Montag, November 12, 2018

Ulithi - 11

Foto: www.pacificwrecks.com
Bild: Ulithi-Airfield / Falalop Isl.
(Länge 900 Meter)

Letzte Woche noch die fälligen Impfungen geschluckt und gespritzt bekommen. Das erste Mal haben wir uns auch gegen die Grippe impfen lassen. Weniger wegen uns selbst, sondern weil wir nicht wollen, dass wir die Bevölkerung in Asor, Mogmog und Falalop mit Grippeviren anstecken. Stellen Sie sich vor, wir würden eine noch gar nicht entdeckte Gruppe indigener Menschen auf einer abgelegenen Insel bereits vor ihrer Entdeckung ausrotten ... Schwieriger Satz ... vielleicht Nebenwirkungen der Typhusimpfung ... ? 

Fake-Bild
Auch die Typhus-Impfung musste aufgefrischt werden. Abdominaltyphus (so nennt sich die Seuche genau) ist eine akute fieberhafte Erkrankung, hervorgerufen durch den Erreger Salmonella enterica serovar Typhi, welcher zu Bauchkrämpfen, Durchfall und Appetitlosigkeit führt. 
Wir schlucken drei Dosen Vivotif, immerhin 6 Milliarden Lebendkeime, durchleiden einen kurzen aber heftigen Typhus-Schub (siehe oben), dürften jetzt jedoch immun sein.

Reiseversicherung(en) sowie die Zusatzversicherung gegen die Kostenfolge bei Tauchunfälle wurden noch ein letztes Mal überprüft. 
Zahlen Versicherungen eigentlich auch bei Unfällen durch fallende Kokosnüsse (ja) , nach Zusammenstössen mit fliegenden Hunden (ja) und nach Angriffen durch bösartige Fangschreckenkrebse? Auch JA.









Mittwoch, November 07, 2018

Ulithi - 17


Noch 17 Tage bis zum Abflug. Zeit, wieder einmal den einen oder anderen Artikel aus meinem Buch zur Brust zu nehmen.

Sollte an Ihrer Destination Impfungen, bzw. ein Impfausweis, vorgeschrieben sein, dann halten Sie sich besser daran. Vor allem, wenn Sie aus Ländern mit Gelbsucht einreisen. Bei Unstimmigkeiten werden Sie die Ferien sonst in einer Quarantänestation absitzen können. Zwischen Komodo-Waranen, Vogelspinnen und grünen Mambas.
Selbstverständlich sind Sie gegen alle handelsüblichen Krankheiten geimpft. Dazu gehören Diphterie, Starrkrampf, Kinderlähmung, Masern, Hepatitis A, Tollwut sowie Typhus. Je nach Destination kommen noch einige dazu: Lassen Sie sich vom Hausarzt oder in einem Tropeninstitut beraten.




Falls Sie auf Medikamente angewiesen sind, müssen Sie diese auch in genügender Menge mit an Bord nehmen. Einmal in der Röhre wird es unmöglich sein, kurz in den Gepäckraum hinunter zu steigen um Nachschub zu holen.
Handelt es sich bei den mitgeführten Medikamenten um Flüssigkeiten, sind die jeweils gültigen Vorschriften der Sicherheitskontrolleure zu beachten. Dies gilt auch für die Mitnahme von Injektionsspritzen, Skalpellen und Rheumadecken.
Vergessen Sie nicht unvorhersehbare Zwischenlandungen in Wladiwostok, Novosibirsk oder auf der Kamtschatka-Halbinsel. Nicht weil die Menschen dort unfreundlich wären. Sondern weil es dauern kann, bis der Pilot das notwendige Kerosin für die Weiterreise gefunden hat.
Auch Medikamente gegen das kleine Malheur zwischendurch gehören ins Handgepäck an Bord. Wichtig sind Schmerzmittel sowie ein Medikament gegen Durchfall. Montezumas Rache kann Sie nämlich auch an Bord ereilen!
Fragen Sie Ihren Arzt nach einem Breitband-Antibiotikum. Eine aufkommende Blasenentzündung muss sofort behandelt werden.
Für Reisen ausserhalb Ihrer Wohlfühlzone sind Antibiotika lebenswichtig. Noch nie etwas von einem Erysipel («Rotlauf») gehört? Tönt harmlos, kann aber tödlich sein. Antibiotika nicht nur als Tabletten, sondern auch in flüssiger Form oder als Salbe gegen allerhand biologische Attacken einpacken.
Selbstverständlich wird Ihr Arzt grosse Augen machen, auf Unverträglichkeiten und später zu erwartende Antibiotika-Resistenzen verweisen.
Jetzt wird es Zeit, ihm in deutlichen Worten zu erklären, wie lange Sie durch Wüsten marschieren, Dschungel durchqueren und Berge überwinden müssen, bis Sie nach drei Tagen vielleicht einen Arzt gefunden haben.
Sollten Sie diesen Arzt auf einer kleinen pazifischen Insel finden, wird er Ihnen erklären, dass keine Medikamente vorhanden sind. Weil der Gouverneur die letzte Rechnung nicht bezahlt hat, da er doch unbedingt zur Wellness-Kur nach Hawaii musste.
Haben Sie sich einen «Rotlauf» eingefangen, wird man Ihnen zuerst das Bein mit einer rostigen Machete absäbeln und den Stumpf in Taro-Blätter einwickeln.
Mit diesen Blättern wird man später auch den Sarg polstern. Damit Sie auf Ihrer allerletzten Reise auch schön weich liegen.
Gute Heimreise im Zinksarg wünscht Ihnen Ihr Hausarzt!


Freitag, November 02, 2018

Ulithi - 21





Noch 21 Tage bis zum Abflug.

