Dienstag, März 26, 2019

Tag 3 Amanu

Auf dem Weg nach Pitcairn
Insel Amanu / Tuamotu-Atoll

Die Aranui treibt vor der Insel Amanu, erste Häuser des Hauptortes Hikitake sind zu sehen. Auf den Wellen vor dem Pass, der Eingangspassage zur Lagune, surft die Dorfjugend. Der Empfang durch den Bürgermeister des Dorfes, er ist gerademal 24 Jahre alt, ist herzlich, beinahe überschwänglich. Man hat sich auf unsern Besuch vorbereitet, rund um die Kirche wurde ein Markt aufgebaut, Kunsthandwerk wird angeboten. Die Kinder tanzen und spielen: die Fotoapparate klicken ununterbrochen. Hätte man fünf Cents pro Aufnahme verlangt, das Dorf wäre reich geworden. Aber vielleicht wäre auch mit jedem Klick ein wenig Farbe von der Insel gewichen, ein Gedanke, der traurig stimmt. Südsee ohne Farben? Das wäre dann Nordsee, einfach ein wenig wärmer.

Ein alter Leuchtturm, eher eine Plattform für ein Feuer, steht noch immer in der Nähe des Passes, dem Eingangstor zur Lagune. Unklar ist, ob ein Feuer andere Schiffe sicher durch die Tuamotus leiten sollte, den Eingang zum Pass weisen, oder aber unwillkommene Gäste abhalten sollte. Auf Grund der Lage des Feuerturms befürchte ich eher letzteres.
 
Uralte Dou-Bäume flankieren unsern Weg von der Anlegestelle zur Dorfkirche. Sie wurden über die Jahrhunderte von Eroberern und Semmännern auf die Inseln gebracht. Ihr hartes Holz eignet sich perfekt für den Schiffbau. Sie sollen über 300 Jahre alt sein! Könnten sie doch sprechen! Sie haben die ganzen Eroberer gesehen, aber auch blutige Kriege, Stürme und Tsunamis überlebt. Als es noch keine Schutzbunker gab, haben sich die Einwohner bei Taifunen übrigens mir Stricken an Dou’s und anderen Bäumen festgemacht. Die Mutigsten stiegen auf hohe Palmen und konnten so auch Tsunamis überstehen. So erzählt es der Reiseführer. Ich habe ihm, obwohl wir es ausnahmsweise besser wissen, nicht widersprochen.

Te-motu-tuta-tau, der Dorflehrer erzählt uns die Geschichte der Krabbe Kaveku.
Kaveku ist eine Kokosnuss-Krabbe, ein sogenannter Palmdieb. Er steigt nachts auf Kokospalmen und zwickt mit seinen gewaltigen Scheren die schönsten Nüsse vom Baum. Anschliessend steigt er wieder von der Palme runter und macht sich genüsslich über seine Leibspeise her.

Dummerweise ist die Krabbe ihrerseits die Leibspeise von Toto. Toto wohnt hinter dem Schulhaus und fängt regemässig Kokoskrabben. Da diese die Angewohnheit haben, etwas streng zu riechen, werden sie für einige Tage in einem Verschlag eingesperrt und dort mit Kopra, dem getrockneten Fleisch der Kokosnüsse gefüttert. Das Fleisch der Krabbe ist eine Delikatesse und eine willkommene Abwechslung im eintönigen Speiseplan der Insulaner.

Als nun Toto erfuhr, dass heute eine Ladung Touristen die Insel «überfallen» würde, bekam er es mit der Angst zu tun. Womöglich würde man ihm Kaveku klauen! Fremde Leute würden seine Krabbe mitnehmen, betatschen oder sonst was mit ihr anstellen. Das konnte er nicht zulassen. Noch bevor der Pfarrer zur Frühmesse bimmelte, hatte er Kaveku bereits mit Haut und Scheren aufgegessen.

Mit Kaveku’s ist ganz und gar nicht zu spassen. Mit seinen Scheren kneift er jeden Finger ab, Holzwände sind für ihn kein Hindernis. Wer einen Kaveku in seinen Schlafzimmerschrank sperrt, wird nicht schlafen können. Sein Trommeln wird man auch noch im Nachbarhaus hören.

 

 

 

 

 

 

Montag, März 25, 2019

Tag 2 Anaa

MS Aranui to Pitcairn
Tag 2  Insel Anaa / Tuamotu-Atoll

Anaa war in alten Zeiten ein gefürchtetes Räubernest. Nach einer Fahrt durch die Tuamotus, wegen ihrer vielen Untiefen und unbefahrbaren Riffpassagen auch «die gefährlichen Inseln» genannt, kein gemütlicher Ort. Sollten die Menschen gerade wieder unter Hunger gelitten haben, verspeisten sie kurzerhand einen Besucher.

Im 19. Jahrhundert waren es amerikanische Mormonen, später französische Katholiken, die den Bewohnern die seltsamen Tischsitten ausgetrieben haben. Als sie dies mehr oder weniger erfolgreich erledigt und den - nur scheinbar gottlosen – Ureinwohnern den Weg zur Erleuchtung gewiesen hatten, kam es zwischen den rivalisierenden Missionaren zu schweren Ausschreitungen. Sie prügelten sich derart, dass die französische Armee eingreifen musste
 
Hätten Sie nicht gedacht, gell!

Wer heute in Anaa ankommt, findet einen friedlichen Ort mit freundlichen Menschen. Die Dorflehrerin führt uns über das Inselchen, und präsentiert, zusammen mit einer Schar Kinder ihr kleines Naturschutzprojekt. Jedes Jahr wird ein Fisch zum «Tier des Jahres» bestimmt. Während dieser Zeit dürfen diese in einem definierten Gebiet nicht gefangen werden.

