerdieb hatte ihn überhaupt nicht zur Kenntnis genommen! Er hatte ihn einfach ignoriert und nicht einmal mit einer imaginären Wimper gezuckt. Was Dag nicht wusste: Der Kiefer hatte sich angesichts des in Neopren gekleideten Tauchers totgelacht und lag bereits als Wasserleiche hinter dem nächsten Riff.
Dag hatte mit der Zeit gelernt, die Haie zu ignorieren. Es gab wesentlich unangenehmere Zeitgenossen! So erdreistete sich unlängst eine Muräne, ihn in die linke Arschbacke zu beissen. Aber er hatte – obwohl er mehrmals von angeblich giftigen Bissen gewarnt worden war – auch diese Begegnung überlebt.
Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass er dem armen Vieh den Ausgang aus dessen Höhlenwohnung verdeckt hatte. Als nun das allerherzigste Muränlein sein Appartement verlassen wollte, blieb ihm nichts anderes übrig, als tüchtig rein zu beissen. Infolge seines kleines Kiefers und der Grösse des Objekts seiner Begierde erwies sich der Biss jedoch vergleichsweise harmlos. Allerdings gab das Resultat der Muräne recht: Dag änderte seine Position, zog sich gegen rechts und hielt sich mit der Linken an einem Korallenstock fest.
Dieses Ansinnen gefiel jedoch der Besitzerin der dortigen Attikawohnung nicht: Muräne Nr. 2 biss Dag herzhaft in den Ellenbogen und hinterliess zwei stecknadelgrosse Einstiche. Dag entschied sich die unwirtliche Gegend zu verlassen und schwamm gemächlich weiter.
Plötzlich wurde es dunkel: Ein Tintenfisch ansehnlicher Grösse hatte sich mitten auf seine Taucherbrille gesetzt und sich dort mit allen acht Füssen festgesaugt. Er hatte im spiegelnden Glas eine potenzielle Octopussy entdeckt und versuchte mit ihr anzubandeln. Dag wollte den beiden Turtelfüsslern diese Freude nicht verweigern, setzte sich auf den nächsten Stein und tat, was er am besten konnte: Er wartete ab.
Und während er so vor sich hin wartete, spürte er, wie er angeknabbert wurde. Nicht die Liebenden auf seiner Taucherbrille waren es, die ihm kleine Fleischstücke aus seinen Armen rissen, sondern herzige, kleine Fische. Mit dem Mut der Verzweiflung oder der puren Lust an Menschenfleisch bissen sie an Dag herum. Dies aber wollte sich unser tapferer Schwede nun wirklich nicht gefallen lassen. Er verscheuchte die ganze Brut und wandte sich wieder den schönen Dingen des Lebens zu.
Er hatte nicht mit Aristoteles dem alten Barrakuda gerechnet! Sofort versuchte er sich an die Worte von Vater Gutgenug zu erinnern. Und obwohl er wusste, dass dieser im Grossen und Ganzen davon lebte, seinen Schäfchen Märchen aufzutischen, blieb Dag nichts anderes übrig, als auf die göttlichen Regeln zu vertrauen.
Regel Nr. 1: Grosse Barrakudas sind sehr gefährlich! Diese „Silberschuppen“ sind Einzelgänger und greifen jeden noch so geschmackslosen Taucher sofort an. Kleine Barrakudas hingegen treten meistens im Schwarm auf und sind gutartig wie eine Herde Suppenhühner.
Regel Nr. 2: Kleine Barrakudas im Schwarm sind sehr gefährlich und greifen jeden noch so geschmackslosen Taucher sofort an. Ein grosser Barrakuda hingegen ist gutartig wie ein altes Suppenhuhn.
Regel Nr. 3: Bestimme nun die Grösse des hinter dir herschwimmenden Barrakudas und wende wahlweise Regel Nr. 1 oder Nr. 2  an.

P.S. Den Namen Aristoteles erhielt der alte Barrakuda von der Schweizerin Gertrud Aenishänsli aus Finsterhennen. Sie hatte ein Preisausschreiben der Firma Goldfischli gewonnen und durfte erstmals in ihrem Leben einen Fisch taufen. Herzliche Gratulation!

Aus dem Buch IKEFANG UND GUTGENUG 
Hanspeter Gsell, 
Verlag Bod