Das wohl wichtigste aller Dokumente, wenn Sie unterwegs sind. Ohne Pass sind Sie nichts, Sie existieren nicht. Also schauen sie frühzeitig nach, ob Sie im Besitz eines gültigen Passes sind. Als Faustregel gilt: Er muss bei der Einreise noch mindestens 6 Monate gültig sein.
Woher Sie auch stammen mögen, Ihr Pass muss maschinenlesbar sein und über einen Chip mit ihren biometrischen Daten verfügen. Sollte ihr Dokument vor dem 1. März 2010 ausgestellt worden sein, dann ist es jetzt höchste Zeit für einen neuen Pass! Vergessen Sie nicht, ihn auf Seite 1 zu unterschreiben!
Führt Sie der Weg in islamische Staaten, muss der Pass frei von israelischen Visa sein. Nordkoreanische Stempel mit dem Abbild des zündelnden Atomkaspers werden Sie bei der nächsten Reise in die USA in gröbere Schwierigkeiten bringen. In diesem Fall müssen Sie wohl oder übel einen neuen Pass bestellen. Viel reisende Business-Menschen beantragen für solche Zwecke einen zweiten Pass.
Ein Tipp, der Sie vor gewaltigen Problemen schützen wird: Lassen Sie den Pass zwischen dem 13. und dem Ende eines Monats ausstellen. Denn ─ das Datumsformat wird nicht überall auf der Welt identisch gehandhabt.
Ist Ihr Pass zum Beispiel bis am 05.10.2019 gültig, wird Ihnen ein amerikanischer Grenzbeamter im April 2019 die Einreise in die USA verweigern, weil nach seiner Meinung der Pass am 10.05.2019 abläuft. Ist Ihr Pass hingegen bis zum 13.10.2019 gültig, kann der gute Mann das Ding drehen wie er will: Es gibt zwar 13 Monatslöhne aber keinen 13. Monat.
Wurden Sie von Ihren Eltern aufgrund hochwohl-löblicher Herkunft gleich auf mehrere Vornamen getauft, dann müssen diese auch alle brav im Pass vermerkt sein. Sie können sich gelegentlich bei Mama und Papa bedanken. Denn alle Dokumente, die mit einer Flugreise zu tun haben (Tickets, Boardingkarten etc.) müssen hundertprozentig mit dem Namen – und sämtlichen Vornamen – im Pass übereinstimmen.
Nehmen Sie zusätzlich zum Original eine Pass-Kopie mit auf die Reise. Kopieren Sie nur die Seite mit ihren persönlichen Angaben. Diese Kopie nicht zusammen mit dem Original aufbewahren! Sie gilt zwar nicht als amtlicher Ausweis, ist jedoch spätestens beim Verlust des Originals hilfreich. Die lokale Polizeidienststelle wird nämlich bei einer Verlustmeldung ihre Ausweisnummer zur Fahndung ausschreiben.

Sonntag, Oktober 28, 2018

Ulithi -26



Noch 26 Tage bis zum Abflug.

Am 23. November werden wir unsere Hütte verlassen. Es ist der dritte Versuch, das Ulithi-Atoll zu besuchen. War einmal die Airline gegroundet, war es ein anderes Mal ein ausgewachsener Taifun, der den Reiseplan durcheinander wirbelte. Besuche auf den Inseln Falalop, Asor und Mogmog sind geplant, die entsprechenden Bewilligungen wurden von Ruth-Ann und Detlef eingeholt. 
Tatsächlich kann man die Inseln Mikronesiens nicht "einfach so" besuchen, man ist auf solche Gäste nicht erpicht. Nur dank Ruth-Anns Beziehungen zum Big Chief, zum "König von Mogmog", ist unser Besuch überhaupt möglich. Schauen wir mal, was uns erwartet ... 

Bis zum 23.11. wird dieser Blog zweimal wöchentlich auf den neusten Stand gebracht. Danach folgen - wenn möglich - tägliche Updates.

Bleiben Sie dran, bleiben Sie uns treu!





Montag, Oktober 22, 2018

Kolumne Volksstimme - Rasend schnell

Kurz nach Basel bemerkte ich es das erste Mal im Rückspiegel. Etwas kam von hinten auf mich zugeschossen, überholte mich und spurte kurz vor meiner Kühlerhaube wieder ein. Am rechten Fahrbahnrand stand eine grosse Werbetafel: «Fahr ein Lächeln!» 
Kurz nach dem Wetterbericht von SRF1 sah ich ihn zum zweiten Mal. Er fuhr dicht hinter einer schwarzen Limousine und hatte offensichtlich die Absicht diese von hinten zu rammen. Unter Einsatz aller verfügbaren Mittel veranstaltete er auf der Überholspur ein Lichtgewitter mit Hupkonzert. Der Angreifer sass wild gestikulierend hinter dem Steuer und sein Vollbart erinnerte mich vage an Szenen aus Afghanistan. Sein Gesicht war wild verzerrt, seine Augen starrten mordlüstern auf den Gegner. Jedem Betrachter der Szene war klar: Der Fahrer des feindlichen Fahrzeugs würde die nächsten Kilometer nicht überleben. Da ich keine Lust verspürte, Zeuge eines blutigen Gemetzels zu werden, ging ich vom Gas und schon bald verloren sich Angreifer und Flüchtling im morgendlichen Nieselregen.

Etwas später begegnete ich ihm beim Einkaufen im Grossmarkt. Er hatte seinen Lieferwagen direkt vor dem Eingang geparkt und war dabei, Unmengen von Schachteln, Säcken und Kübeln zu verladen. Aus organisatorischen Gründen hatte er sein Autodach zum Zwischenlager für Schweinehälften umgenutzt und neben der offenen Fahrertür standen die Kartons mit den argentinischen Filets auf dem sauberen Parkplatz. Beim Verladen der Bierdosen lösten sich zwei Kistchen Tomaten aus ihrer Verankerung. Und wie der Käse in der Werbung kullerten sie fröhlich hüpfend über den Parkplatz und versteckten sich arglistig unter den geparkten Autos. Ohne Hemmungen warf er sich auf den Boden und robbte unter die Autos. Schon nach kurzer Zeit hatte er die Flüchtigen wieder eingefangen. Ich hatte Zeit, das Mordinstrument genauer zu betrachten. Es war grau, gross und dreckig und trug die Aufschrift eines bekannten Restaurants: «Hier kocht der Chef!»

Es ist ja sicher eine gute Idee, Geschäftsautos mit Werbung zu versehen. Solche Werbung kann jedoch ganz schnell das Gegenteil bewirken. Denn manchmal werden solche Autos von Menschen gefahren, die sich im Strassenverkehr völlig rücksichtslos benehmen. Zu dieser Gattung gehören leider auch viele Fahrer der Post und andere Paketzusteller.