Der Wasseraustausch zwischen der Lagune – quasi dem Meer innerhalb des Riffs – und dem Meer wird normalerweise durch Kanäle, auch Pässe genannt, sichergestellt. Einige sind tief genug, um auch grossen Schiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Auf Anaa jedoch findet man keine Pässe, sondern sogenannte «Hoa’s». Sie gleichen eher Bächen oder kleinen Flüssen, die bei Flut das Wasser durchlassen, bei Ebbe jedoch wieder abtrocknen. Diese kleinen Wasserläufe sollen sich gut für eine ganz besondere «Sportart» eignen: das Fliegenfischen. Da ich keine Ahnung habe, welche Fliegen mit welchen Fischen oder umgekehrt gefangen werden sollen, verlasse ich dieses Thema sofort wieder. Ausser ein paar Fliegen auf meinem Sandwich habe ich keine der erwähnten Protagonisten auf der Insel Anaa gesehen.

Die Insel Anaa wurde gestern das erste Mal in der Geschichte von einem Passagierschiff angefahren. Vor zwei Monaten konnte der geplante Besuch nicht stattfinden: Der Bürgermeister der Insel meinte, man sei noch nicht bereit gewesen, Besucher zu empfangen. Besuche solcher Inseln, sind auch für Passagierschiffe nicht ganz einfach. Was sollte man den Gästen zeigen? Was zeichnet die einzelnen Inseln besonders aus?

So hatte ein Bürgermeister der Reederei gemeldet, dass man auf seiner Insel den Besuchern ein verlassenes, geheimnisumwittertes Dorf zeigen würde. Das hat man dann auch getan: Das «Dorf» bestand aus einer einzigen, windschiefen Hütte. Wo denn das Dorf sei, fragte der Mann der Reederei. «Keine Ahnung!», meinte der Bürgermeister. Aber irgendwas muss man den Gästen doch zeigen können und beendete seine Rede mit Erzählungen aus alten Zeiten.

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Tag 1 Papeete - Anaa

MS Aranui to Pitcairn
Tag 1 Papeete to Anaa / Tuamotu-Atoll

Endlich sind wir an Bord unseres Dampfers angekommen. Natürlich ist der Dampfer kein alter, rauchender «Steamer», sondern ein modernes Schiff, eine Mischung zwischen Frachter und Passagierschiff. Gebaut wurde die Aranaui 5 in China, nach Plänen der Eigner-Familie Wong aus Tahiti. Mit Romina Wong, eine der Verantwortlichen der Reederei, haben wir gestern zusammengesessen. Wir haben sie bereits auf unserer ersten Reise, mit der Aranui 3 auf dem Trip zu den Marquesas-Inseln kennengelernt. Eine Aranui 4 gabs übrigens nie. In der chinesischen Zahlenmystik bringt die Zahl «Vier» Unglück.
Am Tisch sass auch ihr Cousin Miko (Maiko), der Verantwortliche für den amerikanischen Markt. Nach dem Abendessen langte die Mannschaft tüchtig in die Saiten. Ukulelen, Gitarren und achtstimmiger Gesang: viel brauchte es nicht, um die Stimmung anzuheizen – die Lufttemperatur lag bereits bei über 30 Grad.

Die Gäste an Bord stammen aus der ganzen Welt. Mehrheitlich wird englisch und französisch gesprochen, die Gruppe der Deutschsprechenden ist klein. Gottseidank. Ich bin ja nicht nach Polynesien gefahren, um mit Schweizern über Rösti, Raffeln und Schmelzkäse zu parlieren. Von diesen Menschen werde ich später berichten.

Gestern haben wir pünktlich in Papeete abgelegt. Nach knapp 400 km erreichen wir am Morgen des 22. März die Insel Anaa. Sie zählt zum Tuamotu-Atoll. Moorea und Tahiti gehören zur Gruppe der Gesellschaftsinseln. Auf unserm Weg nach Pitcairn werden wir auch die Gambier- und die Austral-Inseln besuchen. Sollten Sie eben mit Ihrem SUV unterwegs sein: Hier die Koordinaten für Anaa: 17 Grad Süd, 147 Grad Ost.

Das Schiff treibt vor Tukuhora, dem Hauptort der Insel Anaa. Man zählt zurzeit gerademal 480 Einwohner, früher sollen es einige Tausend gewesen sein. «Früher», das bedeutet hier: vor 1983.
Der Pazifik wurde schon immer von Zyklonen heimgesucht. Das Jahr 1983 aber wurde zur Katastrophe für die schutzlosen, kleinen Inselwelten Polynesiens. Ganze Eilande sind im Meer verschwunden, wurden weggeschwemmt von gewaltigen Fluten, weggeblasen von ungeheuren Windmassen. Auch die Insel Anaa war wochenlang von der Aussenwelt abgeschnitten. Das Dorf Tukuhora hatte aufgehört zu existieren. Das einzige Haus, das den Zyklon Orama einigermassen unbeschadet überstanden hat - und den Menschen während langer Zeit als «Dach über dem Kopf diente» - war die katholische St.Joseph-Kirche. Somit muss ich meine Meinung zur Kirche revidieren: Es gab tatsächlich Fälle, bei denen sie «Menschen gerettet» hat ...

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Sonntag, März 24, 2019

Morgen wird wieder gebloggt

Ich hoffe auf die Technik des Schiffes und einen vorbei fliegenden Satelliten. Die Texte sind gschrieben ...

Dienstag, März 19, 2019

Pitcairn Papeete

Auf dem Weg nach Pitcairn: Papeete, Tahiti
Der Tag erwacht

Durch die Zeitverschiebungen ist mein Rhythmus etwas durcheinandergeraten, die aufgehende Sonne lädt zu einem kleinen Bummel ein. Auf der Suche nach einem bereits geöffneten Café spaziere ich durch die erwachende Stadt. Noch sind die Trottoirs hochgeklappt, die Läden verrammelt. Am Hafen legt die erste Fähre ab, ein luxuriöser Viermaster wartet auf Kreuzfahrtgäste. Der Weg entlang der Docks ist sauber gepflegt, die ersten Schüler eilen gemächlich (Christian Morgenstern lässt grüssen!) durch die Parks. Der kleine Kiosk an der Rue Pomare hat geöffnet: Café au lait, Viennoiserie, Croissants, Baguettes. Dazu eine Gitane bleu.