Möchte ich wirklich einen Maler in meine Wohnung lassen, der regelmässig viel zu schnell durchs Dorf fährt? Würde ich dem Getränkehändler, der mir bereits zweimal die Vorfahrt abgeschnitten hat, zwei Kisten Bier abkaufen? Und was ist mit dem Architekten, der mich auf dem Zebrastreifen beinahe aufgeladen hätte? Den werde ich niemals mein neues Haus bauen lassen! Ich werde zwar kein Haus bauen, meine Wohnung genügt mir vollauf. Deshalb benötige ich auch keinen Maler und das Bier trinke ich am liebsten auswärts. Allerdings nicht beim rasenden Chefkoch.

Nur gerade bei den Pöstlern werde ich nachsichtig sein und ein Auge zudrücken. Sie könnten ja meine Bratwürste aus St.Gallen an Bord haben.










Montag, Oktober 08, 2018

Volksstimme - Würstchen im Computer


Als Ostschweizer liegen mir Würste nicht nur am Herzen, sondern manchmal auch auf dem Magen. Ich esse sie leidenschaftlich gerne. Aber immer öfter verschafft mir diese Leidenschaft jedoch tatsächlich Leiden. Was in der sommerlichen Schweiz wieder an Schützenfesten und an privaten Grillpartys als Bratwurst aufgetischt wird, lässt St.Galler erbleichen und Thurgauer weinen. Von Fett triefende, manchmal auch Wasser lösende wurstförmige Erzeugnisse bräteln auf schlecht gereinigten Grillstäben und mitunter Feuer schlagend vor sich hin. Mal sehen sie aus wie nach einem Bombenangriff, mal sind sie nach Art der Kopfjäger geschrumpft. Nicht einmal mit Senf ─ von eigentlichen Wurstdilettanten zur geschmacklichen Aufbesserung aus verschmutzten Tuben gepresst ─ können solche Würstlinge noch gerettet werden. Aber auch was Metzgermeister zwischen die besungenen zwei Enden stopfen, ist wahrlich nicht immer meisterlich. Geradezu wurstverachtend ist die Methode, bereits die Würste mit Ketchup zu füllen. Es ist wirklich zum «aus der Haut fahren!». Aber das ist eigentlich die Aufgabe der Wurst. Genauso wie es die Aufgabe der Post wäre, mir diese pünktlich zu liefern.

Um den Wurstgenuss am diesjährigen Nationalfeiertag sicherzustellen, habe ich meine Bratwürste in St.Gallen bestellt. Der Metzger wird, die am frühen Morgen produzierten Würste am Montag zur Post bringen. Sie werden mir am Dienstag bis spätestens 9 Uhr zugestellt.

9 Uhr ist vorbei, keine Post weit und breit. Auch vierzig Minuten später sind noch keine Würste in Sicht. Ein Anruf beim Metzger bestätigt den pünktlichen Versand der Waren, ich erhalte von ihm eine Paketnummer. Um 10 Uhr ist immer noch kein gelber Wagen zu sehen, ich rufe bei der Post an. Haben Sie jetzt gelacht? Richtig! Die Post hat nämlich keine Telefonnummer! Man kann zwar im Bundeshaus anrufen, sogar einzelne Bundesräte sind im Telefonbuch zu finden. Nicht jedoch die Post.

Die Telefon-Auskunft, sie kostet so viel wie drei Bratwürste, verweist auf den Kundendienst der Post. Dort will ein Computer für 8 Rappen pro Minute allerhand Dinge von mir wissen, Nummern müssen eingetippt werden, zum Abschied wird man auf eine Web-Seite verwiesen. «Herzlich willkommen. Sie befinden sich im Kundencenter.» Ich befinde mich also IM Kundendienst-Computer der Post. «Sie haben ein Anliegen? Wir helfen Ihnen gerne weiter.»

Nein, liebe Pöstler, das haben Sie nicht getan! Ihre Marketingabteilung produziert zwar Heissluftsalven wie: «Wir begegnen unseren Kunden auf Augenhöhe. Unsere Angebote sind einfach, verständlich und unkompliziert.» Nein, sind sie nicht. Wie viele andere Unternehmen verstehen sie unter der Bezeichnung «Kundendienst» etwas völlig anderes als die Mehrzahl ihrer Kunden. Sie sind nicht auf Augenhöhe. Genauso wenig wie ihr Computer!

Etwas später, ich sitze immer noch IM Computer, spricht dieser zu mir: «Die Sendung wird voraussichtlich heute eintreffen.» Sie sind dann auch «voraussichtlich» verspätet eingetroffen. Das Wort «Entschuldigung» aber kennt der Postcomputer nicht.

Kolumne erschienen in der VOLKSSTIMME 4450 Sissach



Mittwoch, Oktober 03, 2018

Ulithi - Hai-Land?



Das Wort „Hai“ löst ja bei vielen Menschen ein unwohles Kribbeln in der Magengegend aus. Sofort findet unsere geistige Festplatte die passenden Geräusche aus dem Weissen Hai – schhrrriip – schrrrriip, schnappp. Spätestens seit diesem Film wissen wir, dass Haie fürchterliche, blutrünstige Bestien sind. Sie bestehen im Wesentlichen aus einer Rückenflosse, die neckisch aus dem Meer lugt und einem Kiefer mit Tausenden von Zähnen. Für jeden Dentisten die Herausforderung seines Lebens!
Dag Svensson, der alte Schwede, hatte sich wirklich sorgfältig auf seinen ersten Tauchgang vorbereitet und beschloss, erstmals in seinem Leben einem richtigen Hai zu begegnen. So hatte er sich jedes verfügbare Fachbuch besorgt, las besorgniserregende Berichte über menschenfressende Bestien und beschäftigte sich ausführlich mit wissenschaftlichen Studien über deren Angriffslustigkeit.
Mit Erleichterung stellte er fest, dass nur wenige der über 350 Arten zu den potenziellen Menschenfressern gehören. Der Erleichterung folgte jedoch die Sorge darüber, ob die Haie denn auch über das gleiche Wissen verfügen.
Dag prägte sich die farbigen Abbildungen gründlich ein und beschäftigte sich wochenlang mit dem Themenschwerpunkt: „Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Hai begegne.“
 Beim Einschlafen zählte er fortan farbige Fischlein und stellte sich bildlich vor, wie seine erste Begegnung mit der Bestie der Meere verlaufen würde.
Es war ein Tag wie jeder andere. Gemütlich schwamm Dag zwischen Steinkorallen umher und bewunderte Nacktschnecken und andere Schleimer, als er das Grauen erblickte.
Der schwimmende Kiefer raste direkt auf ihn zu, bleckte seine 850 Zähne und starrte ihn aus kalten Augen an. Dag versucht sich an die Anweisungen im Handbuch zu erinnern. Da ihm dies nicht gelang, wechselte er gekonnt das Thema, dachte an die letzte Zahnarztrechnung und freute sich daran nur 32 Zähne zu haben.
Als er sich wieder dem Hai zuwenden wollte, war dieser längst verschwunden. Dag war wütend und masslos enttäuscht. Dieser arrogante Hühnerdieb hatte ihn überhaupt nicht zur Kenntnis genommen! Er hatte ihn einfach ignoriert und nicht einmal mit einer imaginären Wimper gezuckt. Was Dag nicht wusste: Der Kiefer hatte sich angesichts des in Neopren gekleideten Tauchers totgelacht und lag bereits als Wasserleiche hinter dem nächsten Riff.
Dag hatte mit der Zeit gelernt, die Haie zu ignorieren. Es gab wesentlich unangenehmere Zeitgenossen! So erdreistete sich unlängst eine Muräne, ihn in die linke Arschbacke zu beissen. Aber er hatte – obwohl er mehrmals von angeblich giftigen Bissen gewarnt worden war – auch diese Begegnung überlebt.
Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass er dem armen Vieh den Ausgang aus dessen Höhlenwohnung verdeckt hatte. Als nun das allerherzigste Muränlein sein Appartement verlassen wollte, blieb ihm nichts anderes übrig, als tüchtig rein zu beissen. Infolge seines kleines Kiefers und der Grösse des Objekts seiner Begierde erwies sich der Biss jedoch vergleichsweise harmlos. Allerdings gab das Resultat der Muräne recht: Dag änderte seine Position, zog sich gegen rechts und hielt sich mit der Linken an einem Korallenstock fest.
Dieses Ansinnen gefiel jedoch der Besitzerin der dortigen Attikawohnung nicht: Muräne Nr. 2 biss Dag herzhaft in den Ellenbogen und hinterliess zwei stecknadelgrosse Einstiche. Dag entschied sich die unwirtliche Gegend zu verlassen und schwamm gemächlich weiter.
Plötzlich wurde es dunkel: Ein Tintenfisch ansehnlicher Grösse hatte sich mitten auf seine Taucherbrille gesetzt und sich dort mit allen acht Füssen festgesaugt. Er hatte im spiegelnden Glas eine potenzielle Octopussy entdeckt und versuchte mit ihr anzubandeln. Dag wollte den beiden Turtelfüsslern diese Freude nicht verweigern, setzte sich auf den nächsten Stein und tat, was er am besten konnte: Er wartete ab.
Und während er so vor sich hin wartete, spürte er, wie er angeknabbert wurde. Nicht die Liebenden auf seiner Taucherbrille waren es, die ihm kleine Fleischstücke aus seinen Armen rissen, sondern herzige, kleine Fische. Mit dem Mut der Verzweiflung oder der puren Lust an Menschenfleisch bissen sie an Dag herum. Dies aber wollte sich unser tapferer Schwede nun wirklich nicht gefallen lassen. Er verscheuchte die ganze Brut und wandte sich wieder den schönen Dingen des Lebens zu.
Er hatte nicht mit Aristoteles dem alten Barrakuda gerechnet! Sofort versuchte er sich an die Worte von Vater Gutgenug zu erinnern. Und obwohl er wusste, dass dieser im Grossen und Ganzen davon lebte, seinen Schäfchen Märchen aufzutischen, blieb Dag nichts anderes übrig, als auf die göttlichen Regeln zu vertrauen.
Regel Nr. 1: Grosse Barrakudas sind sehr gefährlich! Diese „Silberschuppen“ sind Einzelgänger und greifen jeden noch so geschmackslosen Taucher sofort an. Kleine Barrakudas hingegen treten meistens im Schwarm auf und sind gutartig wie eine Herde Suppenhühner.
Regel Nr. 2: Kleine Barrakudas im Schwarm sind sehr gefährlich und greifen jeden noch so geschmackslosen Taucher sofort an. Ein grosser Barrakuda hingegen ist gutartig wie ein altes Suppenhuhn.
Regel Nr. 3: Bestimme nun die Grösse des hinter dir herschwimmenden Barrakudas und wende wahlweise Regel Nr. 1 oder Nr. 2  an.

P.S. Den Namen Aristoteles erhielt der alte Barrakuda von der Schweizerin Gertrud Aenishänsli aus Finsterhennen. Sie hatte ein Preisausschreiben der Firma Goldfischli gewonnen und durfte erstmals in ihrem Leben einen Fisch taufen. Herzliche Gratulation!

Aus dem Buch IKEFANG UND GUTGENUG 
Hanspeter Gsell, 
Verlag Bod




Dienstag, September 25, 2018

Ulithi - Palmwein, Trutenärsche und ein Hühnerdieb



Vom Autor des Buches IMMER WIEDER FERNWEH - Logbuch eines Inselsammlers - erschienen bei BoD
Hanspeter Gsell

Es gibt Inseln, die einzig einem bestimmten Zweck dienen. Nehmen wir zum Beispiel Ikik. Dieser Sandhaufen liegt rund sieben Paddelstunden nördlich von Ik. Aufgrund der entfernten Lage dient Ikik seit Generationen als Jugendstrafvollzugsanstalt. Nachdem vor einigen Jahren ein paar Jungs beim Tütenrauchen versehentlich das Grundbuchamt abgefackelt hatten, wurden sie von Paramount-Chief Otto nach Ikik in die Verbannung geschickt.
Jetzt lebten sie weit weg von den Versuchungen der vermeintlichen Zivilisation und konnten gemächlich ihr Mütchen kühlen. Nur manchmal brauten sie sich einen Schoppen Palmwein.
Zu diesem Zweck steigt man mit ein paar leeren Flaschen auf die nächste Palme. Man knickt einen dicken Stängel um, steckt diesen in den Flaschenhals und fängt das tröpfelnde Nass auf. Ist die Flasche voll, holt man sie herunter und stellt sie in die Sonne. Da die Flüssigkeit zuckerhaltig ist, startet bald einmal die Fermentation, der Saft wird zum Weinchen, nennt sich Falupa und bereichert das dürftige Abendmahl. Zufrieden setzt man sich unter einen knorrigen Brotfruchtbaum, erzählt sich alte Geschichten und singt traurige Lieder.