Ein Taxi bringt uns gegen Mittag zum Fährhafen. Natürlich hätte man nach Moorea auch fliegen können. Doch, nachdem 1995, einige Wochen nach unserm Flug von Papeete nach Moorea, das Flugzeug in die Meerenge geplumpst ist, hält sich unser Vertrauen in Grenzen. Sie meinen, man hätte sich ja die Rettungswesten überziehen können? Nein, in einer Tiefe von 1'500 Metern lassen sich die Dinger nicht überziehen.

Die Fahrt mit der Fähre jedoch war erholsam, trocken und unterhaltsam. Auf dem Mitteldeck übte ein Gruppe Schüler einen Tanz ein. Nein, keinen Scheiss-Rap, sondern einen einheimischen Tanz. Ein paar Geschäftsleute blätterten in ihren Akten, Touristen fotografierten sich gegenseitig, Reisende beobachteten das Ganze. In der Ferne sieht man die markanten Konturen der Insel Moorea.

Die Zahlen: 133 km2, 17'000 Einwohner, Höchster Berg 1'600 Meter, Ringstrasse 62 km. Erste Sichtung durch Samuel Wallis 1767. James Cook ankert 1777 das erste Mal vor Moorea. Allerdings nicht in der heutigen Cooks Bay sondern in der daneben liegenden Opunohu-Bay. So what? Geschichtsschreibung war noch nie eine exakte Wissenschaft.

 

 

 

 

 

 

 

 

Pitcairn Auckland

Auf dem Weg nach Pitcairn
Auckland, Neuseeland

Wir haben die speienden Drachen der Lufthansa überlebt, die fliegenden Hexen von American Airlines ebenfalls. Mit einem Lied auf den Lippen passieren wir die Kontrollen am Airport von Auckland:

«Komm' sei kein Spielverderber, das Leben ist nicht lang,was nützt der schönste Ärger, es geht nichts über den Gesang.»




Lange haben wir uns auf das Wiedersehen mit «unseren Neuseeländern» gefreut. Wir waren Schulfreunde, hatten zusammen eine Band gegründet und so manches Waldfest, so manche «Hundsverlochete», bespielt. Wir haben die wilden 68-er aus der Ferne betrachtet, der «Freie Blick aufs Mittelmeer» blieb uns verwehrt.

«Weisst Du noch?», ist die an diesem lauen Abend wohl am meisten gestellte Frage. «Na klar!», die am meisten gehörte Antwort. Der Inhalt der Gespräche aber bleibt unter Verschluss, er gehört nicht auf diesen Blog.

«Verscheuche deine Sorgen und lass' uns fröhlich sein,
was kümmert uns das Morgen, d'rum stimmt mit mir jetzt ein»:

«Heute blau und morgen blau, und übermorgen wieder!», lautet der Refrain dieses alten deutschen Trinkliedes. Das «Blau» bekommt jedoch in Polynesien eine völlig andere Bedeutung. Wissen Sie, wie viele Blautöne es gibt? Harald Schendera hat auf seinem Blog «Mitternachtsblau» deren 272 aufgelistet. Während ich an diesem Text werkle, fällt mein Blick auf die Lagune von Moorea und ich bin sicher, dass es noch wesentlich mehr Blautöne gibt.

Papeete, Tahiti

Mit Air Tahiti Nui sind wir von Auckland nach Tahiti geflogen. Und Sie werden es kaum glauben: Man kann auch mit einem Lächeln fliegen. Ausgezeichneter Service, nette Mitarbeiter, bravo Air Tahiti Nui!

Die Ankunft am Flughafen von Papeete war so grossartig wie bereits vor vielen Jahren: Man wird mit Musik empfangen! Natürlich nicht mit Scheiss-Rap sondern mit Ukulele, Gitarre und polynesischen Liedern. Können Sie sich vorstellen, dass Sie in Zürich mitten in der Nacht von einem Jodelchörli erwartet werden? Wohl eher nicht!

Auf den gebuchten Transfer zum Hotel warteten wir vergebens. Kein Problem, eine ältere Dame chauffierte uns in ihrem Taxi dorthin.
 

 

Montag, März 18, 2019

Pitcairn Catch me (3)

Catch me if, You can! (3)
Vorsicht – Trump an Bord!

Vor dem Start hören die Passagiere die üblichen Ermahnungen. Man soll sich IMMER anschnallen, weder in der Maschine «spazieren» noch sich vor den Toiletten aufhalten. Hierbei handle es sich um eine strikte Anweisung von American Airlines.
Als ich während des Fluges nach einem Glas Wasser verlange, werde ich zurechtgewiesen: Ich soll mir das Zeugs doch bitteschön selber in der Bordküche holen. Die Logik bleibt auf der Strecke, die Worte bleiben im Hals stecken.

Nichts mit Logik hat das ungepflegte Äussere der Flugbegleiterin zu tun. Die Uniformen scheinen noch aus der Gründungszeit von American Airlines (1930) zu stammen. Das fliegende Personal ist zwar etwas jünger, aber auch schon wieder alt. Nein. Ich habe nichts gegen Senioren. Ich habe nur etwas gegen ungepflegte, unfrisierte und unfreundliche Seniorinnen. Irgendwer sollte sich dafür schämen! Aber, wer weiss, vielleicht handelt es sich bei den fettigen Frisuren um einen stillen Protest gegen Trump?

 
 
Zu den «Vorzügen» des modernsten Flugzeuges der Welt gehören, neben technischen Entwicklungen, die Verbesserung der "Passagierfreundlichkeit".*

«Die Fenster sind größer als in jedem anderen Flugzeug dieser Klasse und lassen sich individuell elektronisch abdunkeln.» Ob sie grösser sind, ist nicht zu erkennen. Abdunkeln lassen sie sich nur, wenn der fliegende Oberdrache dies auch will.