Das Menu auf der Insel ist nach unsern Begriffen etwas eintönig. Sofern der alte Wong nicht wieder mal vergessen hat seine letzte Rechnung zu bezahlen und deshalb keine Vorräte mehr hat, wird ein Pfännchen Reis gekocht. Man isst, wenn man Hunger hat und nicht weil 12.00 Uhr oder 18.00 Uhr ist.
Aus der Brotfrucht, einer Art riesiger Baumkartoffel, kann man leckere Menus zaubern. Ob als Insel-Stocki, als Lagunen-Chips oder als pazifische Salzkartoffeln: tut gut, schmeckt gut. Und ist unglaublich nahrhaft. Nach zwei Löffeln ist man beinahe schon satt. Um unsern Stocki etwas zu variieren, kann man auch Taroblätter darunter mischen. Die schmecken so ähnlich wie Spinat. Anstelle einer Beutelsauce bedient man sich der heimischen Kokosnussmilch.
Die allgegenwärtige Kokospalme kann im wahrsten Sinne des Wortes von der Wurzel bis zur Spitze verwertet werden. Aus den Blättern fertigt man sich einen Makrame-Jupe, bedacht das Hüttchen neu oder flechtet sich ein schickes Handtäschchen für die Betelnüsse. Aus den Fasern webt man einen Perser für das Vorzimmer und mit dem Holz kann man ein gemütliches Feuerchen machen. Die Kanus hingegen sind nicht aus den Stämmen von Kokospalmen, sondern von Brotfruchtbäumen geschnitzt. Die Milch aus den Nüssen trinkt man, das Fleisch trocknet man und die Kopra verkauft man dem alten Wong.
Bereichert wird das Menu mit Spam, Sardinen aus der Büchse und Trutenärschen.
(Haben Sie jetzt laut aufgeschrien? Vielleicht wegen der Sardinen aus der Dose? Sie können sich wieder beruhigen, man mag die hier wirklich!)
Was aber sind Trutenärsche? Nun, eigentlich genau das, was der Name sagt. In unserer industriellen Tier- und Nahrungsmittelproduktion findet jedes, noch so gering geachtete Körperteil seine Abnehmer. Man kann die Unaussprechlichen in der Grosspackung, tiefgekühlt, gesalzen und gewürzt für einen Dollar das Kilo kaufen. Wenn man sie lange genug gekocht, schmecken sie kaum schlechter wie eine miese Wurst.
Ab und zu fischt man auch. Und da es von Getier nur so wimmelt, geht dies unglaublich schnell. Man hängt ein Stück Bananenschale an einen alten Haken, schmeisst ihn rein, und schon hat ein Fisch angebissen.
Es gilt jetzt, das Nachtessen so schnell wie möglich an Land zu ziehen. Sonst hat der nächstgrössere Fisch den Fang schon wieder von der Angel geholt. Wenn man das Spiel lange genug spielt, hat man manchmal auch einen Hai an der Angel.
Hai jedoch isst man hier ungern. Denn ein altes mikronesisches Sprichwort lautet:
„Wer Hai isst, der wird auch vom Hai gefressen“.

Aus dem Buch IKEFANG UND GUTGENUG - Südseegeschichte von Hanspeter Gsell erschienen bei BoD




Donnerstag, September 20, 2018

Ulithi Der Kaiser von Lucastan

Wir schreiben September 1944 und es begab sich auf der kleinen Insel Mogmog im Ulithi-Atoll, nordöstlich von Yap, in der Mitte von bloody-damn-all. Für SUV-Besitzer hier die Koordinaten für das Navigationssystem: 9º 47’ N, 140º 7’ E.  
Die Richtung Japan vorrückenden amerikanischen Truppen hatten über der von feindlichen Soldaten besetzten Insel Flugblätter abgeworfen, um die Einheimischen vor der bevorstehenden Invasion zu warnen. Trotzdem traf sich der amerikanische Küchengehilfe Bob K. heimlich und in der Hitze der Nacht mit Prinzessin Kalara, der Tochter von König Ueg zu einem tropischen Techtelmechtel. Sie waren die ersten und letzten Toten des Kampfes um die Insel. Die Prinzessin erhielt ein Staatsbegräbnis, der Koch wurde auch nicht berühmt.
Einige Monate später, die Insel war in der Zwischenzeit von der amerikanischen Armee besetzt und übernommen worden, traf sich der Vorgesetzte von Bob, Küchenchef Stewart „Stu“ Lucas mit König Ueg von Mogmog zum Kartenspiel. Stu, seines Zeichens Oberfeldwebel und gerichtsnotorischer Falschspieler, hatte leichtes Spiel und zog Seine Majestät in kürzester Zeit über den Tisch beziehungsweise über die Steinplatte. Er besiegte ihn mit einem Blatt aus vier Achten und einem einäugigen Buben. Sein Gewinn: ein gutes Drittel der Insel Mangajang.
Stu zögerte nicht lang, gründete die „Freie Republik Lucastan“ und putschte sich unverzüglich zum Kaiser auf Lebenszeit. Er nannte sich fortan The Grand Panjandrum, das siegreiche Pokerblatt ziert die Flagge des neuen Ländles.
 Politologen, die sich mit der Geschichte Lucastans befassen meinen jedoch, dass es sich hier unter keinen Umständen um eine Republik handle, sondern bestenfalls um eine „dezentralisierte, demokratische Diktatur“. So regiert der Kaiser zwar mit absoluter Autorität, trotzdem kann jeder machen, was er will.
Manche bezeichnen diese Regierungsform auch als ein „entparlamentarisiertes System“. Das heisst, jeder kann ein Ministerium gründen, es verkaufen, verschenken oder stehlen. Entscheidungen werden je nach Lust und Laune gefällt, widerrufen oder in Frage gestellt.
Lucastan hat weder ein Weisses Haus noch sonst ein Haus, unterhält jedoch zahlreiche Konsulate auf der ganzen Welt. Sämtliche Bürger von Lucastan sind per Gesetz automatisch Konsuln auf Lebenszeit und geniessen diplomatische Immunität. Wahlen kann jeder jederzeit verlangen. Zum Beispiel wenn bestimmt werden muss, wer um die Ecke zum Chinesen gehen soll.
Etwas eigenartig ist die Tatsache, dass keiner der Bürger in Lucastan wohnt, die ganze Bevölkerung lebt im Exil. Zum Bürger ernannt wurde jeder der am Gründungstag der Republik zufällig anwesend war.
Die Haupteinnahmequellen von Lucastan sind das Offshorebanking, Steuerflüchtlinge, die Geldspielerei, Whiskyschmuggel und die illegale Entsorgung von Handfeuerwaffen. In Lucastan gibt es keine Einkommenssteuern, da die Einnahmen aus Bestechung und Korruption vollauf genügen.
Die Staatsbank verfügte per Ende 2002 über folgendes Vermögen:  
Zwölf US-Dollars, 10’000 Reichsmark, eine 1’000-Cruzeiro-Note aus Brasilien, zehn holländische Gulden, eine fotokopierte 1-Milliarden-Banknote der Bank of Zimbabwe aus dem Jahre 2000. Ein reiches Sortiment an Monopoly-Geld, unter anderem eine „Verlasse das Gefängnis“-Karte sowie eine „Gehe auf direktem Weg ins Gefängnis“-Karte. Im weiteren zwei 10-Dollar-Coupons von Mac Donalds New York und drei französische Postkarten von den Neuen Hebriden (nicht barbusig).
Dazu kamen mehrere hölzerne Dollar aus Aserbaidschan, Kleingeld aus Aruba, Somalia und Turkmenistan, einige wertlose Aktien sowie eine ungültige Visa-Karte.
Im Jahre 2002 wurde die Universität von Lucastan gegründet. Sie bietet nach eigenen Angaben Studien in verschiedenen Disziplinen an, ohne jedoch Disziplin zu verlangen – ausser „man stehe auf so etwas“.
Angeboten werden Kurse in post-rationaler Diskurstechnik, ökologischer Ambivalenz, Feng-Shui-Mathematik, unpopuläre Kulturen, Befestigungstechnik beim Fliegenfischen sowie die Topografie von Diagrammen feministischer Nadelarbeiten.

Aus dem Buch IKEFANG UND GUTGENUG
Hanspeter Gsell, Verlag BoD





Montag, September 17, 2018

Ulithi 1 Brüllende Winde






Es gibt den Orkan, den Hurrikan, den Taifun, Blizzards, Tornados, Wind- und Wasserhosen. Je nach Weltgegend und Ausmass nennt man es anders, wenn einem ein Sturm die Haare zersaust.
Klar haben wir alle schon mal einen Sturm erlebt. Im Vergleich zu ihren tropischen Vettern war dieser wohl eher ein Sturm im Wasserglas. Wenn die äquatorialen Wettergötter mal so richtig schlecht gelaunt sind, dann ist die Hölle los! Bei Windstärken von weit über 200 km/h und Spitzen von bis zu 300 km/h fliegt buchstäblich alles davon.
Solche Super-Taifune sind keineswegs selten. Eher selten brechen sie über bewohnte Gebiete herein. Sollte es trotzdem passieren, sind die Folgen verheerend. Keine Palme steht mehr, Hütten und Häuser lösen sich in ihre Bestandteile auf und landen nach Hunderten von Kilometern irgendwo im Meer. Noch gefährlicher als der Wind an sich, sind umherfliegende Kokosnüsse und Wellblechdächer. Die Nüsse werden zu fliegenden Kanonenkugeln, die Dächer zu messerscharfen Wurfmessern, die eine Palme mühelos durchsäbeln können. Die brüllenden Winde überdecken locker den Lärm eines startenden Jumbojets.
Zum Albtraum werden die Taifune auf flachen Inseln. Das Land wird völlig überflutet und alles, was nicht fest verankert ist, verschwindet für immer im Meer.
Auf solchen Inseln hält man sich deshalb immer ein paar dicke Seile in Reserve. Hat Grossvater Hütte und Boote so gut wie möglich gesichert, bindet er zuerst seine Familie und zuletzt sich selbst an einer möglichst dicken Palme fest.
Im Anschluss helfen nur noch inniges Beten und die Hoffnung auf himmlischen Beistand. Da sich der dafür zuständige Missionar angesichts der bedrohlichen Wetterprognosen jedoch längst aus dem Staub gemacht hat, wartet Grossvater auch heute noch auf eine göttliche Eingebung.

Aus dem Buch Ikefang und Gutgenug
Hanspeter Gsell 
erschienen bei Bod
erhältlich als Paperback oder E-Book



Samstag, September 15, 2018

Ulithi 1 Nach dem Taifun

Glück gehabt! Der Taifun MANGKHUT hat im Gebiet der Föderierten Staaten von Mikronesien (FSM) kaum Schäden angerichtet. So sind auch die Inseln Yap und Ulithi mit dem Schrecken davon gekommen. Etwas böser erwischt hat es Guam, die amerikanische Insel ca. 1'000 km östlich von Yap. Hier wurden Palmen wegrasiert, die Strassen und Keller standen unter Wasser und in einigen Quartieren hatte man tagelang keinen Strom. Trump interessiert sich zur Zeit eher für "seinen persönlichen Taifun", der sprachlich ein Hurricane ist, und den Süden der USA überschwemmt. In Guam hat es kaum republikanische Wähler. 

Etwas weniger Glück hatte man im Norden der Philippinen, allerdings ist die Nachrichtenlage noch dürftig. Nun zieht MANGKHUT weiter Richtung China. Im Gegensatz zu den USA ist man dort hervorragend organisiert. Wie wir aus vertrauensvoller Quelle wissen, wurden bereits vor Tagen Flugblätter mit Verhaltensregeln verteilt. Nur gerade die Verfügbarkeit von Gummistiefeln sei etwas rückläufig. 

Good luck! 

Keine Ahnung, was diese Stiefel hier sollen. Sind nämlich nicht wasserdicht!