Von der «neuen Kabinenbeleuchtung» ist nichts zu sehen, vermutlich hat man sich die bei American Airlines weggespart. Die Leselampen sind falsch platziert. Wenn ich sie einschalte, wird mein Hinterkopf beleuchtet. Und der braucht nun wirklich keine Erleuchtung.

*Man wirft mir immer wieder vor, Worte zu «erfinden». Dieses Wort wurde jedoch nicht von mir, sondern von der Marketingabteilung des Flugzeugherstellers erfunden.
 
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Nächster Halt: Moorea.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sonntag, März 17, 2019

Pitcairn Catch me (2)

Catch me, if You can! (2)
Vorsicht – Alte Tanten*

Fake - Fake - Fake
Flughafen Los Angeles, Terminal der American Airlines. Der Glanz der alten Tage ist längst verflogen. Die Piloten laufen in zerknitterten Uniformen durch die einst heiligen Abflughallen. Die Jacketts können nur noch mit Mühe Bierbäuche verdecken, die Knöpfe sind zur unnützen Zierde verkommen. Schlecht rasiert und kaum frisiert suchen sie mehr oder weniger schlaftrunken die Gates.

 
 
 
Das Check-in geht zügig voran, das Warten auf das Boarding eher nicht. Die Läden und Bars scheinen alle noch aus den 50er-Jahren zu stammen, die Wartezonen würden allenfalls die Passagiere einer alten DC-3 aufnehmen. Dreihundert Reisende auf dem Weg nach Auckland finden hingegen keinen Platz. So sitzen dann auch Familien in dunklen Ecken, lümmelnde Teenager fläzen auf halb zerrissenen Sitzreihen. Die Lautsprecher scheinen nicht zu funktionieren, die Ansage ist kaum verständlich.

Die Abläufe haben sich wieder einmal geändert, Bordkanten müssen beim Einstieg nicht mehr vorgezeigt werden. Jeder Passagier wird fotografiert, das Bild von einem Computer mit irgendwelchen Datenbanken abgeglichen. Schöne neue Welt: Alles geht noch einmal langsamer als früher.

Beim Einsteigen in die Maschine frage ich eine Flugbegleiterin nach meinem Sitzplatz. Sie zuckt zuerst zusammen und dann mit der Schulter: «Vielleicht hier, oder da, oder dort!» Man muss sich das schon einmal plastisch vorstellen: Diese Tanten kennen nicht einmal die Position der Sitze!

Wir sitzen im neusten Jet von Boeing, dem «Dreamliner» B 787. Er soll besonders ruhig sein - ist er schon mal nicht. Zu den anderen «Vorzügen» komme ich später noch.

kein Fake
 


* Bei den Alten Tanten, Basler Dialekt «Alti Dante» handelt es sich um eine Karikatur einer vornehmen älteren Dame der Oberschicht Basels gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

 

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Samstag, März 16, 2019

Pitcairn Catch me (1)


Catch me, if You can! (1)
Vorsicht – Führerin an Bord

Diesen alten Film habe ich mir während des Fluges von Frankfurt nach Los Angeles angeschaut. Leonardo DiCaprio als Check-Betrüger, Fake-Pilot und Rosstäuscher – welch’ herrlich alte Komödie. Eigentlich wollte ich mir «Bohemian Rapsody», den Film über Freddie
Mercury, den charismatischen Sänger von «Queen», ansehen. Die von Lufthansa versprochenen, Geräusch absorbierenden «Spezialkopfhörer der Sonderklasse», waren jedoch nicht an Bord. Die «Kopfhörer», zwei kleine, an Kabeln montiere Ohrstöpsel, konnten nicht ordnungsgemäss in Betrieb genommen werden. Da nur ein Stecker vorhanden war, war alles nur auf einem Ohr zu hören. Zur Qualität dieses «Sounds» äussere ich mich nicht, die Gehörgänge schmerzen immer noch.

 
 
Auch Lufthansa blufft sich offensichtlich kostenreduziert durch schwierige Zeiten. Schon wieder, auf Kosten kuhäugiger Passagiere, eine müde Mark eingespart. Das gibt 100 Punkte Abzug! Für die zweistündige Verspätung bringen wir halbwegs Verständnis auf. Die Sperrung des indisch-pakistanischen Flugraumes war allerdings schon seit einiger Zeit Tatsache. Aber die zuständigen Flugplaner haben sich wohl lieber in ihren Business-Liegen ausgeruht.
Die grössten Abzüge aber gibt es für die übellaunige «Führerin», die Purserin, an Bord. Ob sie sich beim Rasieren geschnitten hat? Solche Rebhühner* sollte man zwei Jahre zu Singapore Airlines abkommandieren! Dort würde man sie Mores lehren!1'000 Punkte Abzug!

Nicht, dass all’ die Abzüge, es werden wohl gegen 80'000 Minuspunkte zusammengekommen sein, für eine Reklamation gereicht hätten. Nein, wo denken Sie denn hin! Kraniche, die Wappentiere der Deutschen Lufthansa, verhalten sich genauso wie sie ausschauen: Dumm und dämlich. Ausser krächzen tun die nix. Goarnix!

 

* Das Rebhuhn ist eine Vogelart aus der Ordnung der Hühnervögel. Aus der Ferne wirken Rebhühner eintönig grau, was zu ihrer Tarnung beiträgt. Aus der Nähe ist der rötliche Kopf, der mit der grauen Färbung des Halses kontrastiert, gut erkennbar. Bei aufgerichteten Vögeln ist der dunkle hufeisenförmige Fleck auf dem vorderen Teil des Bauches gut sichtbar (Wikipedia).

Montag, März 11, 2019

Heute frei ...

No news are good news ... Auf unserem Weg nach Pitcairn legen wir in Auckland eine Pause ein. Aktuelle Infos gibts trotzdem.

WhatsApp 079 674 06 65 ..