Mittwoch, September 12, 2018

Ullithi 1 Airport


Ein Atoll ist ein ringförmiges Riff, in der Regel ein Korallenriff, das eine Lagune umschließt. Das Wort Atoll stammt aus dem Dhivehi, der Sprache der Malediven. Das Korallenriff bildet einen Saum von häufig äußerst schmalen Inseln aus, die nach dem polynesischen Wort für „Insel“ meist als Motu bezeichnet werden. In der Lagune können sich noch Reste des ehemaligen Vulkangipfels als Inseln über den Meeresspiegel erheben. DANKE WIKIPEDIA.




Location
City:  Falalop Island, Ulithi Atoll, Yap, Micronesia (Federated States of)
Name:Ulithi Civil Airfield
IATA:ULI
FAA LID:TT02

Details
Type:Airport (Aerodrome, Airfield)
Use:Public/Civil
Latitude:10°01'12"N (10.019919)
Longitude:139°47'23"E (139.789750)
Datum:WGS 1984
Elevation:16 ft (5 m)
Variation:0.46°E (WMM2015 magnetic declination)
-0.08° annual change
Runways:1
Longest:3000 × 75 ft (914 × 23 m), paved

Montag, September 10, 2018

Ulithi 1 Nicht schon wieder ein Taifun!


Im Meer zwischen den westlichen Karolinen (Pohnpei, Kosrae, Chuuk) und den Marschall-Inseln läuft die Produktion von Taifunen wieder auf Hochtouren. Praktisch alle Stürme, die später auf das asiatische Festland treffen, werden hier "geboren". Manchmal machen sie einen Umweg über die Philippinen und drehen erst dann nordwärts.
MANGKHUT wird in den nächsten Stunden über Guam und die nördlichen Marianen ziehen. Die Einwohner wurden informiert, viele von ihnen werden die Nächte wohl in speziellen Bunkern und Unterständen verleben.
Good luck!

Freitag, September 07, 2018

Ulithi 1 Die Vorbereitungen

Noch etwas mehr als zwei Monate, dann geht es wieder los. Noch fehlen mir ein paar Inseln in meiner Sammlung. Dieses Jahr kommen wieder ein paar Neue dazu: Das Ulithi-Atoll mit seinen (bewohnten) Inseln Falalop, Asor, Mogmog, Fedraey und Mangeyangh (Lucastan).
Bereits vor Jahren habe ich diese Reise geplant. Einmal war die Fluggesellschaft gegroundet, einmal hat kurz vor unserer Ankunft (2015) der Taifun Maysak die Inseln kurz und klein geschlagen. Bei Windgeschwindigkeiten von über 250 Stundenkilometern blieben nur einzelne Grundmauern stehen, die lebenswichtigen Bäume wurde alle weggesäbelt. Tröstlich war nur, dass keine Menschen zu Schaden kamen.

Das veranschlagte Reisegeld haben wir der Bevölkerung gespendet, ein Freund auf der benachbarten Insel Yap hat uns dabei geholfen. 




Natürlich kann uns auch dieses Jahr das Wetter noch einen Strich durch die Rechnung machen. Trotzdem muss alles vorbereitet werden. Theoretisch kann man das Ulithi-Atoll von Yap her mit einem Frachtschiff erreichen. Da die Fahrpläne jedoch nie mit den tatsächlichen Abfahrtzeiten übereinstimmen, musste ich die Planung ändern. Pacific Missionary Aviation (PMA) fliegt ein- bis zweimal pro Woche von Yap nach Falalop. Wir werden tatsächlich mit den Missionaren fliegen!
Unser Freund Detlef auf der Insel Yap wird uns bei der Buchung helfen. Genauso wie bei der Suche nach einer Unterkunft, Hotels gibt's nämlich im Ulithi-Atoll keine.





Bleiben Sie mir und meinem Blog treu: Es wird mit Sicherheit noch ganz schön spannend werden!





Donnerstag, August 23, 2018

Lieber Rossi (2)

Lieber Rossi,

Weisst Du eigentlich, woher der Ausdruck "Cin-cin" stammt und durch welches Lied das Wort "Ciao" salonfähig wurde? Nein? Dann weisst Du wohl auch nicht, wer Herr Papparazzo war und weshalb ein Pappagallo ein Papagei ist, ein Papagallo jedoch nicht. ...

Dies und noch viel mehr wirst Du in meinem nächsten Buch erfahren. Wann es erscheint?
Keine Ahnung. Vielleicht im Herbst 2019. 

Salutispaghetti
Hape

Freitag, August 17, 2018

Lieber Rossi

"Weshalb gibts keine neuen Posts mehr auf deinem Blog?", fragte mich letzthin Rossi. "Ist dir der Griffel aus der Hand gefallen oder bist du in deiner Schreibstube erfroren?"

Weder noch, mein lieber Rossi. Ich schreibe beinahe täglich, auch über dich. Ob dir das gefallen wird, weiss ich noch nicht ... 

Ich kann dir schon mal sagen, dass es ein Buch voller neuer Geschichten über Italien sein wird. Dieser Hinweis muss dir genügen. Schau einfach regelmässig hier rein, dann wirst du immer der Erste sein, der den aktuellen Stand der Arbeiten erfahren wird.

Im Moment jedoch bereite ich unsere nächsten Reisen vor. Wohin, willst Du wissen? An einen Ort wo ich Dich in keinem Fall treffen kann und Du mich auch nicht mit saublöden Fragen löchern kannst.

Ciao a presto! Bis dann!
Hape

P.S. Nein, das Bild zeigt nicht mein Schiff.