Samstag, März 09, 2019

Auf dem Weg nach Pitcairn (8)

Diskriminierung!

Seit mehr als 25 Jahren darf über den Wolken nicht mehr geraucht werden. Ausser auf exotischen Streckenabschnitten im wilden Osten, in Afrika oder in Asien. (Selbstverständlich dürfen Sie auch in Ihrem Privatjet eine Cohiba qualmen.)


Obwohl ich selber Raucher bin, habe ich mit dem Rauchverbot kein Problem.

Weshalb aber befinden sich in Flugzeugen Aschenbecher in den Armlehnen? Weil Sie in einer ganz besonders alten Kiste sitzen!
(Unterschiedlich verhält es sich mit Aschenbechern in den Waschräumen. Eine Maschine, die nicht über Aschenbecher in den Bordtoiletten verfügt, gilt von Gesetzes wegen als nicht flugtüchtig und darf nicht abheben.)
Wie erwähnt, bin ich selber Raucher und habe trotzdem kein Problem mit Nichtraucherflügen. Nach der Landung allerdings will ich mir gerne und gemütlich einen Zigarillo anzünden; nach einem 14-Stundenflug ein ganz besonderer Genuss!

Diesen Genuss muss man sich meistens hart verdienen. Folgt man den Signalisationen, so steht öfters ein kilometerlanger Leidensweg bevor. Schamhaft bauten die Planer diese «Lounges» irgendwo am äussersten Ende eines Terminals. Der Ausdruck «Smokers Lounge» ist übrigens eine höchst eigenwillige und euphemistische Übersetzung des Wortes «Rauchkammer». Genau so nennt man den vordersten Teil des Kessels einer Dampflokomotive, über dem sich der Schornstein befindet.

Es gibt auch Raucher-unfreundliche und somit diskriminierende Hotels: Ich werde Sie zukünftig beim Namen nennen.
Und es gibt Raucher-unfreundliche und somit diskriminierende Transport-Unternehmen: Dazu gehören die Deutsche Bahn (DB) sowie die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) ... damit sind die Bahnhöfe gemeint ...
Ein Fall für die Fumeurs sans Frontières!
 
 
 


Mittwoch, März 06, 2019

Auf dem Weg nach Pitcairn (7): Der Kranich

Morgen geht's los nach Pitcairn. Unser erster Flug führt uns von Basel nach Frankfurt. Zu meiner ersten Begegnung mit diesem Flughafen erschien vor vielen Jahren diese Kolumne:
 
 
Gunhilde heisst Kranich und sieht auch so aus. Wofür sie natürlich nichts kann. Frau Kranich, mit dem durchaus passenden Vornamen Gunhilde, herrscht über einen Schalter im Transitraum des Flughafens von Frankfurt und nimmt diese Aufgabe wörtlich: Sie herrscht.
Eines unschönen Tages nun herrschte der oder die Kranich gleich über zwei Schalter: Economy und Business. Natürlich sass Kranich Business. Da weit und breit niemand zu sehen war, hatte sie sich ihren Horst gemütlich eingerichtet. Links die angebissenen Müsliriegel, rechts die Accessoires für die kleine Schönheit zwischendurch und vor ihr die abgeblätterten Boulevard-Postillen.

Etwas unschlüssig stand ich vor Gunhildes Horst: Ausser ihr und mir war niemand zu sehen. Da ich Economy gebucht hatte, steuerte ich folgerichtig auf den entsprechenden Schalter links zu.

Als ich bemerkte, dass der Kranich im rechten Business-Schalter-Horst sass, wechselte ich gekonnt die Spur. Dieser Verstoss gegen die Flughafenverkehrsvorschriften hatte unüberhörbare Folgen. Der eben noch untätige und scheinbar schwerfällige Kranich plusterte sich in Sekundenschnelle auf, spreizte seine Flügel und stiess einen spitzen Schrei aus: “Könnsenichlesen-hierisbisness!”.
Bevor mich der Kranich mit seinen rot lackierten Klauen ernsthaft verletzen konnte, wechselte ich wieder die Spur und stellte mich ordnungsgemäss vor den leeren Economy-Schalter. Worauf sich Gunhilde Kranich umgehend beruhigte und sich wieder ihrer verblichenen Schönheit widmete. Da ich sowieso nichts anderes vorhatte an diesem Abend, gab ich ihr einige Ratschläge, empfahl ihr eine neue Gesichtspflegelinie und schenkte ihr meinen neuen Nagelclip. So entwickelte sich über die Zeit eine schon beinahe freundschaftliche Beziehung und schon wenige Stunden später -  und ohne, dass der Business-Kranich zwischenzeitlich belästigt worden wäre - entschloss er sich, sich meiner zu erbarmen. Unendlich langsam holte er ein Schild aus seiner Handtasche, stellte es vor sich hin und krächzte “Economy!”



 

Dienstag, März 05, 2019

Auf dem Weg nach Pitcairn (6): Der Pass

Auszug aus dem Buch IMMER WIEDER FERNWEH


Pass

Das wohl wichtigste aller Dokumente, wenn Sie unterwegs sind. Ohne Pass sind Sie nichts, Sie existieren nicht. Also schauen sie frühzeitig nach, ob Sie im Besitz eines gültigen Passes sind.

Als Faustregel gilt: Er muss bei der Einreise noch mindestens 6 Monate gültig sein. Woher Sie auch stammen mögen, Ihr Pass muss maschinenlesbar sein und über einen Chip mit den biometrischen Daten verfügen.

Führt Sie der Weg in islamische Staaten, muss der Pass frei von israelischen Visa sein. Nordkoreanische Stempel mit dem Abbild des zündelnden Atomkaspers werden Sie bei der nächsten Reise in die USA in gröbere Schwierigkeiten bringen. In diesem Fall müssen Sie wohl oder übel einen neuen Pass bestellen.

Ein Tipp, der Sie vor gewaltigen Problemen schützen wird: Lassen Sie den Pass zwischen dem 13. und dem Ende eines Monats ausstellen. Denn, das Datumsformat wird nicht überall auf der Welt identisch gehandhabt.

Ist Ihr Pass also bis zum 05.10.2017 gültig, wird Ihnen ein amerikanischer Grenzbeamter im April 2017 die Einreise in die USA verweigern, weil nach seiner Meinung der Pass am 10.05.2017 abläuft. Ist Ihr Pass hingegen bis zum 13.10.2017 gültig, kann der gute Mann das Ding drehen wie er will: Es gibt zwar 13 Monatslöhne aber keinen 13. Monat.

Wurden Sie von Ihren Eltern aufgrund hochwohl-löblicher Herkunft gleich auf mehrere Vornamen getauft, dann müssen diese auch alle brav im Pass vermerkt sein. Sie können sich gelegentlich bei Mama und Papa bedanken. Denn alle Dokumente, die mit einer Flugreise zu tun haben (Tickets, Boardingkarten etc.) müssen hundertprozentig mit dem Namen – und sämtlichen Vornamen – im Pass übereinstimmen.

Montag, März 04, 2019

Fernweh Luftlöcher

Luftlöcher

Wir sitzen in Auckland und warten auf unseren Flug nach Tahiti. Nur noch wenige Tage und das Abenteuer Pitcairn beginnt. Während wir warten, lese ich einen Text aus meinem Buch IMMER WIEDER FERNWEH:

Bei Wikipedia habe ich diesen sprachlich umwerfenden Text gefunden:

«Ein Luftloch ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die kurzfristige Höhenänderung eines Luftfahrzeugs beim Durchfliegen von Fallböen, Thermik oder Leewellen, verursacht durch Schwerewellen oder deren Rotoren.

Das Luftloch hat also nichts mit abfallendem Luftdruck oder mit dem kurzzeitigen Durchfliegen eines Vakuums zu tun. Die Passagiere eines Luftfahrzeugs spüren eine Veränderung der Kraft, mit der sie aus dem Sitz des


Luftfahrzeugs gehoben oder in den Sitz gedrückt werden.»

Sie sehen also, Luftlöcher existieren höchstens in Ihrer Fantasie. Geht es während des Fluges rauf und runter wie in einem Lift, dann können Sie zukünftig wissend vor sich hinlächeln und den Sitznachbarn mit folgendem Sermon beruhigen:

 «Ha! Haben sie es auch gespürt? Diese verfluchten Schwerewellen mit den blöden Rotoren!»


Fernweh, Lufthansa und Nackenstützen

Lufthansa LH456 Frankfurt-Los Angeles mit Airbus 380-800. Ein Flug in dieser fliegenden Mehrzweckhalle ist immer wieder ein Erlebnis. Die Verspätung hatten wir den Pakistanis und den Indern zu verdanken. Unsere Maschine kam aus Bangkok und musste wegen diesen Bombenwerfern einen Umweg fliegen. 
Eigentlich wäre Lufthansa eine perfekte Fluggesellschaft. Wenn es denn den Deutschen endlich gelingen würde, diesen norddeutschen, gequälten "Charme" abzulegen und den Damen wieder einmal etwas Gastfreundschaft beizubringen.

Und jetzt noch was zur Erheiterung:

Nackenstützen
Eine ganz vortreffliche Erfindung! Die aufblasbaren Nackenstützen verhindern, dass Ihnen unterwegs der Kopf abfällt. Auch die ekelhaften Nackenschmerzen lassen sich damit weitgehend verhindern.
Einige Modelle lassen sich leider nur mit Mühe aufblasen. Kaufen Sie trotzdem nie eine Nackenbstütze aus Hartschaum. Es sieht einfach unglaublich lächerlich aus, wenn Sie damit durch die Gänge irren. Besonders die Ausführungen Hello-Kitty, Shaun das Schaf und Sam der Feuerwehrmann könnten gelangweilte Polizisten auf Sie aufmerksam machen.

Verzichten Sie auf Swarovski-Modelle, die piksen im Nacken. Und auch dies noch: Blasen Sie die Dinger vor dem Start nicht ganz auf. Aufgrund der Druckänderung in der Kabine wird Kitty Sie nämlich erdrosseln.



Nasensalbe

Die Luft in der Kabine ist extrem trocken. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt kaum mehr als 10%, normal wären es 35 bis 45%. Ihre Nasenschleimhäute werden sich in kürzester Zeit wie in der Wüste Gobi fühlen. Dies gilt für ALLE Körperteile.

Deshalb: Befeuchtende Nasensalbe einpacken! Bitte kleine Tuben einpacken. Sonst wird Ihnen der böse Mann diese bei der Sicherheitskontrolle gleich wieder abnehmen.

 

Der Inselsammler: Auf dem Weg nach Pitcairn (5)

(Fortsetzung)

Was aber geschah mit den Meuterern? Zuerst segelten sie dorthin zurück wo sie herkamen: nach Tahiti. Hier lud man frische Verpflegung sowie Eingeborene zu: Männer zum Arbeiten, Frauen für die zukünftige Familienplanung. Man war auf der Suche nach einem Versteck, nach einer neuen Heimat. Zurück nach England konnte man nicht. Die Meuterer wären dort zum Tode verurteilt und am nächsten Galgen gehängt worden.
Man fuhr kreuz und quer durch den Pazifik, riskierte hier und da einen Blick.
Etwas verzweifelt kramte der Captain der Meuterer ( Fletcher Christian oder Marlon Brando?) in der Schiffsbibliothek nach geistiger Nahrung und stiess dabei auf das Buch von Hawkesworth mit der Beschreibung von Pitcairn. Volltreffer!
Man änderte sofort den Kurs und bereits im Januar 1790 ankerte man vor der Insel. Man stieg aus, der Captain zählte den Haufen durch: 9 Meuterer, 6 polynesische Männer und 12 Frauen waren ausgestiegen.
In seiner folgenden Rede befahl er die Gründung eines neuen Staatswesens, schickte alle zur Arbeit und zündete die Bounty an. So wäre man, verkündete er abends, vor einer Sichtung durch vorbeifahrende Schiffe geschützt.