Freitag, August 03, 2018

Ikefang und Gutgenug: Wie Chief Otto zu seinem Namen kam

Otto ist Paramount-Chief der Insel Ik, Inhaber eines Wasserfalls und Besitzer mehrerer alter japanischer Panzer.
Um hinter das Geheimnis seines für diese Gegend doch eher seltsamen Namens zu kommen, sollte ich vielleicht zuerst erklären, was ein Paramount-Chief denn ist. Chiefs sind Vorsitzende von Grossfamilien. So ein Clan kann sich durchaus aus einigen Hundert Menschen zusammensetzen! Als Chief ist er Standesbeamter, Aussenminister, Polizeichef, Richter, Abteilungsleiter des Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau, Verwalter der Alkohol- und Dieselreserven, Amtsarzt, Chef der Feuerwehr, Forstwart und Staatsanwalt in einer Person.
Sind nun auf einer Insel mehrere Clans angesiedelt, oder haben sich mehrere Eilande zu insularen Kooperativen zusammengeschlossen, muss der Häuptling aller Chiefs bestimmt werden. Wie auch bei der Wahl zum Chief sitzen die weisen Männer zusammen, trinken ein Gläschen und palavern unter schattigen Palmen.
So eine Wahl kann sich durchaus über mehrere Tage hinziehen. Mindestens aber, solange es noch zu essen und zu trinken gibt. Die einzelnen Kandidaten geben sich äusserst grosszügig und lassen auch mal eine Schiffsladung Budweiser andampfen, um die Wahlmänner günstig zu stimmen. Ein ganz normaler Wahlkampf also! Der Gewinner der Wahl darf sich nun Paramount-Chief nennen, er ist der neue Herr über die Völker „hinter und vor den Bergen“.
 Unser Otto ist also Paramount-Chief von Ik, einer kleinen Insel irgendwo im unendlichen Blau des Pazifischen Ozeans. Ik ist ein sogenanntes High Island, eine hohe Insel. Im Gegensatz zu den Flat Islands, den flachen Inseln, verfügt sie über einen Berg von mindestens 90 Meter Höhe. Wenngleich solche „Gebirge“ wohl nur gerade Holländer und Dänen in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen: In Zeiten der Klimaerwärmung und steigender Meeresspiegel ist es von unschätzbarem Wert, auf einer hohen Insel zu sitzen. Und nicht auf einer Sandbank, die gelegentlich im Meer verschwinden wird.
Ik ist quasi ein Hügel im Wasser, von undurchdringlichen Mangrovenwäldern umgeben, mit Palmen bewachsen und mit einem Berg von eigenartiger Gestalt. So haben sich die Amerikaner einst erdreistet, das Symbol von Ik Chickenshit-Mountain zu nennen. Ich denke nicht, dass ich diesen Ausdruck übersetzen muss. Allerdings ist der einheimische Name dieses bewaldeten Haufens auch nicht viel einfacher auszusprechen: er heisst Ifekit-raen-mongowatte-watte, was frei übersetzt in etwa „Haufen mit viel Wasser drumrum“ bedeutet.
 Auf unserm Haufen im Wasser plätschert auch ein Wasserfall. Und Inhaber dieses Wasserfalls ist, wie bereits erwähnt, Chief Otto.
Auf pazifischen Inseln gehört jeder Stein und jeder Stock einer Familie. Es gibt praktisch kein Land, das einer Gemeinde oder einem Staat gehört. So kann es durchaus sein, dass der Inselflughafen im Besitz von 35 Familien ist. Muss nun über eine Pistenverlängerung, über eine neue Anflugregelung oder ein neues Lärmschutzgesetzabgestimmt werden, ist dies immer sehr lustig. Die Auseinandersetzungen können locker auch mehrere Generationen beschäftigen! Landbesitz und Zeit – sehr viel Zeit – sind die einzig wahren Besitztümer dieser Menschen. 

Zurück zum Wasserfall: Da sämtliche Touristen, es werden hier wohl um die 5’000 pro Jahr eingeflogen, den schönsten, grössten und most beautiful Wasserfall des ganzen Pazifiks besuchen wollen, kommt ein schöner Batzen zusammen. Denn – wer den Wasserfall von Ik bestaunen möchte, bezahlt zwei US-Dollar, Kinder die Hälfte, Einheimische haben freien Zutritt. Das Kassieren obliegt traditionsgemäss dem ältesten Sohn der Familie.
Weitere Einnahmequellen sind drei alte japanische Panzer. Da sowohl die Japaner als auch die Amerikaner ihren alten Gerümpel nach Kriegsende einfach stehen und liegen liessen, mussten die militärischen Hinterlassenschaften irgendwie versilbert werden. Otto hat sie neu gestrichen und vor die Kirche stellen lassen. Einmal fotografieren kostet einen Dollar. Keine Antwort erhält man auf die Frage, weshalb der eine Panzer rosarot und der andere hellblau bemalt wurde. Was aber weiter auch nicht stört. Denn immerhin sehen sie in diesen Farben eindeutig weniger bedrohlich aus.

B
evor ich die Familienchronik weiter erzähle, möchten Sie vielleicht noch wissen, wieso ein Insulaner eigentlich den Familiennamen Otto trägt. Sicher werden Sie es ahnen: Es sind die letzten Erinnerungen an die deutschen Südseekolonien.
Nachdem Deutschland 1899 diese Kolonien günstig von den Spaniern erwerben konnte, tat man zuerst das, was man am besten konnte: Man reorganisierte die Inseln ruckzuck-zackzack. Und da die Einheimischen bis dahin keinerlei Nachnamen hatten, wurde ihnen als Erstes ein christlich-germanischer Familienname verpasst. Auch wenn es keine schriftlichen Unterlagen über das System der Namensgebung gibt, kann ich mir die ganze Chose folgendermassen vorstellen.
Eines schönen Morgens, noch waren die Palmen von sanftem Tau überzogen, blies der kaiserliche Trompeter zum Antrittsverlesen. Es wurde der Grösse nach in Einerreihe eingestanden. An einem kleinen zusammenlegbaren Tischchen sass der Amtsschreiber und tat seine Pflicht. Zu seiner Linken stand ein Edler Wilder und wedelte anmutig mit einem Palmblatt. Zu seiner Rechten hielt Schütze Schmitz den Vorderlader im Anschlag.
Da man den Einheimischen keine allzu komplizierten Namen zutraute, einigte man sich auf eine Auswahl einfacher, möglichst einsilbiger und einprägsamer Namen. Zur Auswahl standen beispielsweise Otto, Fritz und Franz. Je nach Körpergrosse und Aussehen wurden diese Namen ehrlich und redlich unter den Anwesenden verteilt.
Und so kam es, dass unser Chief vom kaiserlichen Amtsschreiber zum Otto geschlagen wurde. Aus Solidarität zu Schütze Schmitz bat er gleich auch noch um einen neuen Vornamen. Er wurde erhört und auf den schönen Namen Fritz getauft.