Noch heute, nach bald 230 Jahren, feiert man am 23. Januar den "Bounty-Day", den Tag der Verbrennung der Bounty.



Die aktuellsten Neuigkeiten von unserer Reise nach Pitcairn finden Sie hier auf Whatsapp:

079 674 06 65






Sonntag, März 03, 2019

Der Inselsammler: Auf dem Weg nach Pitcairn (4)

Die Meuterei auf der Bounty: Eine kurze Zusammenfassung.

Die HMVA BOUNTY, eine knapp dreissig Meter lange Dreimastbark, sticht am 23. Dezember 1787 in See, um in Tahiti Setzlinge des Brotfruchtbaumes zu laden. Diese sollen in die Karibik gebracht werden, wo sie als Nahrung für die Sklaven dienen würden.

 Etwas länger als heute, nämlich 10 Monate, dauerte die Fahrt von Portsmouth, England, nach Polynesien: Man erreicht die Insel am 25. Oktober 1788 und geht in der Matavai-Bucht vor Anker.
Da sich die Brotfruchtbäume zu dieser Zeit in einer Ruhephase befanden, wurde ein längerer Aufenthalt geplant. Weiter ging es erst wieder am 4. April 1789.

Schon nach drei Wochen, am 28. April, wurde gemeutert. Der Kapitän, je nach Aussage ein gestrenger jedoch gerechter Boss, oder aber ein jähzorniger, Geissel schwingender Choleriker, wurde mit einigen Getreuen kurzerhand in eine kleine Barke geschmissen und ausgebootet.  William Bligh, so hiess der Kapitän, erreichte nach 41 Tagen und einer zurückgelegten Strecke von beinahe 6'000 km die Insel Timor im heutigen Indonesien. Auch heute noch ein Weltrekord!
William "Willie" Bligh
Captain der HMVA Bounty


Wo aber waren die Meuterer geblieben?
Dazu später mehr.

Samstag, März 02, 2019

Der Inselsammler: Auf dem Weg nach Pitcairn (3)

Captain Carteret (Bild Wikipedia)
Die Insel Pitcairn erhielt ihren Namen nach jenem Seemann, der im Ausguck der HMS SWALLOW sass, als dieses britische, von Captain Carteret befehligte Schiff 1767 an der Insel vorbeifuhr. Solche Entdeckungen machte man in alten Zeiten im Pazifik häufig. Und so kam es, dass der junge Matrose Robert Pitcairn, Namensgeber des Steinhaufens wurde. Der Captain notierte in seinem Logbuch etwas von einem "Felsen, der aus dem Meer ragt".

Und fuhr fort: "Wäre gerne gelandet, aber die Brandung war viel zu heftig, als dass ich es hätte wagen dürfen."
HMAV BOUNTY (Bild Wikipedia)

Carterets Reisebericht erschien  1773 in England und stiess auf grosses Interesse. Und es war wohl kein Zufall, dass sich ein Exemplar dieses Buches auch an Bord der HMAV BOUNTY befand. Es war 1787, als die Bounty zu ihrer verhängnisvollen Fahrt in die Südsee aufbrach.


Morgen geht's weiter im Text. Endlich wird es spannend. Nicht nur eine Meuterei wartet auf Sie ...

Bevor ich es vergesse: Auf Facebook bin ich nicht mehr anzutreffen. Nie mehr. Meine Texte gibt es ausschliesslich in diesem Blog zu lesen. In meinem WhatsApp-Status finden Sie täglich kurze News gegen den täglichen Lesehunger.

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Freitag, März 01, 2019

Der Inselsammler: Auf dem Weg nach Pitcairn (2)

Kaum jemand weiss, wo Pitcairn liegt. Aber fast alle kennen jenes Ereignis, das sich 1789 zutrug und untrennbar mit den Pitcairn-Inseln verbunden ist: die Meuterei auf der "Bounty". Berühmt geworden ist das verbürgte Abenteuer allerdings erst durch die bereits erwähnten Filme.

Mit einer Fläche von etwas mehr als vier Quadratkilometern ist die Insel auf dem Globus schwer auszumachen. Sie liegt im Südost-Pazifik, auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Peru. Das nächste bewohnte Eiland ist Mangarewa im Gambier-Archipel. Tahiti ist mehr als 2'200 km entfernt, Neuseeland über 5'000 km.

Pitcairn ist der Rest eines erloschenen Vulkans, ein Fels im Meer, ein Steinhaufen, etwas mehr als 300 Meter hoch, verloren in der Wasserwüste des Stillen Ozeans.
Die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen 19 und 24 Grad Celsius (Jahresdurchschnitt Schweiz 5,5 Grad!) , die Niederschlagsmenge bei 1'800 Millimetern. (Schweiz 1'500 Millimeter). Dieses Klima und ein fruchtbarer Boden ermöglichen den Anbau von Obst und Gemüse.
Adamstown (Bild Wikipedia)

Die einzige Siedlung auf Pitcairn ist Adamstown. Sie liegt oberhalb der Bounty-Bay, im Nordosten der Insel. drei Dutzend Holzhäuser verstreut in einem garten-ähnlich bewachsenen Gelände.Weniger als fünfzig Personen wohnen heute noch auf der Insel.

Und genau dorthin wollen wir. Schön, dass Sie mit uns reisen!

(Mit Auszügen aus einem Text von Markus Kappeler, eschienen in der "Flags of the Nations" Stamp Collection.)





Donnerstag, Februar 28, 2019

Der Inselsammler: Auf dem Weg nach Pitcairn (1)

Unsere nächste Reise folgt den Meuterern der Bounty. Die älteren Semester werden sich vielleicht an das Buch Captain Bligh und Mr.Christian erinnern. Oder aber an den Film mit Errol Flynn (1933) oder mit Clark Gable und Charles Laughton (1935). 
Auf Grund des Alters der Filme - und der Leser ist dieser Text wohl etwas fraglich ...
Sicher jedoch wird Ihnen Marlon Brando als Fletcher Christian und Trevor Howard als Captain William Bligh in Erinnerung geblieben sein. Auch nicht? 
Letzter Versuch: 1984 spielten Mel Gibson und Anthony Hopkins die Hauptrollen im bislang letzten Film über die Meuterei auf der Bounty, The Mutinity on the Bounty.
Vielleicht sollten Sie sich einfach mal wieder einen dieser Schinken anschauen. Die entsprechenden Downloads finden Sie im Internet.

Oder aber Sie pilgern nach Weinfelden im Kanton Thurgau. Wer gemeint hat, diese Gemeinde sei nur für Apfelköniginnen, suure Moscht oder das alljährliche Besäufnis an der WEGA (Messe im Herbst) bekannt, hat weit gefehlt. In Weinfelden nämlich befindet sich wohl der einzige Bounty-Club der Welt und eines der wenigen Bounty-Museen Europas! Gegründet wurden diese von Edi Spengler. Ihn finden Sie in der Bounty-Bar, ebenfalls in Weinfelden. Weitere Infos dazu finden Sie im Internet. Oder aber Sie besuchen direkt Edi. Keiner weiss mehr über die Bounty und ihr Personal.


www.bountyclub.ch

Und wenn Sie schon in Weinfelden sind, dann kehren Sie im Gambrinus, bei Silvana und Roberto Lombardo ein. Sie werden nicht enttäuscht sein!


www.gambrinus-weinfelden.ch








Montag, Februar 25, 2019

... die aktuellsten News täglich frisch ...

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Gsell liest ...

Wir sind wieder auf grosse Fahrt. Ich will einen ganzen Chratten voller neuer Inseln sammeln ... wie viele ich in meinem Leben schon besucht habe? Dazu später mehr. 
Denn heute gibt's noch einmal Informationen zu den nächsten Lesungen:




Schön, wenn Sie dabei sein können!


Sonntag, Februar 24, 2019

Volksstimme Kolumne Februar 2019


Bananen

«Heute Morgen hatte es schon wieder keine Bananen auf dem Frühstücksbuffet!», echauffierte sich die Dame aus Zimmer 166 und wandte sich an den Hotelmanager. «Wachsen denn keine Bananen auf dieser Insel?»
«Aber sicher wachsen hier Bananen!», entgegnete dieser. «Aber die haben heute frei».

Um diesen kryptischen Satz entschlüsseln zu können, muss man tief in die mikronesische Politik eintauchen. Ein wesentlicher Grundsatz lautet, ähnlich wie in der Schweiz: «Je Republik, desto Banane», manchmal auch in der Variante «Je kleiner das Land, je grösser die Bananen».

Es geschah vor einigen Wochen. Wir standen am Flughafen von Yap und hatten uns in die Schlange der Einreisenden eingereiht. Sorgfältig prüften die Grenzbeamten die Pässe, kontrollierten die Einreiseformulare und stempelten sich lustlos durch die Papiere.
Bei den zum Flughafen abkommandierten Grenzbeamten handelte es offensichtlich um Lehrlinge: Sie durften nur Visa bis zu einer Gesamtdauer von 30 Tagen vergeben. Wir aber beabsichtigten, 35 Tage im Land zu bleiben. «Kein Problem, meinte die Offizierin.» Am 27. Dezember gehen sie ins Einwanderungsamt, die «Immigration», und holen sich ein Visum für die verbleibenden Tage. Auf unsere Frage, ob denn das Amt an diesem Tag auch wirklich geöffnet habe, meinte sie stramm «Yes, Sir!»

Es ist der 27. Dezember 2018 und wir stehen vor dem genannten Amt: «Closed.» Wiedereröffnung
am 2. Januar. Verstösse gegen Aufenthaltsbestimmungen werden überall auf der Welt bestraft. Auch in der Schweiz drohen hohe Bussen und manchmal auch Gefängnisaufenthalte. Gefängnis in Yap? Muss nicht sein.

Am Nebentisch im Frühstücksraum sitzt ein älterer Herr. Er hat unser Gespräch mitgehört, schüttelt den Kopf und meint leise: «Das darf doch nicht wahr sein!».
Der Hotelmanager macht uns mit ihm bekannt: «Sir Henry, der neu gewählte Gouverneur von Yap.»
Da es in der Schweiz nicht allzu viele Gouverneure gibt, hier eine Beschreibung von Sir Henrys Tätigkeiten: Er ist Staatsoberhaupt von Yap, politischer Führer, am ehesten vergleichbar mit dem Präsidenten des Regierungsrates. Er vertritt den Staat, den «Kanton», in der Bundesregierung der «Föderierten Staaten vom Mikronesien».

Zurück zu unserer Aufenthaltsgenehmigung, die vor ein paar Stunden abgelaufen ist. Obwohl Sir Henry noch nicht im Amt ist, die Inauguration wird erst im Januar stattfinden, greift er zu seinem Handy. «Ich werde denen mal den Marsch blasen!», ruft er erzürnt.

Der Hotelmanager aber meint: «Wait, Sir Henry, das erledigen wir auf dem kleinen Dienstweg. Ich werde meine Späher aussenden und einen der Beamten finden. Wir wissen schon, wo wir suchen müssen. Diese Insel ist ja ein Kaff, um nicht zu sagen ein Kabuff. Wenn meine Späher einen Beamten gefunden haben, werden sie ihm erst die Leviten lesen und ihn dann mit samt seinen Stempeln hier ins Hotel schleppen.»

Noch warten wir auf den Stempler, sitzen gemütlich an unserm kleinen Pool und lassen es uns gut gehen. Die Bananen schmecken ganz ausgezeichnet. Auch ohne Aufenthaltsgenehmigung.